DISKUSSION

Aktenzeichen Generation X, Y, Z

Wie Gewerkschaft die Zukunft in den Betrieben gestalten und begleiten muss

Berthold Bose, ver.di-Landesleiter (li.), Wissenschaftler Christian Scholz

Foto: ver.di Hamburg

In den Betrieben begegnen wir bei der gewerkschaftlichen Arbeit mehreren ­Generationen. Wir wollen sie alle mit unseren Themen erreichen und sind gleich­zeitig oft unsicher über die Wertvorstellungen und Grundhaltungen der unterschiedlichen Generationen. Mit diesem Thema wollte sich der Landesbezirksvorstand von ver.di Hamburg eingehender befassen. Als Fachmann war Christian Scholz eingeladen, der an der Universität des Saarlandes eine Professur für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Personalmanagement innehat.

Grundwerte bleiben

Was unterscheidet die Generationen, wie ticken sie, was ist ihnen im Arbeitsleben wichtig? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Abends mit Christian Scholz. Zunächst gab er einen Überblick über die Generationen aus Sicht der Forschung. Denn, so Scholz gleich zu Beginn, dass alle die gleichen Werte haben, das wollen wir gerne glauben, es ist aber ein Irrtum. Zudem: Anders, als wir es oft annehmen, ändern die Generationen ihre Grundwerte im Lauf ihres Lebens nicht.

Das machte der Wissenschaftler zunächst an den sogenannten Babyboomern fest, geboren zwischen 1950 und 1965, groß geworden mit der Schallplatte, Idealisten, die ihre Ideale auch in der Arbeit verwirklichen wollen.

Die Jahrgänge zwischen 1965 und 1980 werden als Generation X bezeichnet, skeptisch und mit dem Schwerpunkt auf dem Privatleben. Sie hatten in ihrer Jugend Zugang zu einem Screen und den Kassettenrekorder. In den Unternehmen haben sie es schwer, denn, so Wissenschaftler Scholz, "vor ihnen sitzen immer Babyboomer".

Zwischen 1980 und 1995 wurde die Generation Y geboren. Aufgewachsen mit MP3-Player, zwei bis drei Screens, optimistisch. "Der Traum jedes Betriebswirtes." So fasste es Scholz zusammen. Das sind sie auch deshalb, weil sie sehr stark das work-life-blending, also den fließenden Übergang von Arbeit und Privatleben, akzeptieren.

Etwa ab 1990 / 95 folgt die Generation Z (für Zukunft). Groß geworden mit drei bis sechs Screens und der Cloud, realistisch und mit einem nüchternen Blick auf das Arbeitsleben ausgestattet. Diese Generation sei eher behütet aufgewachsen und kannte schon in der Grundschulzeit durchgeplante Tage. Sie wünsche sich verlässliche Arbeitszeiten und trenne Arbeit und Privatleben. Scholz: "Mit dieser Generation ist permanente Verfügbarkeit nicht zu machen."

In diesem Zusammenhang betonte er, dass die Möglichkeiten der Digitalisierung bisher vor allem genutzt werden, um die Verfügbarkeit zu erhöhen, nicht um die Planbarkeit zu verbessern. Vielleicht erzwingt diese Generation hier eine Veränderung? Ihr Realismus hat zur Folge, dass ihnen Loyalität zu ihrem Unternehmen fremd sei, denn sie wüssten, dass sie ihrerseits auch keine Loyalität erwarten könnten.

In der Diskussion ging es um die Frage, was wir als Gewerkschafter/innen tun sollten, um diese Generation zu erreichen, aber auch darum, ob sie die Arbeitswelt verändern wird. Das Thema dieser Generation ist Gerechtigkeit, gleichzeitig interessiere sie sich nicht besonders für allgemeine Politik. Sie wünsche sich eine klare Orientierung und konkrete Perspektiven, Ungerechtigkeit bringe sie nicht automatisch in Bewegung, sie wollen ein Ziel erreichen können.

Für ver.di kann das heißen, der Kritik dieser Generation an den bisherigen Formen der Arbeit mit positiven gewerkschaftlichen Visionen der Arbeitswelt zu begegnen. Möglichst nah dran, also in den Betrieben und klar beschrieben. Das ist für ver.di kein neues Feld, in vielen Rückmeldungen klang dann auch etwas Überraschung durch, dass unsere klassischen gewerkschaftlichen Handlungsfelder recht gut geeignet sind, um junge Menschen anzusprechen. Eine Kollegin formulierte es in der Diskussion so: "Für mich klingt das, als seien diese jungen Menschen die zukünftigen Betriebsräte."