Buchtipp

Deutsche Zweiheit | Genau 20 Jahre liegt die Vereinigung der beiden deutschen Staaten nun zurück. Genauso alt ist das Versprechen "blühender Landschaften" binnen weniger Jahre des damaligen Kanzlers Helmut Kohl (CDU). Offensichtlich wurde die Wirkung der ach so siegreichen Marktwirtschaft jedoch heillos überschätzt.

Das zeigt die Bilanz der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, jener Gruppe, die seit 1975 jährlich ein Alternativgutachten ("Memorandum") zur wirtschaftlichen Entwicklung vorlegt. Ergebnis: Deutschland ist von einer Einheit der Lebens- und Arbeitsbedingungen weit entfernt, der Vereinigungsprozess sogar "alles in allem gescheitert". Facettenreich und mit vielen Daten und Fakten untermauert wird dargelegt, dass es nicht eine 1989 vor dem Zusammenbruch stehende DDR-Wirtschaft war, die bis heute für die Zementierung der deutschen Zweiheit verantwortlich ist. Entscheidend hierfür ist vielmehr eine neoliberale, auf Privatisierung und entfesselte Marktkräfte blind vertrauende Politik.

Wer über das Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten, notwendige Korrekturen der Politik und die Zukunft unseres ganzen Landes mitreden will, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Aber auch diejenigen nicht, die wissen wollen, wie es eigentlich zur deutschen Zweiheit gekommen ist.

Norbert Reuter

Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik: Deutsche Zweiheit - oder: Wie viel Unterschied verträgt die Einheit. Bilanz der Vereinigungspolitik, PapyRossa Verlag, Köln, 255 Seiten, 16,90 €, ISBN 978-3894384470