Interview

Europa mitgestalten

UNI-JUGEND | Wie ver.di-Jugendliche an einem sozialen Europa arbeiten

MARTINA HARTUNG, 31 Jahre alt, lebt in Berlin, ist gelernte Verlagskauffrau, Magister der Kultur- und Kommunikationswissenschaft, aktiv im Fachbereich Medien, Kunst und Industrie in Berlin/Brandenburg und im Arbeitskreis Internationales der ver.di Jugend

CHRISTIAN WÖLM, 25 Jahre alt, lebt in Hamburg, ist gelernter Sozialver-sicherungsfachangestellter, aktiv als Vorsitzender der ver.di Jugend Hamburg, im Bundesjugendvorstand und im Arbeitskreis Internationales der ver.di Jugend

MARTINA HARTUNG und CHRISTIAN WÖLM

foto: Privat

ver.di PUBLIK | Martina, UNI ist die globale Gewerkschaft für Fach- und Dienstleistungsberufe mit weltweit 15 Millionen Mitgliedern, du bist seit zwei Jahren bei der UNI-Jugend aktiv. Jetzt bist du Ende Januar auf der UNI-Jugendkonferenz in Manchester zur Präsidentin der Jugend in Europa gewählt worden. Was genau machst du da?

MARTINA HARTUNG | In erster Linie werde ich in den UNI-Europa Gremien präsent sein und dafür sorgen, dass unsere Themen und Meinungen wahrgenommen und mit uns auf Augenhöhe diskutiert werden. Gleichzeitig wird es meine Aufgabe sein, Brücken zwischen den Gewerkschaftsjugenden zu bauen. Ich bin zum Beispiel im September zum Bundesjugendforum der österreichischen Gewerkschaft GPA-djp eingeladen. Dort wird es für mich vor allem darum gehen, zu erklären, was UNI überhaupt ist und wie länderübergreifende Solidarität und gewerkschaftliche Zusammenarbeit aussehen kann. Die größte Herausforderung sehe ich darin, eine europäische Jugendbewegung real und spürbar werden zu lassen. Auch für uns in ver.di.

ver.di PUBLIK | Raus aus der Zeit- und Leiharbeit ist euch ein wichtiges Anliegen. Seid ihr damit in Manchester ein Stück weitergekommen?

MARTINA | Wir haben deutlich gemacht, dass von Leih- und Zeitarbeit vor allem junge Menschen betroffen sind. Mit unserem Antrag und den darin formulierten Positionen gehen wir in die Gremien von UNI-Europa und sagen: Es ist wichtig, dieses Thema anzupacken, europaweit. Der Kongress hat darüber beschlossen: "Leiharbeit gehört abgeschafft."

ver.di PUBLIK | Auf der Konferenz wurde auch das Thema Jugendarbeitslosigkeit in den Fokus genommen. Gibt es da in Europa eigentlich große Unterschiede, oder ist es ein generell wachsendes Problem?

MARTINA | Die letzten Zahlen sagen, dass jeder fünfte junge Mensch unter 25 Jahren in Europa arbeitslos ist. Damit ist die Jugendarbeitslosenquote doppelt so hoch wie die gesamte Arbeitslosenquote in Europa. Das Gefälle zwischen den einzelnen EU-Ländern ist dabei groß. Für die Niederlande weist die europäische Statistikbehörde Eurostat siebe Prozent aus. Im Vergleich dazu liegt die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien bei fast 41 Prozent. In Manchester haben wir dieses Phänomen vor allem gesamtgesellschaftlich diskutiert, also in Bezug auf die Erhöhung des Renteneintrittsalters und die stetige Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit.

"Die Jugendarbeitslosenquote ist doppelt so hoch wie die gesamte Arbeitslosenquote in Europa"

ver.di PUBLIK | Wurden in Manchester wichtige neue Schritte oder Aktionen beschlossen?

CHRISTIAN WÖLM | Die erste große Aktion wird Anfang März in Brüssel stattfinden. Es ist die UNI-Gegenoffensive zur Liberalisierung des Postmarktes, also den Freibrief der EU für die Mitgliedsstaaten, die Post weiter zu liberalisieren. Der Lenkungsausschuss und einige andere Jugendliche aus den Mitgliedsgewerkschaften werden an dieser Aktion teilnehmen, um vor dem EU-Parlament ein Zeichen zu setzen. Außerdem wurde ein von der ver.di Jugend eingebrachter Antrag beschlossen, dass die UNI-Europa Jugend einen Aktionstag veranstaltet unter dem Motto: "Wir sind alle Ausländer/innen - für mehr Toleranz".

ver.di PUBLIK | Und was ist jetzt für euch das vorrangige Ziel?

CHRISTIAN | Da Martina jetzt als Präsidentin gewählt wurde und ich ihren Platz als ordentliches Lenkungsausschussmitglied eingenommen habe, fällt in meinen Aufgabenbereich die Koordinierungsarbeit in der Region, also Deutschland, Österreich, Schweiz. Ein Ziel für uns ist es, die guten Kontakte, die wir in Manchester gewonnen haben, weiter auszubauen und möglichst in der zweiten Jahreshälfte ein Treffen zu organisieren, bei dem wir die Arbeit der Region innerhalb der UNI Jugend weiter abstimmen. Wir haben in Manchester festgestellt, dass wir mit den österreichischen und schweizerischen Gewerkschaften große Schnittmengen haben, das stimmt mich sehr positiv für die weitere Zusammenarbeit.

MARTINA | Ich denke auch: Am wichtigsten ist es jetzt, die Stimmung vom Kongress und den Zusammenhalt zwischen den Gewerkschaften am Leben zu erhalten. Die Gespräche mit den anderen jungen Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern haben so viele neue Impulse, nicht nur bei mir, gesetzt. Wir müssen den Kontakt halten, zum Beispiel über Facebook unter "UNI Europa Youth", und dieses Netzwerk für uns und unsere Aktionen vor Ort nutzbar machen. Und wir haben einen europaweiten Jugendaktionstag beschlossen. Wenn der real wird, haben wir einen großen Schritt gemacht.

INTERVIEW: Petra Welzel

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