Interview

Eine Chance in der Pflege

Marco Hahn ist Leiter der Schule für interkulturelle berufliche Bildung „Paulo Freire“ in Berlin, die im Februar 2012 eröffnet wurde

Marco Hahn

Foto: privat

ver.di PUBLIK | Sie bieten in Ihrer Schule interkulturelle berufliche Bildung an. An wen richtet sich Ihr Angebot?

Marco Hahn | Wir unterrichten als Schwerpunkt Migrantinnen und Migranten, die Interesse haben, einen Pflegeberuf zu erlernen. Sie haben häufig zuvor sehr negative Erfahrungen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz gesammelt. Viele unserer Schüler und Schülerinnen und Teilnehmer der Fachsprach- und Vorbereitungskurse kommen aus afrikanischen und arabischen Ländern oder haben türkische oder kurdische Wurzeln. Ein Drittel von ihnen sind Männer. Einige von unseren Schülern haben sogar schon eine pflegerische Ausbildung in ihren Heimatländern absolviert, die werden in Deutschland aber häufig nicht anerkannt.

Eine Pflegeschülerin aus Guinea füttert erstmal die Übungspuppe

foto: Renate kossmann

ver.di PUBLIK | In welchen Pflegeberufen wird bei Ihnen ausgebildet?

Hahn | Wir bieten eine zweijährige Ausbildung zum staatlich anerkannten Sozialassistenten oder zur Sozialassistentin mit der Fachrichtung Pflege an. Zusätzlich veranstalten wir Vorbereitungskurse und Fachsprachkurse, die auf die Ausbildung oder den Beruf vorbereiten. Während der Ausbildung besteht die Möglichkeit, zusätzlich zum Berufsabschluss den mittleren Schulabschluss nachzuholen. Im Anschluss können die Schüler eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger – auf zwei Jahre verkürzt – absolvieren.   

ver.di PUBLIK | Hilft die Schule anschließend auch beim Berufseinstieg?

Hahn | Die notwendigen Praktika absolvieren die Schüler vor allem bei Vivantes. Nach der Ausbildung haben sie gute Chancen, in den Kliniken oder Pflegeheimen übernommen zu werden. Wir unterstützen sie bei Bewerbungen und stellen Kontakte her. Unsere Absolventinnen und Absolventen sind nicht nur in Zeiten des Fachkräftemangels gefragt. Sie bringen ein großes Gespür für Patienten aus verschiedenen Herkunftsländern mit.

Interview: Silke Leuckfeld