private und öffentliche banken

Auf Samstagsarbeit pusten wir

Seit Anfang Mai läuft die Tarifrunde 2014. Viele Bankbeschäftigte sind seit dem ersten Verhandlungstermin zu Aktionen bereit, um klarzumachen: Ein Plus beim Gehalt ist fällig

Von wegen Seifenblasen: 300 Bankbeschäftigte bekräftigen in Stuttgart ihre Forderung von 100 Euro plus 3,5 Prozent und: samstags keine Regelarbeit

foto: jo röttgers / graffiti

von Gudrun Giese

Der Unmut ist groß, und er wächst. Beschäftigte der öffentlichen und privaten Banken sind in den zurückliegenden Wochen immer wieder auf die Straßen gezogen. Sie zeigten ihren Arbeitgebern die Rote Karte und demonstrierten mit Seifenblasen symbolisch, was sie von deren Blockadehaltung in der laufenden Tarifrunde halten.

"Statt uns ein verhandelbares Entgeltangebot zu präsentieren, provozieren die Arbeitgeber mit Vorstößen zu regulärer Samstagsarbeit und damit, dass sie den Vorruhestandstarifvertrag nicht verlängern wollen", sagt Claudia Eggert-Lehmann, Betriebsratsvorsitzende der Commerzbank in Dortmund und Mitglied der Tarif- und Verhandlungskommission. In Dortmund sind die Bankbeschäftigten vor allem über die von den Arbeitgebern geforderte Samstagsarbeit aufgebracht. Aber auch die Gehaltsentwicklung ist ein Thema, das viele Kolleginnen und Kollegen zu Flashmobs auf die Straße treibt. Claudia Eggert-Lehmann sagt, dass sich die Arbeit in den Banken enorm verdichtet habe. Dennoch habe es in den letzten Entgeltrunden - auch wegen der Finanzmarktkrise - keine großen Zuwächse gegeben. "Unsere Kolleginnen und Kollegen erwarten in dieser Tarifrunde endlich ein echtes Plus bei den Gehältern." Von Samstagsarbeit wollen sie hingegen ganz und gar nichts wissen. Angesichts des zunehmenden Leistungsdrucks ist ihnen das freie Wochenende wichtiger denn je - für die Erholung und für Zeit mit der Familie.

Noch mehr Flashmobs

Auch in Stuttgart zeigen viele Bankbeschäftigte den Arbeitgebern öffentlich, was sie von deren Vorstellungen halten. "Wir haben als erste bundesweit gleich nach der gescheiterten ersten Verhandlungsrunde einen Flashmob organisiert, an dem sich weit über 200 Kolleginnen und Kollegen beteiligt haben", berichtet Walter Fröschle, Personalratsmitglied bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Knapp zwei Wochen später folgte die Seifenblasenaktion vor dem Bankgebäude am Hauptbahnhof. "Und wir planen weiter viele kurzfristig angesetzte Aktionen", sagt Frank Hawel von ver.di Stuttgart. Die Beschäftigten seien dazu bereit, weil sie - da ist er sich mit Claudia Eggert-Lehmann einig - unter der Arbeitsverdichtung "zu leiden haben und auf jeden Fall eine wahrnehmbare Gehaltssteigerung erkämpfen wollen".

ver.di hatte den Entgelttarifvertrag zum 30. April gekündigt und fordert einen Sockelbetrag von 100 Euro plus 3,5 Prozent mehr Gehalt. Samstagsarbeit dürfte überhaupt nicht Gegenstand der Tarifverhandlungen sein, da Änderungen der Arbeitszeit den nach wie vor geltenden Manteltarifvertrag betreffen. "Dass die Arbeitgeber den Samstag in die Verhandlungen einbringen, ist eine reine Machtdemonstration", sagt Claudia Eggert-Lehmann. "Sie wollen diktieren, worüber geredet wird. Doch wir lassen uns nicht einschüchtern."

Ende Mai fand die zweite Verhandlungsrunde in Frankfurt am Main statt. Die Arbeitgeber präsentierten auch diesmal kein Entgeltangebot. Einen Tag zuvor war es bundesweit wieder zu zahlreichen Aktionen von Beschäftigten gekommen, so in Berlin vor der Zentrale der Landesbank. Auch hier war der Tenor einhellig. "Die Kolleginnen und Kollegen wollen gutes Geld für ihre gute Arbeit. Und sie bestehen auf dem arbeitsfreien Samstag", sagte Christina Stönner, freigestelltes Betriebsratsmitglied und Mitglied der Tarifkommission für die Jugend. Denn auch um den Nachwuchs geht es in dieser Tarifrunde: 30 Euro plus 3,5 Prozent mehr sollen die Auszubildenden nach den Vorstellungen der Tarifkommission erhalten.

Am 30. Juni wird in Frankfurt am Main weiter verhandelt. Bleiben die Arbeitgeber auch dann noch bei ihrer Blockadehaltung, wird es Streiks geben.

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