Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

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die unternehmerische Kreativität, was das Senken von Löhnen angeht, bringt überraschende Modelle hervor. Etwa wenn ein Verlagsunternehmen sich tariflich im Verkehrsgewerbe verorten möchte. Der VSB Verlagsservice Braunschweig, ein Tochterunternehmen des Westermann Verlags, hat angekündigt, in den Tarifvertrag des "Gesamtverbands Verkehrsgewerbe Niedersachsen" wechseln zu wollen. Das rechnet sich eben. Dabei ist nicht einmal ein loser Bezug zur Verkehrsbranche erkennbar. Was auch dadurch nicht gebessert wird, dass Westermann den Diercke-Weltatlas herausgibt. Und es ist nicht die erste tarif- politische Volte, die der VSB schlägt. Bericht auf Seite 4.

Ein T-Shirt, das die Bewegungsabläufe einer Pflegekraft misst, um ihr anschließend mitzuteilen, ob und wann es zu Fehlhaltungen bei der Arbeit gekommen ist: In einem Altenpflegeheim in Nürnberg-Mögeldorf wird ein solches, mit Platinen und Sensoren aus-gestattetes T-Shirt derzeit getestet. Smarte Berufskleidung genannt. Den Pflegenden soll so geholfen werden, falsche Bewegungsabläufe zu erkennen und zu vermeiden, um etwa Rückenbeschwerden vorzubeugen, heißt es. Überflüssig, heißt es dagegen bei ver.di, die einseitigen Belastungen im Pflegebereich seien längst hinlänglich bekannt. Und groß sei die Gefahr, dass die vielen Daten aus dem T-Shirt zur Leistungskontrolle missbraucht werden. ver.di publik hat sich das Projekt näher angeschaut, nachzulesen auf den Seiten 12 und 13.

ver.di feiert in diesem Jahr ein doppeltes Jubiläum. Der Verband der Deutschen Buchdrucker, die älteste Vorläufer-Organisation von ver.di, wurde vor 150 und ver.di vor nun 15 Jahren gegründet. Und die Arbeiterinnen waren von Anfang an dabei. Auch wenn manch ein Historiker das abstreitet. Unser Rückblick auf Seite 9.

Die nächste ver.di publik erscheint Anfang Juni. Bis dahin Ihnen und Euch eine gute Zeit!

Maria Kniesburges, Chefredakteurin der ver.di publik