Armut im Alter

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Die Zahl der als arm geltenden Menschen ist seit 2005 um knapp 50 Prozent gestiegen, vor allem Rentner/innen sind betroffen. Und die jungen Leute von heute werden betroffen sein. Die gesetzliche Rente muss wieder gestärkt werden

Von Heike Langenberg

Was bedeutet eine niedrige Rente für ihre Bezieher/innen? Sie können nicht mehr am Alltag teilhaben. "Soziale Isolation, durch Einkommensarmut erzeugter Stress, mangelndes Selbstwertgefühl", benennt Joachim Rock, Abteilungsleiter für Sozial- und Europapolitik des Paritätischen Gesamtverbandes die Faktoren, die sich dann auch negativ auf die Gesundheit der Rentner/innen auswirken können. "Ältere Menschen, die arm sind, erkranken häufig deutlich schwerer und leben deutlich kürzer als ältere Menschen mit gesichertem Einkommen", ist sein Fazit in einem Kapitel zum Thema "Armut im Alter" im jüngst erschienenen Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrts­verbandes. Hinzu komme, dass sich Rentner/innen mit nur geringen Bezügen oft auch Zusatzausgaben für Medikamente und fällige Zuzahlungen kaum noch leisten können.

Auch die Ergebnisse einer Studie, die das Allensbach-Institut für Demoskopie vor Kurzen für die Generali-Versicherung gemacht hat, gehen in diese Richtung. Nur 28 Prozent der über 65-Jährigen mit niedrigen Alterseinkommen sind mit ihrer Gesundheit zufrieden, bei denen aus höheren sozialen Schichten sind es fast doppelt so viele. Sie haben auch mehr Geld im Alltag zur Verfügung. Bei denjenigen, denen das Geld fehlt, wirken sich auch die steigenden Miet- und Nebenkosten fatal aus. Oft müssen sie aus ihrem gewohnten Umfeld wegziehen, was ihre Teilhabemöglichkeiten noch weiter einschränkt. Hinzu kommt, dass viele Ältere aus Scham und Unwissenheit ihre Ansprüche gar nicht geltend machen. Auf rund 40 Prozent schätzt Joachim Rock diese Zahl. "Das zeigt: ,Missbrauch' von Sozialleistungen ist kein Problem, viel eher die mangelnde Beanspruchung von Hilfen", sagt der Wissenschaftler.

Um auch im Alter über eine Rente verfügen zu können, die ein Leben in Würde ermöglicht, haben der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften eine Rentenkampagne gestartet. Dass die dringend notwendig ist, zeigen die Zahlen aus dem Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Denn hier fällt die Gruppe der Rentnerinnen und Rentner besonders auf. Nicht nur, dass bei ihnen die Armutsquote um 0,2 Prozentpunkte höher liegt als bei der Gesamtbevölkerung, die Zahl der als arm geltenden Menschen ist von 2005 bis 2015 um knapp 50 Prozent gestiegen.

Auch dass sich die Zahl derjenigen, die Grundsicherung ergänzend zur Regelaltersrente beziehen, von 2003 an bis 2015 verdoppelt hat, spricht für sich. "Altersarmut droht künftig immer mehr älteren Menschen", schreibt Rock in seiner Analyse. Denn politisch gewollt sinkt das Rentenniveau in Deutschland immer weiter ab. Nur noch 43 Prozent sollen es im Jahr 2030 sein, aktuell sind es noch knapp 48 Prozent.

Brauchte man im Jahr 2000 insgesamt 24,3 Entgeltpunkte für eine Rente auf Grundsicherungsniveau, sind es heute schon 30,3 Punkte. Tendenz steigend. Das bedeutet, dass man die entsprechende Zahl an Jahren immer einen Durchschnittsverdienst gehabt haben muss. Doch das wird in Zeiten zunehmender prekärer Arbeit, unfreiwilliger Teilzeitarbeit, von Befristungen, schlecht entlohnter Arbeit und damit auch immer wieder vorkommenden Unterbrechungen im Arbeitsleben immer schwerer zu erreichen sein.

Die Politik spielt das Problem herunter

Hier kann nur ein System helfen, das dazu beiträgt, dass gerade diejenigen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, auch eine Rente erhalten, die zum Leben reicht. Auch wenn die Politik heute in weiten Teilen noch versucht, das Problem herunterzuspielen: Altersarmut wird in Zukunft immer mehr Menschen betreffen. Die gesetzliche Rente muss daher wieder gestärkt werden - dafür machen der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften sich stark.

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