Berlin

Tarifvertrag im "Paradies"

Der Streik im Zoo hat Aufsehen erregt und schnell gewirkt

Es kann sich lohnen, sich zum Affen zu machen

Foto: dpa-Bildfunk

Vor dem Eingang des Berliner Zoos wirbt die Hauptstadt im Lutherjahr mit dem Slogan "Das Paradies ist überall". Nur wenige Schritte entfernt standen am 8. Mai Beschäftigte des Zoos, die ihre Situation als wenig paradiesisch empfanden: Sie streikten für mehr Geld.

Und das hat sich gelohnt. Bereits am Tag darauf einigten sich ver.di und der Kommunale Arbeitgeberverband für die Beschäftigten des Zoos und des Berliner Tierparks auf einen Tarifabschluss. Denn auch im Tierpark in Berlin-Lichtenberg war zeitgleich mit der Aktion im Zoo gestreikt worden.

Was der Abschluss den Beschäftigten bringt

Die Gehälter steigen jetzt in drei Stufen jährlich zum 1. April: In diesem Jahr gibt es rückwirkend 5,2 Prozent mehr Gehalt, im kommenden Jahr 5,7 Prozent, und ab April 2019 werden dann noch einmal  4,3 Prozent mehr gezahlt.

Bisher verdienten Kassierer, Pförtner und Kontrolleure nur 1.700 Euro, Tierpfleger knapp 2.080 Euro, und selbst Obertierpfleger erhielten nur ein Gehalt von 3.050 Euro - brutto. Und auch das bekamen sie erst nach vier Jahren. Bislang waren damit die Endstufen erreicht, auch bei mehr Berufsjahren gab es nicht mehr Geld. Wie ein langjährig Beschäftigter des Zoos am Rande des Streiks verriet, hatte er bisher am Monatsende nach 25 Dienstjahren nicht mal 1.400 Euro netto auf dem Konto. Zu wenig für die Leistung, zu wenig für die Berufserfahrung - und auch für die explodierenden Mieten in Berlin.

Zum Abschluss gehört auch, dass sich alte Besitzstände aus einem früheren Tarifvertrag bei jeder tariflichen Gehaltserhöhung um 62,5 Prozent des Erhöhungsbetrags verringern - eine "Kröte", die ver.di schlucken musste. Vereinbart wurde aber ebenso, dass ver.di und der Kommunale Arbeitgeberverband über eine neue Struktur des Entgeltsystems verhandeln werden.

Einsatz für mehr Gerechtigkeit

Mehr Entgeltstufen und damit mehr Gerechtigkeit - das waren die Gründe, warum Henry Schreiber sich an dem Streik beteiligt hat. Er arbeitet seit mehr als 25 Jahren als Tierpfleger im Zoo und ist dort für das Wassergeflügel zuständig. "Im Zoo Leipzig gibt es fünf Entgeltstufen", stellt er fest. Damit werde die Berufserfahrung der Kolleginnen und Kollegen bei den Einkommen honoriert.

Wegen der bisher fehlenden Gerechtigkeit hat auch Klaus-Dieter Grahl gestreikt. Er befürchtet für sich und seine Kollegen das Abrutschen in die Alters- armut, wenn sie das Rentenalter erreicht haben. "Ich selbst gehe in sechs Jahren in Rente, für mich wird sich nichts mehr ändern", sagt Klaus-Dieter Grahl, der Revierleiter für Greifvögel und tropische Wildschweine im Zoo ist. "Aber ich streike hier auch für die jungen Kollegen."

Die Sorge, dass den Beschäftigten im Zoo und im Tierpark die Altersarmut droht, teilt ver.di. Die Gewerkschaft legte deshalb bei den Tarifverhandlungen auch besonderen Wert darauf, die Situation für die Auszubildenden zu verbessern. Sie erhalten jeweils zum selben Zeitpunkt wie die Angestellten 7,8 Prozent, 8,5 Prozent und 4,3 Prozent mehr Geld. Und: Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung werden sie nun nach den Regelungen des öffentlichen Dienstes übernommen.  Silke Leuckfeld