Gesundheit

Ein Tarifabschluss ist bitter nötig

Die Beschäftigten der Paracelsus-Kliniken wollen endlich mehr Geld

Selbst Gespenster zogen schon durch Bad Gandersheim und forderten einen Tarifvertrag

Foto: ver.di

Von Gudrun Giese

Einen Durchbruch gab es Anfang April bei den Entgelt-Tarifverhandlungen für die rund 5.000 Beschäftigten der privat betriebenen Paracelsus-Kliniken noch nicht. Dafür sind die Positionen hinsichtlich der Höhe der künftigen Entgelttabelle noch zu weit voneinander entfernt. Immerhin konnte ver.di-Verhandlungsführer Sven Bergelin feststellen, dass sie sich weiter angenähert haben.

"Der bundesweite Aktionstag am 8. März und die Berichterstattung darüber haben den Arbeitgeber erkennbar beeindruckt", sagt Bergelin. An 23 von 25 Standorten in der Republik waren am Aktionstag Anfang März Pflegekräfte und Ärzt/innen zur "aktiven Mittagspause" vor die Kliniktüren gezogen. Rund 1.000 Mitarbeiter/innen beteiligten sich. Als besonderer Hingucker erwies sich dabei die Aktion von Beschäftigten der Paracelsus-Klinik in Bad Gandersheim. Als Gespenster verkleidet, trugen sie auch Transparente mit dem abgewandelten Marx- Zitat herum: "Ein Gespenst geht um bei Paracelsus - Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!". Bitter nötig ist die Erhöhung von Löhnen und Gehältern allemal, denn bei den Paracelsus-Kliniken erhält das Personal immer noch sehr viel weniger Geld als die Beschäftigten vergleichbarer kommunaler Krankenhäuser.

Ein Flickenteppich von Regelungen

Derzeit besteht das Entgeltsystem der Paracelsus-Kliniken aus einem Flickenteppich von 38 verschiedenen Entgeltregelungen. "Zum Teil gibt es Haustarifverträge, zum Teil individuelle Vereinbarungen", sagt Sven Bergelin. Lediglich ein Manteltarifvertrag existiert seit 2004 für alle Häuser. Immerhin konnte in den bisherigen Entgelt-Tarifverhandlungen eine neue einheitliche Eingruppierungsordnung vereinbart werden. Die in Euro und Cent konkret zu machen, ist nun allerdings die schwierigere Aufgabe.

"Mindestens 150 Euro monatlich mehr oder ein Plus von 7,5 Prozent müssen am Ende für die Kolleginnen und Kollegen schon rauskommen", sagt die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Sylvia Tausche. Auch die Ausbildungsvergütungen sollen um diesen Prozentsatz angehoben werden. Die Beschäftigten vertreten die Forderung nach einer deutlichen Entgelterhöhung, der Arbeitgeber steht inzwischen unter erheblichem Druck.

Tatsächlich ist die allgemeine Lohnentwicklung in den vergangenen Jahren an den Paracelsus-Kliniken spurlos vorübergegangen. 2012 wurden die Vergütungen zum letzten Mal regulär erhöht. Von 2013 bis Ende Oktober 2015 galt ein Zukunftssicherungstarifvertrag, mit dessen Hilfe der Klinikkonzern saniert werden konnte. "Das Unternehmen profitiert bisher von niedrigeren Löhnen", sagt Sven Bergelin. "Die liegen bis zu einem Viertel unter dem Niveau kommunaler Kliniken." Eine kräftige Anhebung sei deshalb längst ebenso überfällig wie ein einheitlicher Entgelttarifvertrag für die Paracelsus-Kliniken. Denn mit der neuen Eingruppierungsordnung sei schließlich noch nicht geregelt, welcher Beschäftigte am Ende wie entlohnt werde.

40 Kliniken - ein Eigentümer

Ursprung der Paracelsus-Konzerns ist das bis heute dazugehörende Krankenhaus in Osnabrück, das 1968 mit dem Konzept gegründet wurde, stationäre und ambulante Versorgung zu verbinden. Mittlerweile betreibt der Sohn des Klinikgründers bundesweit 40 Einrichtungen - davon sind 25 Akut- beziehungsweise Rehakliniken. Der Rest besteht aus Ambulanzen, die allerdings nicht von den aktuellen Tarifverhandlungen betroffen sind.

Der Eigentümer des Konzerns hatte bisher keine Erfahrungen mit Tarifauseinandersetzungen; das ändert sich zurzeit. "Wenn bis Ende Mai kein Abschluss zustande gekommen sein sollte, gibt es Streik", sagt Uwe Ostendorff, der ver.di-Konzernbetreuer für die Paracelsus-Kliniken. Nach dem erfolgreichen bundesweiten Aktionstag im März könne der Arbeitgeber kaum daran zweifeln, dass die Beschäftigten auch mit dem Arbeitskampf ernst machen werden.

An den Standorten der Paracelsus-Kliniken lassen sich übrigens - anders als in den meisten anderen Krankenhäusern - auch viele Ärzt/innen von ver.di vertreten. Ostendorff sagt: "Der Marburger Bund ist im Konzern schlecht aufgestellt, so interessieren sich zunehmend Ärzte, zum Teil auch Oberärzte, für die gewerkschaftlichen Forderungen - vor allem nach Entgelterhöhungen." Die Verhandlungen werden im Mai fortgesetzt.