Kurzporträt

Auf Menschen zugehen

Die gewerkschaftliche Vertrauensfrau Brigitte Bach-Grass

Brigitte Bach-Grass

ver.di Hessen

Zeit ihres Berufslebens arbeitet Brigitte Bach-Grass, 60, bei der Stadtsparkasse in Offenbach. Sie zählt sich zu den "Leuten an der Front". Will sagen, die Dienstleistung für den Kunden ist ihr Elixier. Sicherlich stehen die Sparkassen im Wettbewerb. Zielvorgaben beispielsweise gehören zu den üblichen Managementmethoden. Dennoch sind Sparkassen satzungsgemäß zu Aufgaben verpflichtet, die viele Privatbanken eher mit spitzen Fingern anfassen, zum Beispiel die Betreuung des "kleinen Sparers" und des Mittelstands. Dazu gehört auch die Übernahme von gesellschaftlichen Aufgaben. Für Offenbach heißt das, dass viele Ereignisse in Sport oder Kultur ohne die Förderung durch die örtliche Sparkasse gar nicht mehr denkbar wären. Das will auch Brigitte Bach-Grass erhalten und wehrt sich deshalb gegen jegliche Privatisierungsideen.

Auch gewerkschaftlich hat sie viele Etappen durchlaufen - als Personalrätin, als stellvertretende Frauenbeauftragte und heute als Vertrauensfrau. Ihr Motto lautet ganz traditionell: Die Fahne der Gewerkschaften hochhalten. Denn die sind für sie alternativlos. Stellvertreterpolitik macht sie allerdings nicht so gern. Deshalb sieht sie in der Aktivierung der Beschäftigten für ihre eigenen Interessen eine ihrer Hauptaufgaben. Das hat mit ihrem Verständnis von Demokratie zu tun. Aber viele ihre Arbeitskolleg/innen verhalten sich nicht anders als im übrigen Bankenbereich. Gewerkschaften sind wichtig. Aber eintreten? Im Moment nicht.

Einen wichtigen Hebel sieht Brigitte Bach-Grass darin, immer wieder auf die Menschen zuzugehen, den betrieblichen Blickwinkel zu weiten hin zu gesellschaftlichen Themen. Die Großstadt Offenbach mit ihren überschaubaren Strukturen scheint ihr hierfür gut geeignet. Großes Thema ist der allgegenwärtige Lärm, der von dem nahegelegenen Flughafen ausgeht.

Berechtigte Interessen an der Sicherung von Arbeitsplätzen müssen nicht zwangsläufig in Konflikt mit dem Schutz der Gesundheit geraten. "Ein Gleichgewicht muss her", sagt die Gewerkschafterin. Das könne aber nur hergestellt werden über die Debatte, "wie wir gemeinsam leben und arbeiten wollen".

reb