Lufthansa

Da kocht was hoch

Trotz eines Gewinns in Höhe von 115 Millionen Euro will die Lufthansa
ihren Caterer LSG verkaufen

Die Lufthansa will ihr eigenes Süppchen kochen. Am 5. Juni haben die Beschäftigten ihres Catering-Betriebs gezeigt, wie sie kochen können – vor lauter Wut

Foto: Peter Jülich

Von Helma Nehrlich

„Wir liefern Super-Qualität und tolle Produkte. Daran hängt Herzblut. Lange waren alle stolz, als Caterer für die Deutsche Lufthansa zu arbeiten“, sagt Christina Weber, die Konzernbetriebsratsvorsitzende der Lufthansa Service GmbH, der LSG Deutschland. Inzwischen treibt sie eine geradezu „irre Situation“ um. Zwischen Verkaufsplänen des Mutterkonzerns Lufthansa und Sanierungsstrategien des eigenen Managements drohen die Beschäftigten zerrieben zu werden. Doch die wehren sich.

„Die LSG beschert dem Lufthansa-Konzern Stabilität und Millionengewinne und stärkt die Premium-Marke Lufthansa“, sagt ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle: „Dieses Unternehmen zu verkaufen und die Arbeitsplätze zu gefährden, ist wirtschaftlich fragwürdig und sozial verantwortungslos.“ Behle erinnert daran, dass die rund 7.000 deutschen Beschäftigten des Catering-Unternehmens gerade wieder mit 115 Millionen Euro zum Gewinn des Mutterkonzerns beigetragen haben. Im ersten Quartal 2019 sind die Erträge erneut gestiegen. Und jetzt? „Die Beschäftigten sind ver-unsichert und fühlen sich durch das Verhalten der Lufthansa getäuscht“, sagt die Gewerkschafterin.

Bereits am 5. Juni gab es in Frankfurt/Main ein Gespräch mit Vertretern des Lufthansa-Vorstands und der LSG-Geschäftsleitung. „Unsere Forderungen für das ­Gespräch sind ganz klar: Kein Verkauf der LSG, das steht ganz oben an“, sagte Donato Buchholz, Sprecher der ver.di-Geschäftsfeldtarifkommission, wenige Tage vor dem Gespräch. Es überraschte Donato Buchholz und die anderen LSG-Beschäftigten nach Ende des Gespräches nicht, dass nicht mehr als heiße Luft heraus­gekommen ist. Der weltweit agierende Konzern wird in Deutschland seit Jahren umstrukturiert und „saniert“. Die Aufsplittung, die die LSG Deutschland 2011 beschloss, sahen Beschäftigte und ver.di seinerzeit äußerst kritisch. Sie befürchteten, dass Unternehmen sich gegenseitig Konkurrenz machen und dass kleinere Einheiten wirtschaftlich nicht überleben könnten.

Einige der eigenständigen LSG-Gesellschaften sind schon auf der Strecke geblieben. Inzwischen konzentriert sich die Produktion vor allem auf die Flughäfen Frankfurt am Main und München, daneben an Standorten in Düsseldorf, Köln, Alzey, Stuttgart, Hannover und Berlin sowie bei den Lufthansa Lounges. Auch die weltweite Konkurrenz, die zumeist keine Tariflöhne kennt, macht Druck.

Ein weiterer Umbau soll so aussehen: Die Produktion der verbliebenen LSG-Cateringbetriebe an den Flughäfen soll künftig an zwei regionalen Produktionsplattformen „konzentriert“ werden. Plattform West soll in Alzey in Rheinhessen, Plattform Ost im tschechischen Bor liegen. „Mengenbündelung“ heißt das Ziel. Dafür will man Millionen investieren.

Streiks nicht auszuschließen

ver.di und der Konzernbetriebsrat haben den Plänen bereits vor Monaten klare Forderungen entgegengestellt: Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen über 2020 hinaus; ein möglicher Umbau muss sozialverträglich gestaltet, Mittel wie Altersteilzeit oder freiwillige Aufhebungsverträge sollen genutzt werden. Und: die tarifvertraglichen Strukturen und der Verbleib im Arbeitgeberverband AGVL müssen gesichert sein, um weitere Tarifflucht auszuschließen.

Doch der Lufthansa-Konzern hat im April den Verkauf der ungeliebten Cateringtochter beschlossen und treibt ihn unter dem Projektnamen „Table“ energisch voran. „Es ist unverantwortlich, mit welcher sozialen Kälte der Lufthansa-­Vorstand die ,LSG Sky Chefs‘ nun fallen ­lassen will und die oft jahrzehntelange Arbeitsleistung der Beschäftigten missachtet.“ Ronald Laubrock, der bei ver.di für die LSG zuständige Geschäftsfeldbetreuer, spricht den Beschäftigten aus dem Herzen. Für den 24. Juni sind sie nach Köln, Frankfurt am Main und München zu gemeinsamen Betriebsversammlungen eingeladen. Streiks zur Sommerurlaubszeit sind jetzt nicht mehr ausgeschlossen.

Reportage     Seiten 12+13