Der lange Marsch zum Betriebsrat

KiK-Beschäftigte in Österreich haben ihre Arbeitnehmervertretung gewählt

VON GUDRUN GIESE

Clever kaufen bei KiK?

Foto: SASCHA SCHUERMANN / DDP

Das Innere des Ladens in einem Wiener Außenbezirk ist so trist wie in allen Filialen des Textildiscounters KiK, die Verkäufer/innen wirken so gehetzt wie in jedem Geschäft, in dem viel Arbeit auf wenig Personal verteilt wird. "Überstunden werden oft nicht abgegolten und Zuschläge nicht korrekt bezahlt", stellt Andreas Fillei fest.

Früher hat Fillei als Leiter einer KiK-Filiale in Villach gearbeitet. Mittlerweile engagiert er sich als Betriebsrat für bessere Arbeitsbedingungen bei KiK in Österreich und arbeitet als "einfacher" Angestellter in einer Filiale in Kärnten. Denn für sein Engagement zahlt der 36-Jährige einen hohen Preis. Dazu später.

Es begann 2005

Die Versuche, Betriebsratswahlen bei KiK in Österreich zu ermöglichen, begannen 2005. Eine Arbeitnehmervertretung für die rund 1200 Beschäftigten der 250 KiK-Filialen hätte es eigentlich schon im Herbst 2005 geben müssen. Damals war ein "arbeitgebernaher" Wahlvorstand mit der Ausschreibung der Betriebsratswahl beauftragt. Der ließ jedoch alle Fristen verstreichen, die Wahlen fanden nicht statt.

"Im Jahr darauf starteten wir eine Kampagne", berichtet Georg Grundei von der zuständigen Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-DJP). Gewerkschafter/innen klärten KiK-Beschäftigte über ihre Rechte auf, Betriebsrät/innen aus unterschiedlichen Branchen übernahmen Patenschaften. KiK-Beschäftigte, die sich an einer Fragebogenaktion beteiligten, sprachen sich zu 98 Prozent für die Wahl eines Betriebsrates aus. 85 Prozent gaben an, unbezahlte Überstunden zu leisten, 60 Prozent klagten über Willkür bei der Arbeitsplanung.

Spätestens da fühlte sich Andreas Fillei motiviert, das Projekt wieder anzuschieben - mit Unterstützung der Gewerkschaft. Doch zwei Tage nach der Ausschreibung der Wahl wurde Fillei, der als Spitzenkandidat auf der gewerkschaftsnahen Liste kandidierte, ohne Begründung fristlos entlassen und obendrein mit einem Hausverbot für alle KiK-Filialen belegt. Das war Anfang 2007.

"Die GPA-DJP legte Klage gegen diese Entscheidung ein und initiierte eine Protestaktion", erzählt Georg Grun-dei. Mehr als 8000 Mails gingen bei der KiK-Geschäftsführung in Österreich und in der Unternehmenszentrale im westfälischen Bönen ein, mit denen auf Rücknahme der Kündigung und Einleitung der Betriebsratswahlen gedrängt wurde. Auch der ver.di-Fachbereich Handel solidarisierte sich mit dem entlassenen Kollegen in Österreich.

Mit Erfolg. Nach weiterem Hick-Hack um die Wahlen einigte sich die Gewerkschaft GPA-DJP Mitte Mai 2007 mit dem österreichischen KiK-Geschäftsführer Wolfgang Seebacher, die Kündigung von Andreas Fillei zurückzunehmen und die Wahlen neu auszuschreiben. Die Gewerkschaft akzeptierte dafür allerdings den bestehenden arbeitgebernahen Wahlvorstand. So konnte das Ergebnis der Wahlen, die Ende Juni 2007 stattfanden, nicht überraschen: Von 14 Mandaten entfielen nur vier auf die gewerkschaftsnahe Liste mit Andreas Fillei an der Spitze.

Mehr Mut wird gebraucht

"Unsere Arbeit ist nicht einfach. Wir bekommen viel Druck vom Arbeitgeber zu spüren", sagt Fillei, der frühere Filialleiter. Aus vielen Gesprächen mit Kolleg/innen weiß er, dass er und seine drei Mitstreiter von der gewerkschaftsnahen Liste viel mehr Rückhalt in der Belegschaft haben, als die Mehrheitsverhältnisse zeigen. "Viele Kollegen hatten leider große Angst und nahmen gar nicht erst an den Wahlen teil", bedauert Andreas Fillei. Trotzdem bereut er sein Engagement keine Sekunde, "denn nur mit Betriebsrat können wir die Arbeitsbedingungen bei KiK verbessern".

Die Gewerkschaft GPA-DJP hat unterdessen Verhandlungen mit den Arbeitgebern aufgenommen. Georg Grundei erklärt: "Wir brauchen Regelungen zur Arbeitszeit vor allem für Teilzeitkräfte. Bisher werden die Einsätze vom Arbeitgeber kurzfristig und einseitig festgelegt, so dass die Beschäftigten weder ihre Freizeit noch ihre Arbeit gut planen können." Auch über die Zahlung von Zuschlägen soll verhandelt werden, die KiK-Kolleg/innen nicht erhalten, obwohl sie Anspruch darauf haben.

"Ein Anfang ist gemacht", urteilt Georg Grundei. "Wir sind optimistisch, etwas für die Beschäftigten zu erreichen". Im übrigen setzt der Gewerkschafter darauf, dass sich bei künftigen Betriebsratswahlen mehr Kolleg/innen trauen, zu kandidieren oder zumindest "ihre" Liste zu wählen.