Eine Million Überstunden

Unverantwortliche Zustände

Keine Post im Briefkasten, geschlossene Postfilialen: Die Beschäftigten machten bei Personalversammlungen, etwa in Hannover und Bremen, ihrem Unmut Luft. Unbesetzte Zustellbezirke, Abbrüche bei der Zustellung wegen zu großer Postmengen und immer länger werdende Kundenschlangen an den Schaltern kennzeichnen die katastrophale Personalsituation bei der Post.

Ein Berg von über einer Million Mehrarbeitsstunden hat sich in Niedersachsen und Bremen aufgetürmt: Der Arbeitsdruck auf die Postler wächst. Für den Abbau der Überstunden müssten mehr als 500 Vollzeitkräfte mindestens ein Jahr lang arbeiten. Das vorhandene Personal reicht jedoch noch nicht einmal aus, um den aktuellen reibungslosen Betriebsablauf sicher zu stellen.

Schuld an den Zuständen ist laut ver.di die katastrophale Personalpolitik des Postvorstandes, der damit Vertrauen bei Kunden und Beschäftigten verspielt. "Das Management propagiert gegenüber der Öffentlichkeit kundenorientierte Betriebspolitik, praktiziert in Wahrheit jedoch eine unverantwortliche Personalsparpolitik. Dadurch sollen offenbar die Riesenverluste im US-Geschäft kompensiert werden", sagt ver.di-Fachbereichsleiter Jürgen Wolf.

Gleichzeitig hat der Vorstand die Postzulage für die Beamten gestrichen. "Angesichts der Milliarden-Gewinne und der angekündigten Dividendenerhöhung um 20 Prozent ist dies ein direkter Griff in die Geldbörse und eine unverschämte Abzockepolitik", kritisiert Wolf. Die Post ignoriere seit längerem die unverantwortliche Entwicklung und die brodelnde Stimmung in den Postbetrieben.