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Joe Barbieri: Maison Maravilha | Grell und plakativ sind die Italo-Songs, die es über die Alpen zu uns herüber schaffen. So zumindest will es die Klischeevorstellung. Doch im Land, wo die Zitronen blühen, gibt es auch die feinsinnigen Cantautori. Songwriter, die statt auf Reibeisenstimme auf echte Songs mit guten Texten und musikalischem Tiefgang setzen. Der Neapolitaner Joe Barbieri ist so einer. In seinem Heimatland ist er längst kein Unbekannter mehr. In Deutschland hingegen muss der Sänger noch von einem größeren Publikum entdeckt werden. Maison Maravilha bietet großes Kino mit aufwändigen Streicher-Arrangements wie von Nino Rota oder Ennio Morricone. Barbieri singt auch ein Duett mit Kubas Buena-Vista-Dame Omara Portuondo, begleitet von einer portugiesischen Fado-Gitarre. Oder er schwebt über schwerelose Bossa-Rhythmen hinweg. Ein Cantautore mit höchsten Ansprüchen an die Qualität. Samtweich und gehaltvoll wie ein Chianti Classico. rix

CD, LE POP/GROOVE ATTACK


Gunter Gabriel: Sohn aus dem Volk | Wie schön! Es muss nicht mehr jedes Mal Hey Boss gespielt werden, wenn irgendwo gestreikt wird. Das will und kann ja niemand mehr hören, weshalb Gunter Gabriel nun mit 67 wieder aufgestanden ist. Völlig überraschend ist der Barde aus dem Arbeitermilieu nach zwei Herzattacken aus der Ruine seines Lebens auferstanden. Reichlich zerknautscht, aber mit neuem, gereiftem Image. Weil er Hartz IV scheiße findet, hat er die halbe Million angehäufter Schulden abgearbeitet, indem er und seine Gitarre für 1 000 Euro im Wohnzimmer seiner Fans spielten. Das schlug ein, die Schulden sind weg, und die eigene Plattenfirma hatte auch mal eine gute Idee. In direkter Anlehnung an die American Recordings seines Country-Vorbilds Johnny Cash hat Gabriel unter anderem Songs von Radiohead, Peter Fox, Ideal und Cash für sich übersetzt und eingespielt, als German Recordings, die er, manchmal noch im alten Schmelz, aber mit ungeahnter Ehrlichkeit, Tiefgang und Seele vorträgt. Hut ab!  jm

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