WOCHENARBEITSZEIT

Klappe zu. Schluss. Aus

Wirtschaftsforscher versucht, die 45-Stunden-Woche ins Gespräch zu bringen

WOLFGANG UELLENBERG VAN DAWEN ist Leiter des ver.di-Bereichs Politik und Planung

Es ist wie in einem schlechten Film. Teil 1: Das Monster erscheint, hier der Fachkräftemangel. Alle blicken auf die Leinwand und gruseln sich, keiner sieht mehr ins Publikum um sich herum und erkennt die Millionen Menschen, die eine Arbeit suchen, oder die Jugendlichen in Warteschleifen ohne Ausbildung. Klappe fällt - Teil II: Hauptdarsteller Professor Klaus Zimmermann, umstrittener Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. O-Ton laut Bild: Die Wochenarbeitszeit müsse auf 45 Stunden steigen, um den Mitarbeitermangel auszugleichen. Die 37,5- oder 38-Stunden-Woche sei auf jeden Fall vorbei. Vor allem in den exportorientierten Branchen wie Maschinen- und Anlagenbau, aber auch in der Gesundheits- und Pflegebranche werde es Bedarf nach längeren Arbeitszeiten geben.

Der Zuschauer denkt erstmal: Richtig, da fehlen Arbeitskräfte. Die tätige Arbeitskraft aber erfährt Tag für Tag, wie hart die Arbeit im Maschinen- und Anlagenbau ist und wie viele Überstunden sie jetzt schon leisten muss. Dafür bekommt sie Überstundenzuschläge und Gutschriften auf dem Arbeitszeitkonto. Eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 45 Stunden würde bedeuten: Keine Zuschläge und keine Zeitgutschrift.

Wäre Herr Zimmermann ehrlich, müsste er im Klartext fordern: Im Aufschwung sollen die Arbeitskosten für die Unternehmen sinken und die Beschäftigten weniger Geld bekommen. Aber das tut er nicht. Und damit das keiner merkt, nimmt er noch die Pflege- und Gesundheitsbranche dazu. Denn da fehlen wirklich Fachkräfte. Seit Jahren liegt auf den Kosten fürs Personal im Gesundheitswesen und in der Pflege ein Betondeckel. ver.di will den Deckel wegschieben - aber das kostet die Arbeitgeber über die Sozialbeiträge mehr Geld. Also sollen die, die jetzt schon bis an die Grenze der Belastbarkeit arbeiten, noch mehr arbeiten. Und damit jetzt kein Zuschauer die vielen jungen ausgebildeten Fachkräfte sieht, die nur befristet oder als Praktikanten für wenig Geld eingestellt werden - ist der Film mit Herrn Zimmermann auch schon zu Ende. Ende der Vorstellung.