Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

seit uns die Risikogeschäfte der Finanzmarktspekulanten weltweit in die Krise getrieben haben, fliegen uns groß dimensionierte Zahlen ja nur so um die Ohren. Hier kostet die eine Bankenrettung schlappe 18 Milliarden Euro, da tut sich ein neuerliches Loch von 300 Millionen auf, und dort zieht ein gescheiterter Bankenlenker vor Gericht, weil er trotz kompletten Versagens angebliche Gehaltsansprüche in eben mal zweistelliger Millionenhöhe durchfechten will. Selten musste man derart oft überlegen, ob wohl gerade einmal wieder von Millionen oder von Milliarden die Rede war. Meistens sind es dann ja doch Milliarden, weil das Risikofinanzmarktwesen eben teuer ist. Oder besser gesagt: uns teuer zu stehen kommt. Was sind da schon lächerliche 10,7 Millionen Euro? So viel muss allein das Land Berlin für den nicht verbrauchten Impfstoff gegen die Schweinegrippe zahlen. Nicht nur in Berlin lagern die Ampullen dem Verfallsdatum entgegen, demnächst also ein Fall für den Sondermüll. Was war das nun mit dieser Schweinegrippe? Man weiß es nicht. Die Panikmache hat jedenfalls geklappt, und die Pharmaindustrie verdankt ihr Gewinne in Milliardenhöhe. Klar, wenn es um die Pharmaindustrie geht, ist ja meistens von Milliarden und seltener von putzigen Millionenbeträgen die Rede. Was längst auf unser Gesundheitswesen übergeschwappt ist, allerdings nicht als Milliardengewinne, sondern als Kosten oder Defizit, versteht sich. Irgendwoher müssen die Gewinne ja kommen. Und damit das so bleibt, sollen künftig alle, die sich schon jetzt die Praxisgebühr vom Munde absparen, noch mal ordentlich drauflegen. Das ist der jüngste Handstreich des schwarz-gelben Kabinetts.

Weil es so nicht weitergehen kann, bereiten die Gewerkschaften im DGB für den 24. Oktober bis zum 13. November Aktionswochen vor - Proteste bundesweit. - Die nächste ver.di PUBLIK erscheint Mitte September, bis dahin ­Ihnen und Euch eine gute Zeit

Maria Kniesburges, CHEFREDAKTEURIN DER VER.DI PUBLIK