DRUCKINDUSTRIE

Gemeinsam vors Tor

Auch für die Drucker verhandelt ver.di zurzeit. In der Sache machen sich jetzt Drucker, Verlagsangestellte und Redakteure gemein

ver.di fordert für die Beschäftigten der Druckindustrie 5,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Zudem sollen die Leiharbeitnehmer nach Druck-Tarif bezahlt werden und dieselben Arbeitsbedingungen erhalten wie das Stammpersonal. Die Arbeitgeber planen massive Einschnitte beim Manteltarifvertrag und wollen die 35-Stunden-Woche abschaffen. Das würde zu weiteren Arbeitsplatzverlusten führen. In der Druckindustrie sind noch etwa 160000 Arbeitnehmer/innen beschäftigt, allein 2010 wurden rund 10000 Arbeitsplätze in der Branche abgebaut.

Eigentümer der Druckereien sind oftmals die Verlage, die auch in den Tarifrunden für die Redakteure an Tageszeitungen und Zeitschriften gerade die Tarife angreifen (siehe Text oben). Deshalb wollen die Drucker und die Redakteure gemeinsam kämpfen. Bei einem Warnstreik der Redakteure in Bielefeld beteiligten sich auch Beschäftigte der Druckvorstufe an einer Protestaktion. In Hannover bei der Verlagsgruppe Madsack standen Drucker, Redakteure und Verlagsangestellte gemeinsam vorm Tor. Das soll erst der Auftakt zu bundesweiten Protesten und Warnstreiks sein.

Die Manteltarifrunde entscheide über die Zukunft des Flächentarifs, sagte Paul Albert Deimel, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Druck und Medien (bvdm): "Das Jahr 2011 wird für die deutsche Druckindustrie ein Entscheidungsjahr." Die Hilfsarbeiterlöhne sind ihm zu hoch, und an den Druckmaschinen müssten auch nicht unbedingt gut bezahlte Fachkräfte arbeiten. Dabei ist das Hauptproblem der Branche ein ruinöser Preiskampf, den die Arbeitgeber angezettelt haben. Die Folgen sollen jetzt die Beschäftigten ausbaden.

Bundesweite Proteste und Warnstreiks

Mit einer ersten Warnstreikwelle, vor allem in Baden-Württemberg, hatten die Redakteure an Tageszeitungen begonnen. "Gerade die älteren Kollegen wollen den Jüngeren nicht so viel schlechtere Tarifbedingungen hinterlassen", betont Renate Angstmann-Koch, Redakteurin beim Schwäbischen Tagblatt. "Sie betrachten dies als Angriff auf den Beruf und ihre Ehre. Hier in Baden-Württemberg ist deshalb die Streikbereitschaft insgesamt sehr groß."

Die erste Verhandlungsrunde für die Beschäftigten der Druckindustrie fand nach Redaktionsschluss am 13. April in Frankfurt/Main statt. sil

 

Gemeinsame Internetplattform für die Tarifrunden Redakteure und Druckindustrie:

http://tarifrunde-print.verdi.de

"Auf die eigene Kraft vertrauen" lautet der Titel einer Sonderausgabe der ver.di-Branchenzeitung DRUCK+PAPIER zum Auftakt der Tarifrunde 2011, in der es darum geht, "wie die Drucker um bessere Arbeitsbedingungen und ein schöneres Leben gekämpft haben und kämpfen". Sie liegt für die Mitglieder der ver.di-Fachgruppe Druckindustrie dieser PUBLIK-Ausgabe bei. Kostenlose Einzelexemplare sind zu bestellen über drupa@ verdi.de oder Fax 030 / 6956-3012, ein PDF zum Herunterladen gibt es unter www.drupa.verdi.de