von Henrik Müller

In China gibt es zum 1. Mai eine Woche Ferien, in Frankreich heißt der Tag Fête du Travail (Fest der Arbeit) und ist gesetzlicher Feiertag. In der Türkei ist der "Tag der Arbeit und Solidarität" erst seit 2009 wieder ein offizieller Feiertag. "Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse" nennen ihn die einen, etwas realistischer und schlichter "Tag der Arbeit" die anderen, zum Beispiel der Deutsche Gewerkschaftsbund - in diesem Jahr unter der Schlagzeile: "Das ist das Mindeste! Faire Löhne! Gute Arbeit! Soziale Sicherheit!"

Einfach "Maifeiertag" heißt der 1. Mai in Deutschland für diejenigen, die sich freuen, dass sie von Gesetzes wegen nicht zur Arbeit müssen, was in diesem Jahr - wie bereits im vorigen - wegen seiner zeitlichen Lage am Wochenende den meisten, wenn sie es in Euro und Cent messen, nichts nützt. Nur wer tariflich vereinbarte, erhöhte Feiertagszuschläge kriegt, falls er dennoch arbeiten muss, hat materiellen Nutzen davon.

In Berlin und anderswo gefällt linken Autonomen seit vielen Jahren die Art und Weise nicht, wie der DGB und seine Gewerkschaften den Feiertag begehen. Sie glauben, zum "Revolutionären Mai" aufrufen zu müssen, der dann nachts regelmäßig in Schlachten zwischen Demonstranten und einem Großaufgebot an Polizei endet.

Jetzt Gesicht zeigen

Erstmals demonstrierten am 1. Mai 1856 australische Arbeiter für den 8-Stunden-Tag, 30 Jahre später machte ihnen das die amerikanische Arbeiterbewegung nach, die schließlich in Gedenken an die Toten der 1.-Mai-Unruhen vier Jahre später, 1890, eben diesen Maitag zum Gedenktag ernannten. 1891 wurde am 1. Mai bereits weltweit von Arbeitern und Arbeiterinnen zu Massenprotesten aufgerufen. Den 1. Mai als gesetzlichen Feiertag eingeführt haben in Deutschland allerdings die Nazis: Per Reichsgesetz vom 10. April 1933 nannten sie ihn "Feiertag der nationalen Arbeit". Am 2. Mai 1933 wurden die Gewerkschaften in Deutschland verboten und die Gewerkschaftshäuser gestürmt. Bereits 1934 tauften die Faschisten den 1. Mai dann um in den "Nationalen Feiertag".

Heute versuchen die neuen Nazis erneut, unseren "Tag der Arbeit" für ihre Zwecke zu missbrauchen. Dieses Jahr wollen sie in Bremen, Greifswald, Halle/Saale und Heilbronn aufmarschieren. Breite antifaschistische Bündnisse bilden sich unterdessen, um das zu verhindern.

Einmal also ist immer der 1. Mai. Einmal steht jede und jeder vor der Frage: weiterhin abseits stehen, weiterhin sich ducken, weiterhin alles schlucken - oder: aufstehen, Haltung zeigen und Solidarität üben. Einmal muss es sein. Und eines Tages, wenn die Gewerkschaften und ihre Mitglieder ihre Ziele durchgesetzt haben, wenn es weltweit keine Ausbeutung von Menschen durch Menschen mehr gibt, eines Tages ist dann immer 1. Mai.

 

Hier geht’s zum 1. Mai

  • Kassel: Zentrale Kundgebung des DGB mit dem DGB-Vorsitzenden Michael Sommer;
    9.30 Uhr Gottesdienst in der Martinskirche; 11 Uhr Demo ab Nordstadtpark; 11.45 Uhr Kundgebung auf dem Königsplatz, dort anschließend Maifest und ab 19 Uhr ein Open-air-Konzert mit Mono & Nikitaman
  • Zwickau: 9 Uhr Kundgebung auf dem Hauptmarkt mit Frank Bsirske, dem ver.di-Vorsitzenden; 10 bis 12 Uhr Musik, anschließend Familienfest und Infostände
  • Bonn: 11 Uhr Demonstrationszug ab DGB-Haus, Endenicher Str. 127; 12 Uhr Kund­gebung auf dem Marktplatz mit Andrea Kocsis, stellvertretende ver.di-Vorsitzende, anschließend Familienfest
  • Herford: 10 Uhr Demozug ab Bahnhofsvorplatz; 11 Uhr Kundgebung auf dem „Alten Markt“ mit Elke Hannack, zuständig im ver.di-Bundesvorstand für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, anschließend Kultur- und Kinderprogramm
  • Donauwörth: 10.30 Uhr am Kolpinghaus, mit Ellen Paschke, zuständig im ver.di-Bundesvorstand für den Fachbereich Gesundheit

Weitere Veranstaltungen finden am 1. Mai im ganzen Land statt. Einfach im ver.di-Bezirk oder in der ver.di-Geschäftsstelle nachfragen, wo in Ihrer Nähe eine geplant ist.