Mein Arbeitsplatz

Hier wird gespielt

Elfriede Heil, Spielhallenservicekraft aus Walsrode

FOTO: Studio Ehlermann

Ich arbeite jeden Tag zwei Stunden in einer Spielhalle mit zehn Geräten und bessere damit meine Rente auf. Falls hier oder in der Filiale im Nachbarort jemand krank wird, mach ich die Feuerwehr und springe ein. Vorn im Laden gibt es vier Internetplätze und einen Tresen. Unsere Spielhalle ist eine Spielbörse, also keines dieser 24-Stunden-Casinos. Nach einigem Auf und Ab in meinem Leben habe ich mit 42 Jahren wieder angefangen zu arbeiten, zunächst in der Gastronomie. Damals habe ich die Bekanntschaft mit Spielhallen gemacht. Ein netter Job, weil man viele Mentalitäten kennenlernt. Man braucht in dem Job Fingerspitzengefühl und psychologisches Denken, wenn man mit Verlierern umgeht. Auch an die Spielsüchtigen muss man sich gewöhnen. Wenn die Heiligabend kurz vor der Bescherung spielen, frage ich mich schon: Bekommen die Kinder diesmal wohl Geschenke?

Um acht kommen die Ersten

Unsere Spielhalle ist von acht Uhr morgens bis drei Uhr morgens geöffnet. Wir arbeiten in zwei Schichten. Es gibt drei Festangestellte und mich als Aushilfe. Wir sind ein tolles Team. Jede von uns arbeitet allein in der Halle. In der Frühschicht bin ich zwanzig vor acht da und sehe erstmal die Nachrichten der Spätschicht über Defekte oder besondere Vorkommnisse durch und checke die Kasse. Der Kaffee wird um viertel vor sieben von der Bodenkosmetikerin gekocht. Das Internet muss laufen, hier und da ein Automat geputzt werden, dann warte ich auf die ersten Kunden. Manchmal stehen die schon um acht vor der Tür. Wir haben viele Schichtarbeiter, da weiß man nie, ob es vor- oder nachmittags voll wird. Die Kunden wechseln bei uns ihre Scheine in Kleingeld, dann spielen sie, bekommen Getränke oder was zum Knabbern. Es passiert, dass sich ein Gerät leerspielt und nicht soviel rausgibt, wie jemand gewonnen hat. Dann fülle ich es mit neuem Geld, anschließend tauscht der Gewinner sein Geld zurück. Dafür haben wir den Wechselautomaten. Wenn ich 500 Euro in Zweiermünzen in die Maschine stecke, weiß ich, was ich gemacht habe. Das ist für die Arme anstrengend. Wegen des Wechslers brauchen wir keinen hohen Kassenbestand, dadurch ist unser Leben hier abgesichert.

Zu den sechs Euro in der Stunde bekommen wir Spätzulagen, Feiertags- und Sonntagszuschlag - damit stehen wir uns besser als andere mit sieben Euro brutto. Uns stört, dass wir ohne gewerkschaftliche Rückendeckung arbeiten müssen. Die großen Hallen haben einen Betriebsrat, wir nicht. Deshalb wünschen wir aus den kleinen Betrieben uns dringend, dass ver.di einen Tarifvertrag durchsetzt für alle Spielhallenaufsichtskräfte. Zu Hause schreibe ich dann weiter an meinen Romanen. Der neueste heißt: "Mythos".

Protokoll: Jenny Mansch