BHW

Erster Warnstreik in 83 Jahren

Deutsche Bank plant Ausgründung der Postbank-Tochter und Kürzung der Gehälter

Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske bei der BHW-Demo in Hameln

Foto: ver.di

Mehr Arbeit für weniger Geld: Rund 1500 Beschäftigte des Beamtenheimstättenwerks BHW in Hameln haben ihrem Unmut Luft gemacht und gegen die Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen protestiert. Nach einer Betriebsversammlung traten sie in einen Warnstreik - es ist der erste Ausstand in der 83-jährigen Geschichte des Baufinanzierers. Das Unternehmen gehört seit 2006 zur Postbank, die inzwischen von der Deutschen Bank übernommen wurde.

Gegen die Kultur der Maßlosigkeit

"Bekommt denn die Deutsche Bank den Hals gar nicht voll?", fragte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske, der zur Unterstützung nach Hameln gekommen war und in der City, gegenüber der Deutschen Bank Filiale, Tacheles redete. Milliardengewinne für die Aktionäre und Millionengehälter für die Vorstände, aber dem einfachen Mitarbeiter enorme Gehaltskürzungen zumuten - "nicht mit uns", rief Bsirske, der auch Aufsichtsratsvize der Postbank ist. "Gegen die Kultur der Maßlosigkeit, die sich gegen die Menschen richtet", sei ver.di zum Arbeitskampf bereit, sollte in Verhandlungen keine Einigung erzielt werden. Konkret plant die Deutsche Bank, dass 1200 BHWler mit neuen Verträgen in "eine Kreditbearbeitungsfabrik" wechseln - bei drei Tagen weniger Urlaub, 42 statt 39 Wochenstunden, 13 statt 14 Gehältern im Jahr, die um bis zu 900 Euro sinken sollen. Das Einstiegsgehalt würde dann nur noch 1660 Euro betragen. Ähnliches ist für Callcenter-Mitarbeiter der Postbank geplant, so Christoph Meister, ver.di- Fachbereichsleiter Finanzdienstleistungen.

"Für neue Mitarbeiter würde das im Vergleich zu den Altverträgen ein Minus von 30 Prozent bedeuten", rechnet BHW-Betriebsratschef Timo Heider vor. "Wir werden den geplanten Kahlschlag nicht zulassen und mit den Beschäftigten für einen Überleitungstarifvertrag kämpfen, der die Arbeitsbedingungen sichert", betont Christoph Meister. Dazu zähle auch die Anerkennung der Betriebszugehörigkeit und die volle Zahlung von Sonderzuwendungen.

Es ginge auch sozial

Alle 120 Azubis des Unternehmens hatten sich auf die Bühne der Hamelner Rattenfänger-Halle gestellt und vor dem Arbeitsdirektor der Deutschen Bank, Ralf Stemmer, über ihre Ängste berichtet. "Sieht nicht gut aus", sagte eine Auszubildende, die jetzt um ihre Übernahme in einen festen Job bangt. "Es ist der erste Streik beim BHW. Ich hoffe, wir setzen damit ein deutliches Signal", ergänzte eine Mitarbeiterin.

Mut machte den Kolleginnen und Kollegen die Personalratsvorsitzende der Sparkasse Hannover, Martina Dahncke, die in Hameln ebenfalls ihre Solidarität bekundete. Sie betonte, dass Mitarbeiterauslagerungen "in eine Kreditfabrik" auch sozial verlaufen können. Man müsse nur wollen. Bei der Tochter der Sparkasse Hannover, der Marktservice Nord GmbH, gebe es seit sechs Jahren faire Bedingungen samt Tarifanhebungen - und das ohne große Einbußen. "Das habt auch Ihr verdient", rief Dahncke ihren BHW-Kollegen zu.