MEDIen

Frankfurter Rundschau streicht Stellen

Die Eigentümer wollen 4,3 Millionen Euro einsparen und nehmen dafür den Tarifbruch in Kauf

Das Ziel der Eigentümer der Frankfurter Rundschau (FR) steht fest: 4,3 Millionen Euro sollen eingespart werden, egal wie, Tarifbruch inklusive. Die Zeitung gehört der Mediengruppe DuMont Schauberg (50 Prozent plus eine Aktie), der SPD-Medienholding DDVG (40 Prozent) und der Karl-Gerold-Stiftung (zehn Prozent). Erst 2009 wurde ein Haustarifvertrag abgeschlossen, die Beschäftigten verzichteten auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Im Gegenzug wurden Auslagerungen und betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2012 ausgeschlossen. Nur wenn bestimmte Ergebniszahlen nicht erreicht werden, kann der Arbeitgeber einmalig kündigen. Bis zum Ende der Laufzeit des Tarifvertrags ist das dann nicht mehr möglich. Auslagerungen und Abspaltungen sind laut Vertrag ausgeschlossen.

Harte Pläne

Doch MDS und die DDVG wollen tariflose Gesellschaften gründen und von 124 Redakteuren und Angestellten 83 entlassen. Mit nur 41 Stellen will die Geschäftsleitung die Berichterstattung aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet, das Feuilleton, die Sport- und Wirtschaftsredaktion und den Freizeitbereich besetzen. Das reicht aus Sicht des Betriebsrats nicht. "Neben dem Arbeitsplatzverlust bedeuten die Details der Pläne von DuMont und SPD-Medienholding einen Tarifbruch. Insbesondere die SPD macht sich damit unglaubwürdig", sagte der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke. ver.di fordert einen Altersteilzeittarifvertrag, um die Kündigungen zu verhindern.

Dass die FR in finanziellen Schwierigkeiten steckt, ist unbestritten. Das war schon so, als die SPD-Medienholding das Blatt übernahm und später an MDS die Mehrheit übergab. Arbeitsplätze wurden abgebaut, auf Tarifleistungen verzichtet. Und trotzdem machte die FR 19 Millionen Euro Verlust im Jahr 2010. Bis Ende 2013 sind MDS und DDVG bereit, eine zweistellige Millionensumme in die FR zu schießen, danach muss sich das Blatt allein tragen.

Die Geschäftsleitung will eine tariflose Regionalgesellschaft mit 19 Arbeitsplätzen für vier Lokalbüros gründen. Zwei sollen von einem externen Dienstleister betrieben werden. Neu gegründet werden soll auch die tariflose Firma DuMont Digital GmbH mit 30 Arbeitsplätzen, für die Internetseiten der FR und der Berliner Zeitung. Für FR-Beschäftigte, die dort arbeiten sollen, verhandelt der Betriebsrat einen Nachteilsausgleich, weil sie nicht mehr unter den Tarifvertrag fallen und weniger verdienen würden. Nach Berlin sollen 23 Beschäftigte gehen, um für die überregionalen Seiten zu arbeiten. Ursprünglich sollten auch sie tariflos ausgelagert werden. sil

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