Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

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Schlecker ist pleite, und ver.di ist schuld. ver.di ist sowieso an allem schuld. Erst hat ver.di den Kolleginnen geholfen, als es um die Abwehr von Bespitzelung und anderer unwürdiger Arbeitsbedingungen ging. Zugleich hat ver.di nach Kräften die Gründung von Betriebsräten in der Drogeriekette unterstützt. Mit der Gewerkschaft im Rücken haben die Kolleginnen später die Einführung von Dumpinglöhnen mittels einer eigens dafür gegründeten firmeneigenen Leiharbeitsfirma verhindert. Und die Kolleginnen haben erreicht, dass sie schließlich nach den von ver.di ausgehandelten Tarifen bezahlt wurden.

Das alles, so heißt es jetzt mal schriller, mal verhaltener etwa in Kommentaren der Medien, habe zum Ruin des Drogeriegiganten beigetragen. Was also tun? Rechtsbrüche wie Bespitzelung duldsam ertragen, damit nur bloß das Firmenimage nicht leidet? Das Betriebsverfassungsgesetz am besten gleich wegschmeißen und niemals einen Betriebsrat wählen? Auf Tariflohn von vornherein verzichten? Ja, genau das ist die Erwartung, die sich in Wirtschaft, Politik und Medien weiter und weiter ausbreitet. Und mit ihr die Tarifflucht, der sittenwidrige Niedriglohn und was sonst an Verheerungen über die Arbeitswelt kommt. 

Den ehemals bei Schlecker beschäftigten Frauen werden von den Jobcentern fast ausschließlich prekäre, also unsichere und schlecht bezahlte Jobs an­geboten. Teilzeit, befristete Verträge, Minijobs, Leiharbeit. Arbeit mit Perspektive, Löhne, die zum Leben reichen? Darum muss wieder und wieder gekämpft werden. Wie es die mutigen Kolleginnen bei Schlecker über die vielen Jahre getan haben. Nicht nur für sich, sondern für die Würde in der Arbeitswelt. Interview Seite 15.

Die nächste ver.di PUBLIK erscheint Anfang September. Herausgeber und Redaktion wünschen Ihnen und Euch eine schöne und gute Sommerzeit!

Maria Kniesburges, CHEFREDAKTEURIN DER VER.DI PUBLIK