Interview

Riesengewinne und Lohndrückerei

ver.di fordert gleichen Lohn für gleiche Arbeit - auch bei der Santander Consumer Bank

Jörg Reinbrecht vom Fach­bereich Finanzdienst­leistungen, Bezirk Hannover / Leine-Weser, ist der ver.di-Verhandlungsführer

foto: herschelmann

ver.di PUBLIK | Die Santander Consumer Bank ist die größte Privatkundenbank Europas, durch Zukäufe kleinerer Unternehmen ist sie auch in Deutschland eine der großen Banken geworden. Sie ist nicht im Arbeitgeberverband und wendet bisher keine Tarifverträge an. Erst seit einem Jahr arbeitet sie mit ver.di zusammen. Was fordert ver.di bei den laufenden Tarifverhandlungen?

Jörg Reinbrecht | Die 3500 Beschäftigten der Santander Consumer Bank in Deutschland wollen endlich die Arbeitsbedingungen, die für die Mehrheit der Bankangestellten längst gelten. Im Unternehmen gelten überall andere Regeln, die Bruttogehälter unterscheiden sich bei gleicher Arbeit um bis zu 1000 Euro. Es gibt sogar Beschäftigte, die nur auf Provisionsbasis arbeiten, ganz ohne Festgehalt. Sie arbeiten in kleinen Filialen, die nur Kredite verkaufen, nichts anderes. ver.di will gleichen Lohn für gleiche Arbeit durchsetzen. Wir fordern einen Haustarifvertrag, und zwar auf der Basis des Branchentarifvertrags. Mit der gleichen Gehaltstabelle.

Keine andere Bank setzt so viele Leiharbeitnehmer ein wie diese, meist über eine konzerneigene Leiharbeitsfirma. Sie bekommen nur 1900 Euro brutto - immer in der Hoffnung, vielleicht eines Tages übernommen zu werden

ver.di PUBLIK | Die Bank macht weltweit Riesengewinne und zahlt trotzdem so schlecht?

Reinbrecht | Stimmt, der Konzern ist hochprofitabel, er hat im vorigen Jahr 5,3 Milliarden Nettogewinn erwirtschaftet. Die Zentrale sitzt zwar in Madrid, Santander ist aber keine von den spanischen Banken, die zurzeit große Probleme haben. Santander ist weltweit aktiv, vor allem in Südamerika, in Großbritannien und eben in Deutschland. Die "Santander-Welt", wie sie es nennen, ist hocheffizient und zentralisiert. Immer wieder wurde auch in Deutschland umstrukturiert. Tochtergesellschaften übernahmen große Teile des Geschäfts, vor allem die Arbeit, die nicht unmittelbar mit Kunden zu tun hat. In den Filialen ist der Verkaufsdruck sehr hoch. Und: Keine andere Bank setzt so viele Leiharbeitnehmer ein wie diese, meist über eine konzerneigene Leiharbeitsfirma. Sie bekommen 1900 Euro brutto - immer in der Hoffnung, vielleicht eines Tages übernommen zu werden. Aber auch viele Angestellte verdienen deutlich weniger, als der Bankentarifvertrag vorsieht.

ver.di PUBLIK | Am 5. September - nach Redaktionsschluss - wird weiter verhandelt. Wie ist die Stimmung unter den Beschäftigten?

Reinbrecht | Vor allem die Kolleginnen und Kollegen in den Filialen sind unzufrieden. Für alle, die vor einem Jahr bei der Übernahme der SEB zu Santander kamen, war es eine gewaltige Umstellung. Viele sind immer noch entsetzt, wie rigoros man mit Mitarbeitern umgehen kann und wie hoch der Vertriebsdruck ist. Bei der SEB galt der Bankentarifvertrag. Die Beschäftigten wollen, dass er weiter gilt - und zwar für alle, auch für neueingestellte Kollegen. Mehr als 1000 haben in den letzten Wochen einen offenen Brief an den Santander-Vorstand unterschrieben, in dem sie faire Arbeitsbedingungen fordern.

ver.di PUBLIK | Informieren sich auch Kunden über die Situation?

Reinbrecht | Ja, wir bekommen Anfragen von ver.di-Mitgliedern, die durch den Kauf der SEB zu Kunden bei Santander geworden sind. Wir wünschen uns, dass die Kunden uns unterstützen, wenn es zum Scheitern der Verhandlungen und zu Warnstreiks kommen sollte. Worauf wir uns vorbereiten.

Interview: Claudia von Zglinicki

http://banken.verdi.de/santander-bank