Betriebsratswahlen

Weltmeister im Durchhalten

Arbeitnehmervertretung und Beschäftigte sorgen für Tarifvertrag und verhindern Entlassungen bei einer Sparkassen-Tochter im Erzgebirge

von Gundula Lasch

Durchhalten - das ist seit mehr als fünf Jahren das Motto von Sandra Bräuer, Heike-Maria Dörfler, Frank Köhler, Bianka Schulz und Claudia Wetzel. Die Betriebsräte und ihre Kolleg/innen der STG Transaktionsgesellschaft mbH Stollberg im Erzgebirge müssen immer wieder Schlimmstes verhindern. Und immer wieder schaffen sie das - mit Courage und Freundschaft, die über Kollegialität weit hinaus geht, mit einer fast 100prozentig in ver.di organisierten Belegschaft, viel Unterstützung von ihrer Gewerkschaft und der Bevölkerung in der kleinen Kreisstadt.

Ende 2008 waren die 36 Beschäftigten im Finanzdienstleistungsbereich aus der Sparkasse Erzgebirge in die STG Transaktionsgesellschaft ausgegliedert worden. So wollte der Arbeitgeber die Tarifgehälter unterlaufen. Doch da hatte er die Rechnung ohne die Gewerkschafter/innen gemacht: Nach dem Auslaufen des zweijährigen Übergangstarifvertrags streikten die STG-Beschäftigten - und zwar so lange, bis sie ihren Anerkennungstarifvertrag für den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) ab 1. Januar 2012 in der Tasche hatten. Der erste Erfolg.

Ganz andere Ergebnisse

Die Belegschaft erhoffte sich danach eine Zeit ohne Kämpfe. "Doch es ging nicht normal weiter", erinnert sich Bianka Schulz, die Kreditsachbearbeiterin ist. Zuerst wurde das qualifizierte Kreditgeschäft in den Zuständigkeitsbereich der Sparkasse zurückgeführt. Dann folgte das Projekt "Neuausrichtung STG", in dem die Situation analysiert wurde. "Dabei hat man uns quasi schlecht gerechnet. Das Projekt sollte Argumente für den geplanten Personalabbau von 26,18 auf 13,38 Vollzeitstellen liefern", berichtet Sandra Bräuer, Immobilien-Expertin. Wiederum reagierten die Betriebsräte sofort: "Wir schauten uns ebenfalls die Prozesse in der STG an und kamen zu ganz anderen Ergebnissen." Claudia Wetzel, ebenfalls Kreditsachbearbeiterin bei der STG, sagt: "Offenbar dachte unser Arbeitgeber immer noch, wir seien duldsame Lämmer, die keinen Überblick haben."

Weg mit den Kündigungen

Die Ergebnisse der eigenen Datenerhebung präsentierte das Betriebsratsgremium im Februar 2013 bei den Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan. Und wieder hieß es: durchhalten. Mehr als ein Jahr und zahlreiche Einigungsstellen-Termine später haben sie jetzt endlich eine Vereinbarung erreicht. Die kann sich sehen lassen: "Von ursprünglich neun zu kündigenden Mitarbeitern wird nur einer freiwillig ausscheiden. Sechs Beschäftigte werden wieder in die Sparkasse eingegliedert, unter ihnen auch Heike-Maria Dörfler und Sandra Bräuer. Die restlichen 21 Leute verbleiben bei der STG mit guten Konditionen, denn der TVöD gilt dort selbstverständlich weiter", sagt Betriebsratsvorsitzende Bianka Schulz.

Dafür haben die meisten der 17 Frauen und vier Männer bei der STG auf Arbeitszeit verzichtet. Nur noch drei haben eine Vollzeit-Stelle, dennoch sind alle zufrieden. Ihre Hochachtung für den Betriebsrat haben sie mit einem eindeutigen Votum gezeigt: Ende März wurde Bianka Schulz mit großer Mehrheit wieder gewählt, dazu kommen Claudia Wetzel und Frank Köhler, die bislang als Ersatzleute dazugehört haben.

Ein bisschen traurig verlässt Sandra Bräuer, die zurück zur Sparkasse wechselt, ihre langjährigen Mitstreiter/innen. "Aber ich bin ja lebenslanges ver.di-Mitglied", sagt sie. "Wir werden den Kontakt nicht abreißen lassen." Bianka Schulz wird neben ihrem Job als Sachbearbeiterin auch in den nächsten vier Jahren Betriebsratsvorsitzende sein. Sie sagt: "Wir fühlen uns verantwortlich für unsere Kolleginnen und Kollegen. Das ist manchmal eine Last, aber wir wissen doch, dass alle hinter uns stehen. Das macht stark. Wir lassen uns nicht so einfach abschaffen oder hinters Licht führen. Das hat unser Arbeitgeber jetzt hoffentlich verstanden."

Die nächsten Veränderungen stehen den STG-Beschäftigten schon bevor: Zum 1. April - kein Scherz - folgte die Umsetzung der bisher geplanten Strukturänderung von Arbeitsaufgaben und -organisation. Ende April wird die Sparkassen-Tochter ins 27 Kilometer entfernte Schwarzenberg verlegt. Danach, das hoffen sie alle, wird Ruhe einkehren für die Finanzdienstleister/innen.


Betriebsratswahlen

finden vom 1. März bis 31. Mai 2014 statt.

Alles Wichtige über die Wahlen steht auf der ver.di-Website:

Warum brauchen wir einen Betriebsrat?
Wie wird die Wahl vorbereitet?
Wer wählt - und wer kandidiert?
Wie läuft die Wahl ab?
Und wie geht es nach der Wahl weiter?

Informationen über Recht und Gesetz, Aufgaben und Praxis auf http://br-wahl.verdi.de