Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

foto: rk

seit 32 Jahren wird der Journalist Mumia Abu-Jamal von der US- Justiz gefangen gehalten, davon 30 Jahre in der Todeszelle. Zur Last gelegt wird ihm der Mord an einem Polizisten, ein Schuldvorwurf, der nie bewiesen wurde. Weltweite Proteste haben dazu beigetragen, dass das Todesurteil gegen Abu-Jamal umgewandelt wurde in lebenslange Haft. Dabei hat das Gericht eine vorzeitige Haftentlassung ausgeschlossen. Lebenslang - bis zum Tod. Der Schauspieler Rolf Becker hat Mumia Abu-Jamal vor fünf Jahren im Gefängnis in den USA besucht. Mit seinem Bericht über einen Kämpfer für die Freiheit, der sich schon als Jugendlicher der schwarzen Black-Panther-Bewegung angeschlossen hatte und vor seiner Gefangen­nahme als Journalist die "Stimme der Stimmlosen" genannt wurde, will Rolf Becker auch eines erreichen: dass der Protest gegen die Gefangenschaft Mumia Abu- Jamals wieder stärker, wieder lauter wird. Am 24. April wird Mumia Abu-Jamal 60 Jahre alt. Unser Wunsch für ihn heißt: Freiheit. Bericht auf Seite 16.

Wieder steht ein Großereignis an, die Fußball-Weltmeisterschaft im Juni in Brasilien. Weil die Stadien rechtzeitig fertig werden sollen, kämpfen auf den Baustellen tausende Arbeiter gegen die Zeit und andere Widrigkeiten. Aber der Zeitdruck der Arbeitgeber hat es den Gewerkschaften auch ermöglicht, Löhne und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die Bewohner und Bewohnerinnen der Slums um die gigantischen neuen Sport­stätten herum hegen keinerlei Illusionen: Ihnen wird auch dieses Megaprojekt nichts bringen. Weil aber auch sie derzeit, sozusagen als WM-Folklore, mehr Aufmerksamkeit der Medien finden, wollen sie das nutzen, um endlich eine legale Strom- und Wasserversorgung zu erstreiten. Die Reportage aus Brasilien auf den Seiten 12 und 13.

Die nächste Ausgabe der ver.di publik erscheint Anfang Juni, bis dahin Ihnen und Euch eine gute Zeit!

Maria Kniesburges, Chefredakteurin der ver.di publik