Karstadt

Neuer Besitzer mit altem Konzept

Wieder drastische Einschnitte auf Kosten der Beschäftigten

von Gudrun Giese

Seit gut zehn Jahren folgen die Schreckensmeldungen für die Beschäftigten der Karstadt-Warenhäuser in immer kürzeren Abständen. Mit der Veräußerung der letzten Anteile an den Premium-, Sport- und Warenhäusern von Nicolas Berggruen an René Benko und seine Signa-Holding im August kam leise Hoffnung auf. Doch bei der Aufsichtsratssitzung am 23. Oktober wurde die Katze aus dem Sack gelassen: Häuserschließungen und Entlassungen sind einmal mehr zentrale "Ideen" des neuen Managements, um Karstadt zu "retten".

"Statt genaue Ursachenforschung zu betreiben, warum Karstadt in der Krise ist, wird überstürzt die Entscheidung gefällt, einzelne Filialen zu schließen und in weiteren Filialen noch mehr Personal abzubauen", sagt Stefanie Nutzenberger aus dem ver.di-Bundesvorstand. Zum 30. Juni 2015 werden nach den Plänen des neuen Vorstandschefs Stephan Fanderl die Karstadt-Häuser in Stuttgart und Hamburg-Billstedt, die "K-Towns" in Göttingen und Köln geschlossen, die "Schnäppchencenter" in Frankfurt/Oder zum 30. April und in Paderborn zum 30. September. Bis zu 300 Arbeitsplätze werden dadurch vernichtet. Der neue Vorstand will weitere 2 000 Stellen in den Warenhäusern und der Essener Zentrale streichen.

"Wie immer sind die Beschäftigten die Leidtragenden", sagt der GBR-Vorsitzende Hellmut Patzelt. Die Betriebsräte der Filialen hätten fortlaufend Vorschläge für strategische Korrekturen gemacht, ohne Erfolg. Die Pläne für Schließungen und Personalabbau seien ohne Kenntnis der Beschäftigten und der Arbeitnehmervertretungen entwickelt worden. Die Betriebsräte und ver.di fürchten, dass der Abbau mit den jetzt angekündigten Einschnitten nicht beendet ist. "Rund weitere 20 Häuser schreiben rote Zahlen", so Arno Peukes, ver.di-Vertreter im Karstadt-Aufsichtsrat. "Wir werden gemeinsam mit den Betriebsräten alles für ihren Erhalt tun."

Die Angst geht um

In den derzeit 83 Karstadt-Häusern geht derweil die Angst um, denn die Gerüchte über Schließungen kursieren. Karin Maier (Name geändert) arbeitet seit mehr als 30 Jahren bei Karstadt in Celle. "Bei aller Ungewissheit - ich gehe immer noch gern zur Arbeit und möchte weitermachen", sagt sie. Sie gehört zu denen, die nicht alles hinnehmen, was an Verschlechterungen kommt. Die Mehrzahl ihrer Kolleg/innen will jedoch lieber stillhalten. In der Karstadt-Filiale Hannover ist die Stimmung ähnlich, wie Brigitte Förster (Name geändert) berichtet: "Manche Kollegin zittert schon, wenn ein Kunde sie nur auf die aktuelle Situation anspricht. Die meisten wollen keinesfalls auffallen, um nicht ihren Arbeitsplatz zu riskieren." Brigitte Förster kann zwar die Angst ihrer Kolleg/innen verstehen, doch sie teilt sie nicht: "Es geht nicht, immer weiter auf Geld, Freizeit und Sozialleistungen zu verzichten."

Genau das will die neue Geschäftsleitung den derzeit 17 .000 Beschäftigten zumuten: Keine Rückkehr zur Tarifbindung, Verlängerung der Arbeitszeit und Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld, das 2014 dank der ver.di-Tarifkommission gezahlt wird. Neue Konzepte sollen laut Vorstandschef Fanderl 2015 umgesetzt werden; wie die aussehen, ist noch unbekannt. Fest steht, dass Benko aus einem Teil seines neuen Besitzes schon ordentliche Gewinne zieht: Laut Immobilien-Zeitung sollen derzeit 22 der 122 Karstadt-Immobilien im Besitz der Benko-Firma Signa sein. Bei den Premiumhäusern KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger erhöhte er Anfang des Jahres die Mieten; laut Süddeutscher Zeitung um mehr als 20 Millionen für die nächsten fünf Jahre. Auch in den weiteren Häusern der Signa-Gruppe wurden die Mieten heraufgesetzt.