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Renaturierung und anderer Firlefanz

Es hört einfach nicht auf mit dem Schmadder. Nach Analogkäse, der zwar Käse heißt, aber keiner ist, nach Klebeschinken, Dioxinfunden im Bio-Ei und Gammelfleisch-Skandal, nach all den bisherigen Unappetitlichkeiten nun dieses: Das Unternehmen "Deutsche See", das sich selbst als "Fischmanufaktur" bezeichnet, hat kürzlich gleich mehrere Chargen Riesengarnelen aus den Einkaufsmärkten zurückgezogen und vor deren Verzehr gewarnt: Die Schalentiere enthalten eine Überdosis Antibiotika. "Akute Gesundheitsgefahr", so teilt die Fischmanufaktur mit, bestehe nicht - außer für Allergiker. Ach so. Die Tierchen mit der Überdosis stammen übrigens aus Zuchtfarmen in Thailand und Vietnam, wie die Firma "Deutsche See" auf der Verpackung mitteilt. Nicht ohne anzufügen: "Wir arbeiten eng mit unseren Partnern vor Ort zusammen und produzieren streng nach dem ,Best Aqua-Culture Practise', der wichtige Maßnahmen für Umwelt, Renaturierung und soziale Bedingungen festlegt." Wie schön das doch immer wieder klingt! Renaturierung, Partner vor Ort ... Aber nicht genug. Kaum waren die Antibiotika-kontaminierten Garnelen aus den Regalen und Schlagzeilen verschwunden, wurde der nächste Appetitverderber bekannt. Und wieder geht's um Antibiotika, diesmal zwar anders, aber nicht minder furchterregend. In zehn von 63 Rohwurst-Proben wurden Keime festgestellt, die gegen Antibiotika resistent sind. Mettwurst, Teewurst, Salami und Schinken waren im Test, am gefährlichsten wimmelte es in den untersuchten Putenprodukten. Keime, resistent gegen Antibiotika. Man darf das getrost als versuchte Körperverletzung betrachten. Ausgeführt in immer neuen Varianten von der Lebensmittelindustrie. Denn der geht es schließlich nicht um Renaturierung und anderen Firlefanz, der geht es um den Profit. Ob's uns schmeckt oder nicht.

Maria Kniesburges