Pressestimmen

Ein Fuß im Imperium

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. Februar 2016

Ein Sieger der Supermarktfusion steht fest: Die Gewerkschaft Verdi bekommt einen Fuß in das bisher fast betriebsratsfreie Imperium des Branchenriesen Edeka. Die Auflagen, die Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel für seine Ministererlaubnis verlangt, könnten im großen Edeka-Verbund einen Stein ins Rollen bringen und Verdis Position im deutschen Einzelhandel erheblich stärken.


Kratzer vor Amazons Toren

Süddeutsche Zeitung, 29. Februar 2016

Immerhin, das Recht zum Protest haben sie, zumindest im Moment. Es ist noch nicht die endgültige Entscheidung in dieser Streitsache, aber die Gewerkschaft Verdi freut sich. Der Kampf dauert schon so lange, da sind kleine Erfolge wertvoll. Im Dezember hatte die Gewerkschaft vor den Toren des Amazon-Lagers in Pforzheim demonstriert: für sichere Arbeitsverhältnisse, gegen die Tarifflucht. Vor den Toren, das war jedoch noch immer auf dem Gelände des Konzerns, schließlich beginnt dort der Parkplatz. Ein illegaler Protest also, klagte Amazon. Doch das Landesarbeitsgericht Stuttgart gab dieser Tage der Gewerkschaft recht: Wäge man zwischen Hausrecht und Streikrecht ab, sei der Protest auf dem Firmenparkplatz nicht offenkundig rechtswidrig gewesen. [...] Wenn überhaupt jemand am Konzern kratzt, dann sind es die Gewerkschaften - und zuvorderst Ver.di.


Ein Dankeschön wäre angemessen

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 19. Februar 2016

Die Argumentation von Verdi und Beamtenbund klingt beim ersten Lesen einleuchtend: Die staatlichen Kassen sind voll, das Lohnniveau im öffentlichen Dienst ist niedrig - und in diesen Zeiten sind es auch und gerade viele Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes, die bei der Betreuung der vielen Flüchtlinge an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit kommen. Unter diesen Umständen wäre ein Dankeschön bei der nächsten Lohnrunde nur angemessen. Aber ist das überzeugend? Eher nicht. So sehr viele Mitarbeiter ein Plus beim Gehalt nötig hätten, so begrenzt werden doch auf absehbare Zeit die finanziellen Möglichkeiten des Staates sein. [...] Da wäre ein kräftiges Lohnplus für die Mitarbeiter ein Schritt, der Bund, Länder und Gemeinden überfordern könnte.


Falsche Disziplin

Handelsblatt, 2. März 2016

Die Kanzlerin war voll des Lobs: "Viele Menschen beneiden uns wegen des Systems der Partnerschaft", sagte Angela Merkel im Herbst auf dem ver.di-Bundeskongress. Dank der Kooperation von Arbeitgebern, Gewerkschaften und Regierung und maßvoller Tarifpolitik habe Deutschland die Finanzkrise einigermaßen glimpflich überstanden. Mit der Kooperation ist es offensichtlich vorbei - und auch mit der Bescheidenheit. Verdi-Chef Frank Bsirske fordert nicht nur sechs Prozent mehr Gehalt für die Beschäftigten von Bund und Kommunen - so viel wie keine andere Gewerkschaft in den aktuellen Tarifverhandlungen. Er hält auch die strikte Haushaltsdisziplin für falsch, weil der Bund bei den Negativzinsen Geld damit verdiene, wenn er neue Kredite aufnehme.


Mitbestimmen nein, Mitfeiern ja?

Neues Deutschland, 7. März 2016

Die gesetzliche Mitbestimmung wird 40 Jahre alt. [...] Skurril mutet an, dass der Festredner des Abends Reinhard Kardinal Marx ist [...] Die Kirche ist [...] der größte Arbeitgeber in der Bundesrepublik, der das Betriebsverfassungsrecht nicht anwendet. [...] Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, die viele der betroffenen Kollegen organisiert, fordert schon lange und vehement, die Sonderrechte für kirchliche Betriebe abzuschaffen.