Feuerwehr

Arbeiten unter dem Martinshorn

Personalrat und ver.di fordern gute Bedingungen und mehr Gesundheitsschutz

Von Renate Bastian

Frankfurter Feuerwehr: Auch ein umfassendes Sportkonzept ist nötig, um Stressbelastungen zu mindern

Foto: Fototeam Hessen

Ein Tag Ende März in Frankfurt: Gegen Mitternacht brennt es in einem Atelier in Heddernheim. Zwei Stunden später geht ein Wohnhochhaus in Niederrad in Flammen auf. 36 Einsatzkräfte der Freiwilligen und der Berufsfeuerwehr rücken an. Es gelingt den Feuerwehrkräften, das Leben einer Bewohnerin zu retten. Am Nachmittag des gleichen Tages werden zwei Fensterputzer aus einer steckengebliebenen Gondel im elften Stock eines Hochhauses befreit. Spezielle Höhenretter seilen sich über das Dach des Gebäudes ab, um zu helfen.

Schlaglichter auf einen Tag von vielen bei der Frankfurter Feuerwehr. Innerhalb von zehn Minuten, so schreibt es das Gesetz vor, muss sie rund um die Uhr an allen Tagen des Jahres am Einsatzort sein. Dafür stehen in einer Großstadt wie Frankfurt mehr als 900 hauptamtliche Einsatzkräfte bei der Berufsfeuerwehr zur Verfügung. Sie arbeiten im Schichtdienst - verteilt auf zwölf Feuer- und Rettungswachen im Stadtgebiet. Darüber hinaus sind die feuerwehrtechnischen Beamten aufgrund ihrer rettungsdienstlichen Ausbildung ein wichtiger Teil des Systems der Notfallrettung. Und wer nicht unmittelbar im Einsatz ist, pflegt und wartet die Löschfahrzeuge, bildet sich fort oder kümmert sich um das professionelle Funktionieren der Leitstelle. Auch Katastrophen- und vorbeugender Brandschutz gehören zu den Aufgaben.

Wenn's innen stimmt, funktioniert's draußen

Dass das alles reibungslos, verantwortungsbewusst und zuverlässig funktioniert, erwarten alle Bürger/innen. Erik Brumm, Personalratsvorsitzender der Frankfurter Feuerwehr, war früher selbst im Löschzug unterwegs. Deshalb weiß er, dass es auch innen stimmen muss, um die hohen Anforderungen und Belastungen des Berufs draußen zu meistern. Zu den bevorstehenden Personalratswahlen hat die ver.di-Liste daher ein umfangreiches Programm zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und zum Gesundheitsschutz der Beschäftigten vorgelegt.

Eigenes Berufsbild Feuerwehr gefordert

So muss nach Auffassung von ver.di das Feuerwehrkonzept 2020 überprüft und aktualisiert werden. Denn die Stadt wächst ständig, die Zahl der Einsätze mehren sich und die Überstunden steigen. Der Dienstplan müsse den steigenden Notrufzahlen, der längeren Gesprächsdauer und den Krankentransporten Rechnung tragen. Wenn aber der Stress steigt, kommt den Ruhezeiten eine erhöhte Bedeutung zu. Da geht es eben nicht ohne zusätzliches Personal. Und die Stressbelastung, so Erik Brumm, müsse gemildert werden, zum Beispiel durch einen Ausbau der Feuerwehr-Kuren und ein umfassendes Sportkonzept.

In diesem Zusammenhang geht es bei der Frankfurter Feuerwehr auch um ein neues, sozialeres Dienstplanmodell, das einen planbaren zusammenhängenden Freizeitblock vorsieht und familienfreundlich gestaltet ist. Es gilt auch, Bereitschaftszeit als Arbeitszeit zu werten. Logische Schlussfolgerung: längere Arbeitszeit - mehr Urlaub. Und schließlich fordert der Personalrat adäquate anderweitige Beschäftigungsmöglichkeiten für Feuerwehrleute, die altersbedingt oder auch aus anderen Gründen nicht mehr so gut auf die hohen Leitern klettern oder im Eiltempo die Löschschläuche tragen können. Das liebe und so dringend notwendige Geld spielt natürlich auch keine untergeordnete Rolle. Personalratsvorsitzender Brumm kritisiert, dass Neueingestellte wegen ihres Lebensalters einer niedrigeren Besoldungsgruppe zugeordnet werden. Es dürfe auch nicht sein, dass erfahrene Brandmeister vor dem Übergang in eine neue Stufe die Zusatzausbildung als Notfallsanitäter vorweisen müssten. Das erweise sich als Sackgasse. Andere Zusatzausbildungen müssten ebenso gelten. Darum steht die Änderung der hessischen Laufbahnverordnung hin zur Einführung des Berufsbildes Feuerwehr weiter auf der Tagesordnung, " denn wir haben uns diese Anerkennung verdient", so Erik Brumm. Und: "Eine hohe Bereitschaft, auch weiterhin für unsere Forderungen auf die Straße zu gehen, ist bei uns selbstverständlich."