Gute Arbeit

Es gab auch viel Gegenwind

Erste Verbesserungen nach der Befragung der Beschäftigten in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung

Antje Schumacher-Bergelin leitet die ver.di-Bundesfachgruppe Bundesverkehrs- und Straßenbauverwaltung

Foto: Renate Kossmann

ver.di hat 2015 in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) eine arbeitsvertragliche Verpflichtung des Arbeitgebers durchgesetzt, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt, genauso wie Versetzungen, und auch das Entgelt ist danach sicher. Trotzdem sind die Beschäftigten nach jahrelangem Personalabbau und Umstrukturierungen an der Grenze ihrer Belastbarkeit angelangt, wie eine Befragung mit dem DGB-Index-Verfahren für Gute Arbeit 2015 zeigte.

ver.di publik - Was hat sich seitdem geändert?

Antje Schumacher-Bergelin - Das Ergebnis der Beschäftigtenbefragung lag bei 51 Punkten. Alles unter 50 ist schlechte Arbeit. Inzwischen gibt es aber erste positive Entwicklungen. So hat die Politik mittlerweile eingesehen, dass die WSV weitere Stellen erhalten muss, wenn die notwendigen und zugesagten Investitionen in den Erhalt der Wasserstraßen und ihrer Bauwerke umgesetzt werden sollen. Trotzdem fühlen sich die Beschäftigten noch belastet, ist nicht alles gut.

ver.di publik - Von welchen Belastungen reden wir?

Schumacher-Bergelin - Quer durch alle Bereiche, in der Verwaltung oder in den Bauhöfen, auf der Schleuse und an der Wasserstraße, sind es fehlende Entwicklungsmöglichkeiten, emotional belastende Anforderungen, körperliche Anstrengungen, die hohe Arbeitsintensität und Unzufriedenheit mit dem Einkommen. Aber auch hier und da die Sorge, den Arbeitsplatz zu verlieren oder versetzt zu werden, obwohl wir das mit der arbeitsvertraglichen Verpflichtung entkräften konnten. Hauptsächlich sind es aber körperliche und emotionale Belastungen durch die Arbeit selbst und die Folgen des Personalabbaus.

ver.di publik - Wie ging es direkt nach der Befragung weiter?

Schumacher-Bergelin - Wir haben Multiplikatoren-Schulungen veranstaltet, um die Ergebnisse weiterzugeben. Mit den Fakten verhandelt es sich besser. Aber wir haben auch mit den Beteiligten aus den Dienststellen und Betrieben erste Maßnahmen erarbeitet, die vor Ort umgesetzt werden können, beispielsweise bessere Informationen und verlässliche Absprachen. Das führte zu weiteren Workshops in einzelnen Ämtern, mit Führungskräften und Personalräten.

ver.di publik - Wie ist das gelaufen?

Schumacher-Bergelin - Nicht einheitlich. An einigen der 39 Standorte gab es positive Reaktionen. Dort wurden die Index-Ergebnisse aufgegriffen und Maßnahmen vorbereitet, um die Arbeit besser zu machen. Einige Amtsleiter aber haben sich gesperrt. Da gab es auch viel Gegenwind. Allerdings haben wir mit den Ergebnissen und der Auswertung auf der politischen Ebene viel Aufmerksamkeit erregt und konnten Unterstützung gewinnen.

ver.di publik - Was konnte verbessert werden?

"Wir haben mit den Beteiligten aus den Dienststellen und Betrieben erste Maß­nahmen erarbeitet, die vor Ort umgesetzt werden können"

Schumacher-Bergelin - An einzelnen Standorten wurden die Absprachen und Teamabläufe verbessert, beispielsweise in den Bauhöfen, die zuständig sind für Reparaturen und Erhaltungsarbeiten an den Schleusen und Wehren. Die Interessenvertretungen wurden beim weiteren Umbau der WSV besser einbezogen. Auf der politischen Ebene im Bundestag konnten wir durchsetzen, dass zusätzliche Haushaltsmittel für weitere Stellen und für Investitionen an maroden Bauwerken zugesagt wurden. Allerdings stehen wir hier erst am Anfang. Beispielsweise müsste auch das Personal weiterqualifiziert werden, um die Stellen zu besetzen. Die Beschäftigten sind bereit dazu.

ver.di publik - Wie geht es dort weiter, wo ihr auf Gegenwehr gestoßen seid?

Schumacher-Bergelin - Die repräsentativen Zahlen geben uns Argumente an die Hand. Wir werden da weitermachen, denn es nützt niemandem, wenn die Beschäftigten es wegen schlechter Arbeitsbedingungen nicht bis zur Rente schaffen. Das müssen auch die Amtsleiter einsehen. Notfalls werden wir politischen Druck über den Bundestag und die regionale Politik aufbauen.

Das zuständige Bundesministerium und damit die Bundesregierung sind weiter gefordert. Sie haben den massiven Personalabbau und die Umstrukturierungen zu verantworten. Die Gespräche sind hier nicht beendet. Wir haben die Interessenvertretungen geschult und beraten, wie sie die Ergebnisse auswerten können. Wir werden die Beschäftigten weiter informieren und motivieren, sich für ihre Interessen einzusetzen.

Interview: Marion Lühring