Pressestimmen

Mickriger Ertrag

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Mai 2016

[...] Auf den Weg gebracht wurde nach ewigem Hickhack vor allem, dass Zeitarbeiter nach neun Monaten dasselbe verdienen müssen wie Stammkräfte des Unternehmens, an das sie verliehen werden, und dass ihr Einsatz nach 18 Monaten enden muss. In beiden Fällen haben tarifliche Regelungen jedoch Vorrang. [...] Ein enormer Aufwand steht am Ende einem mickrigen Ertrag gegenüber.


Mit großem Besteck unterwegs

Mannheimer Morgen, 30. April 2016

An sensiblen Bereichen kann ver.di mächtig Druck erzeugen. Die Organisation präsentiert sich als aktiv - notfalls kann sie auch das ganz große Besteck herausholen und Erzwingungsstreiks machen. Das Risiko: Je stärker die Gewerkschafter das Land lahmlegen, desto eher kann sich Stimmung auch schnell gegen ver.di richten.


Bsirske langt zu

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 1. Mai 2016

Niemand sollte den Gewerkschaftsmann mit dem Oberlippenbart unterschätzen: Das hat Frank Bsirske, 64, Verdi-Chef seit über fünfzehn Jahren, in der Nacht zum Samstag wieder bewiesen. Satte 4,75 Prozent mehr Lohn und Gehalt erhalten die 2,14 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst für dieses und das kommende Jahr; in inflationslosen Zeiten wie diesen kann Bsirske das Ergebnis eins zu eins als realen Konsumgewinn für seine Leute verbuchen. Sage noch einer, die Niedrigzinsphase habe nur Nachteile.


Digitale Taktgeber

Handelsblatt, 2. Mai 2016

Der 1. Mai ist für die Gewerkschaften immer auch so etwas wie Selbstvergewisserung. Die roten Fahnen, die kämpferischen Reden - sie zeigen den Beteiligten: "Hurra, wir leben noch!" Das ist angesichts der Mitgliederverluste der Vergangenheit keine Selbstverständlichkeit.

Tatsächlich ist es den Arbeitnehmer­vertretern zuletzt zwar gelungen, den Abwärtstrend zu stoppen. Doch die Gewerkschaften schaffen es nicht, neue Mitglieder in dem Maße zu gewinnen, wie die Beschäftigung wächst. Der Organisationsgrad, und damit ihr Einfluss in der Arbeitswelt, nimmt weiter ab. Hinzu kommt, dass die klassische Facharbeiterklientel, aus der die IG Metall ihre Truppen rekrutiert, immer kleiner wird. Dafür entstehen neue Berufsfelder. Nicht die Maschine, sondern Smartphone und Tablet geben zunehmend den Takt vor. Auch diese Digitalarbeiter müssen Gewerkschaften erreichen, wenn sie überleben wollen.


Entspannt

Rheinische Post, 2. Mai 2016

Wer jedoch glaubt, ein ordentlicher Abschluss genüge einem Gewerkschafter vom Schlage Bsirskes, der irrt. Der Verdi-Chef hat sich für seinen Auftritt im Krefelder Stadtwald schon das nächste Thema bereitgelegt und verlangt eine Kehrtwende in der Rentenpolitik. Das Rentenniveau müsse angehoben werden, sagt er unter dem Jubel der Zuhörer. [...] Bsirske kann entspannt schon mal auf das große Wahlkampfthema 2017 einschwenken. Der Abschluss im öffentlichen Dienst macht es möglich. Bsirskes Erfolg treibt aber auch die Erwartungshaltung für andere Branchen in schwindelerregende Höhen.


Keine Betonköpfe

Deutschlandfunk, 1. Mai 2016

Streikende Erzieherinnen, Müllmänner, Lokführer, Piloten und Postbeamte: 2015 ging als Jahr mit den meisten Streiktagen in die Annalen ein. Und auch im neuen Jahr setzt sich der Arbeitskampf nahtlos fort. Die Gewerkschaften erleben in den Betrieben und der Politik eine Renaissance. [...] sie finden wieder Gehör. In den Betrieben und in der Politik. Vorbei die Zeiten, da die Gewerkschaften als unverbesserliche Betonköpfe galten, die sich gegen notwendige Sozialreformen stellten - Stichwort Agenda 2010. Inzwischen wird ihr Rat wieder geschätzt - und von der Großen Koalition nicht selten befolgt.