Handel

Gewerkschafter in Peru unerwünscht

Orhan Akman wurde vor wenigen Wochen aus Peru ausgewiesen. Er soll die öffentliche Ordnung und den sozialen Frieden gestört haben, so die vorgeschobene Begründung

Orhan Akman , ver.di-Gewerkschafter aus Bayern, half fast zwei Jahre lang bei der Gründung von Gewerkschaften in Peru - im Auftrag des internationalen Gewerkschaftsdachverbandes UNI Global Union

Foto: ver.di

ver.di publik - Wie bewertest du diesen Vorgang, warum die Ausweisung?

Orhan Akman - Ich nehme den Angriff nicht persönlich, denn er zielt auf die Gewerkschaftsbewegung als Ganzes, er soll sie wieder schwächen. Dagegen muss international protestiert werden, was zum Teil schon geschieht. Offenbar haben wir die Kreise der Konzerne gestört, die den Handel in Peru beherrschen und meist ihren Hauptsitz in Chile haben.

ver.di publik - Womit seid ihr ihnen in die Quere gekommen?

Akman - Wir konnten in allen wesent­lichen multinationalen Handelsunternehmen neue Betriebsgewerkschaften gründen und bestehende stabilisieren. Die Konflikte im Land sind kompliziert. So hat es bei der Firma Ripley 23 Monate gedauert, bis endlich ein Tarifvertrag unterzeichnet war. Bei Cencosud, einer der größten Handelsketten Lateinamerikas, waren es 24 Monate.

ver.di publik - Gab es Hinweise, dass man gegen dich vorgehen würde?

Akman - Mir wurde öfter signalisiert, dass meine Aktivitäten als sehr störend empfunden würden. Bei einer Streikkundgebung vor der Cencosud-Zentrale in Lima drohte mir im Juni 2015 der Sicherheitschef von Cencosud und zeigte demonstrativ seine Waffe. Bei einer weiteren völlig friedlichen Aktion brachten mich vier Agenten der Ausländerpolizei im Oktober zur Wache, wo ich stundenlang befragt wurde. Konkrete Anschuldigungen gab es nicht. Die Absicht beider Konzerne bestand darin, die Gewerkschaften so schwach zu halten, dass sie um einen Tarifvertrag herumkommen. Diese Rechnung ging aber nicht auf. Unser Ziel ist es, in Peru weitere Gewerkschaften ins Leben zu rufen und alle in einer Föderation der peruanischen Handelsgewerkschaften zu vereinen. Ich vermute, deshalb sind die Unternehmen nervös geworden und haben hinter den Kulissen meine Ausweisung betrieben.

ver.di publik - Was spricht noch dafür?

Akman - In der Ausweisungsverfügung ist die Rede von Anzeigen gegen mich. Doch die liegen nirgendwo vor. Ich wurde ohne konkrete Vorwürfe ausgewiesen, hatte keine Chance, mich vor Gericht zu verteidigen. Ende Januar gab es aber schon einen deutlichen Hinweis auf die Urheber. Bei meiner Passkontrolle am Flughafen Lima leuchtete ein roter Alarmknopf auf, die Grenzpolizistin bestätigte mir hinter vorgehaltener Hand, dass Beschwerden und Anzeigen von Cencosud und Ripley gegen mich registriert seien.

ver.di publik - Dann ist die Verantwortung doch klar.

Akman - Beide Unternehmenszentralen in Santiago de Chile haben gegenüber unserer Regionalsekretärin von UNI Americas aber bestritten, etwas damit zu tun zu haben. Sie versprechen gute Zusammenarbeit und wollen keine Negativpresse. Gerade Cencosud hat ja bereits ein Imageproblem: Geleitet wird der Konzern von Horst Paulmann, Sohn eines deutschen Altnazis und eifriger Befürworter der Politik des früheren chilenischen Diktators Pinochet.

ver.di publik - Was erwartet ihr von den Handelsunternehmen?

Akman - Es mag sein, dass die operative Verantwortung für die antigewerkschaftlichen Aktionen in Peru liegt, doch die Konzernleitungen können sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Am besten würden sie mit der UNI ein globales Abkommen vereinbaren, durch das gewerkschaftliche Organisierung und Tarifverträge in allen Unternehmensteilen garantiert werden.

ver.di publik - Wie kann man dich und die peruanischen Kollegen unterstützen?

Akman - Jede Protestmail an Präsident Ollanta Humala hilft. ver.di-Mitglieder sollten auch die Kampagne von LabourStart gegen die Ausweisung unterstützen. Betriebsräte könnten Fotos oder Videos mit kurzen Unterstützungsbotschaften an meine Adresse mailen. Auch kleinste Zeichen von Solidarität, die in Peru ankommen, haben eine sehr große Wirkung.

Interview: Andreas Hamann

Protestmails an:

secretariageneral@presidencia.gob.pe

Infos über Proteste und Solidarität:

orhan.akman@uniglobalunion.org

Online-Kampagne:

www.labourstartcampaigns.net