handel

Sich nicht mit kleinen Zugeständnissen abspeisen lassen

Anfang Mai streikten Amazon-Beschäftigte erneut an verschiedenen Standorten

Ihr Ziel ist nach wie vor ein Tarifvertrag

foto: fototeam hessen/Andreas Gangl

Sie wollen keine Ruhe geben, bis ein Tarifvertrag unter Dach und Fach ist. Sie, das sind die Beschäftigten bei Amazon, die seit drei Jahren um verbindlich geregelte Arbeitsbedingungen kämpfen und dafür immer wieder streiken. So auch Anfang Mai an mehreren Standorten bundesweit. In den beiden Logistikzentren in Osthessen wie auch in Leipzig und Orten in NRW legten mehrere hundert Beschäftigte die Arbeit nieder.

In einer kurzen Streikmitteilung aus Bad Hersfeld heißt es: "An unserem heutigen Streiktag haben sich 550 Kolleg/-innen beteiligt. Zehn Neuaufnahmen zeigen, dass immer wieder Beschäftigte neu dazukommen." Obwohl die Geschäftsleitung Druck machte und Gespräche führte wegen Abwesenheit und Minderleistung, verstärkte sich sogar die Bereitschaft unter den Beschäftigten, für den Tarifvertrag einzutreten. Mit kleinen Zugeständnissen wollen sie sich von dem weltgrößten Versandhändler nicht abspeisen lassen.

Was diesmal aber noch weiter reichte: Eine Gruppe von rund 60 Amazon-Beschäftigten aus Bad Hersfeld und Leipzig reiste nach Wroclaw in Polen und versicherten die dort Beschäftigten ihrer Solidarität im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen. In Polen verdienen die meisten Amazon-Beschäftigten nur 3,50 Euro pro Stunde. Amazon bestreitet das. Die polnischen Kolleginnen und Kollegen nahmen die Solidaritätsbekundung aus dem Nachbarland sehr positiv auf.

Mechthild Middeke von ver.di Hessen stellt fest: "Wir fordern gute und gesunde Arbeitsbedingungen, existenzsichernde und tariflich verbindlich vereinbarte Löhne und Gehälter. Wir fordern das für alle Beschäftigten bei Amazon. Da von Polen aus deutsche Kunden beliefert werden, ist hier die grenzüberschreitende Solidarität besonders wichtig."