RUNDFUNKGEBÜHR

Über 60 Programme zum Stehplatzpreis

Ein Plädoyer für die öffentlich-rechtlichen Medien

17 Euro 50: Das reicht in München für einen Stehplatz bei einem Bundesliga-Heimspiel des FC Bayern. Das dauert in der Regel 90 Minuten. Für den gleichen Preis kann man aber auch 43.200 Minuten lang die Programme der öffentlich-rechtlichen Sender hören bzw. sehen. Das sind rund 60 Radioprogramme, dazu im Fernsehen die Sender ARD, ZDF, die "Dritten", arte, phoenix, ARD alpha, 3sat, KIKA - und die "Spartenkanäle".

Das freilich beeindruckt viele Mäkler nicht. Zu teuer seien die Rundfunkgebühren meinen sie und zu "flach" das Programm. Und so werden immer wieder "Reformvorschläge" ins Land posaunt: Von "radikaler Verschlankung" über ein Pay-TV-Modell gehen sie, bis hin zur völligen Abschaffung öffentlich-rechtlicher Medien oder deren Privatisierung. Ausgeblendet wird dabei, dass das öffentlich-rechtliche Modell aus gutem Grund entstanden ist. Und dass es bei uns im Verfassungsrang steht. Geschaffen wurde es 1945 nach dem Modell der britischen BBC. Aufgabe ist es, die publizistische Vielfalt zu garantieren und "im Interesse von Informationsfreiheit und Demokratie ein vielfältiges, umfassendes und ausgewogenes mediales Angebot zu sichern".

Von Rechts wegen ist also eine "Privatisierung" oder ein Pay-TV-System ausgeschlossen; die gebotene "Staatsferne" lässt ein steuerfinanziertes Modell nicht zu. Die im Umlagesystem erhobene Rundfunkgebühr ist denn auch wiederholt richterlich bestätigt worden.

Rosig sind die Zeiten dennoch nicht. Über die Gebührenhöhe entscheidet die "Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten" (KEF) - und die lässt kaum Spielraum bei den Budgets. So steht beim Bayerischen Rundfunk der Abbau von mehr als 400 Stellen in der Produktion an. Und das, obwohl der BR viele Eigenproduktionen sendet. Die kosten Geld - aber sie produzieren auch Synergien. Man denke nur an die blühende bayerische Musik- und Kabarettszene, die auch vom BR befeuert wird.

Hörtipp: Radio B2

Nicht zuletzt: Guter Journalismus kostet Geld. Und der BR, längst nicht mehr der "Schwarzfunk" alter Zeiten, leistet ihn (Hörtipp: Radio B2). Das kostet alles insgesamt 17,50 Euro. Was gäbe es von diesem Angebot noch und was würde das wohl erst kosten ohne die Öffentlich-Rechtlichen? Bernd Mann