Einzelhandel

Am siebten Tag sollst Du ruhen

Allianz gegen verkaufsoffene Sonntage - Erfolg in Dresden

Von Birgit Tragsdorf

Jeden Sonntag geöffnet - das geht gar nicht

Foto: dpa Picture Alliance

Die Zunahme von verkaufsoffenen Sonntagen ist für die Gewerkschaften schon seit Jahren ein wichtiges Thema. In Thüringen hat der Streit um den Sonntag als "Shoppingtag" einiges in Bewegung gebracht. Mit Überprüfungsanträgen, auch im Eilverfahren, an das Thüringer Oberverwaltungsgericht ist ver.di gegen die stadtweiten Ladenöffnungen am Sonntag vorgegangen. Bis zu 16 Sonntage standen im Plan der großen Einzelhandelsketten, vor allem von Möbelhäusern und Einkaufszentren in Erfurt und Umgebung. "Sogar der 1. Mai, der Feiertag der Arbeit, sollte ein verkaufsoffener Sonntag werden. Das hat uns sehr empört", betont die stellvertretende Landesfachbereichsleiterin, Bettina Penz, "aber es geht ver.di um den grundsätzlichen verfassungsgemäßen Schutz des freien Sonntags. Wir wollen dazu beitragen, dass sich künftig sowohl die Antragsteller als auch die Entscheidungsträger in den Kommunen des besonderen Stellenwertes dieses Tages wieder bewusst werden."

98 Prozent gegen Öffnung am 1. Mai

So sind der DGB und die ver.di-Kolleginnen und -Kollegen mit ihrem Standpunkt zur Ladenöffnung in die Öffentlichkeit gegangen. Sie starteten Umfragen, sprachen mit den Kunden, den Beschäftigten im Einzelhandel, den Kommunalpolitikern. Die Presse nahm das Thema auf, veröffentlichte zahlreiche Leserzuschriften. So ist es in den Thüringer Städten, vor allem in Erfurt und Suhl, zu einem gesellschaftlichen Diskurs über den Wert des arbeitsfreien Sonntags gekommen.

Bei einer Umfrage in Suhl zur Ladenöffnung am 1. Mai sprachen sich 98 Prozent der Befragten dagegen aus, und doch hat das Oberverwaltungsgericht den ver.di-Antrag im Eilverfahren abgelehnt. In Erfurt war ver.di erfolgreich, die Geschäfte blieben zu. Die Entscheidungen in den Hauptsacheverfahren stehen noch aus.

In vielen Städten gibt es schon seit Jahren Allianzen für den freien Sonntag. Vor allem Gewerkschaften und Kirchen engagieren sich. Sie wollen den Sonntag als einen besonderen Tag in der Woche schützen. Nicht nur in Thüringen sind diese Allianzen aktiv, in Dresden beispielsweise gibt es seit 2010 eine Allianz für den freien Sonntag, in der die ver.di-Kollegin und Ikea-Betriebsrätin Regine Posern sehr aktiv mitwirkt. Dieses Jahr wird es in Dresden nur einen einzigen verkaufsoffenen Sonntag geben, und zwar am 2. Advent.

Die engagierte Rede von Regine Posern vor den Stadträten in Dresden hat sicher auch zu dieser Entscheidung beigetragen. "Arbeit wird im Einzelhandel immer mehr in sozial wertvollen Zeiten geleistet - in den Abendstunden, am Samstag, und nun soll es auch noch der Sonntag sein", hat sie den Kommunalpolitikern erläutert. Und zu ihrer Rede steht sie auch heute noch.

Sie bemüht sich, in die Öffentlichkeit zu tragen, wie sich generell die Arbeitsbedingungen im Handel verändert haben: Immer mehr Flexibilität wird erwartet, die Bezahlung ist meist schlecht. Das ist auch ein Grund dafür, dass viele Kolleginnen an den offenen Sonntagen arbeiten wollen, weil es 120 Prozent Zuschlag gibt. Sie brauchen das Geld und stehen oft ungewollt in Opposition zur gewerkschaftlichen und kirchlichen Haltung zum freien Sonntag.

Regina Posern könnte sich vorstellen, dass sich die Allianzen für den freien Sonntag in den großen sächsischen Städten künftig besser vernetzen und enger zusammenarbeiten, wie es sich auch in Thüringen entwickeln soll. In Sachsen-Anhalt ist das bereits erreicht, dort gibt es schon eine landesweite Allianz.

Diskutieren und Einfluss nehmen

Aus den Erfahrungen mit den verschiedenen Aktionen zieht Bettina Penz für den ver.di-Landesbezirk eine klare Schlussfolgerung: "Sich auf gerichtliche Entscheidungen zu verlassen, ist nur die zweite Wahl. Durch eine öffentliche Debatte müssen wir Einfluss auf die Betriebsräte und Belegschaften und auf die Entscheidungsträger in den Kommunen und Betrieben gewinnen, und wir wollen stärker die Einkommensverhältnisse und Arbeitsbedingungen im Einzelhandel offenlegen und somit informieren, aufklären, Verständnis wecken. Also: Wir müssen reden, reden, reden."