Pressestimmen

Der traut sich was

Süddeutsche Zeitung, 2. November 2016

Sigmar Gabriel hat die Schlichtung im Streit um Kaiser's Tengelmann als erfolgreich abgeschlossen bezeichnet. [...] Wenn der Kompromiss hält, hat ausgerechnet der Agenda-Kanzler auch einen wichtigen Beitrag zur Aussöhnung von SPD und Gewerkschaften geleistet. Groß klang das Lob des Verdi-Vorsitzenden Frank Bsirske für den einst so massiv bekämpften Schröder und geradezu überschwänglich der Dank für den Wirtschaftsminister und SPD-Chef Gabriel. Damit ist noch ein Arbeitsplatz gesichert, wenn auch nicht für sieben Jahre.


Strategische Tarifbindung

Frankfurter Rundschau, 26. Oktober 2016

Die Tarifbindung insgesamt schwindet seit vielen Jahren, weshalb die Gewerkschaften verstärkt Gegenstrategien entwickeln. Kürzlich erst veröffentlichten die Chefs der drei größten Organisationen dazu ein Papier. "Tarifbindung ist eine entscheidende Gerechtigkeitsfrage", heißt es in dem Text von Jörg Hofmann (IG Metall), Frank Bsirske (Verdi) und Michael Vassiliadis (IG BCE). So wollen die Gewerkschaften noch intensiver um neue Mitglieder werben - in den Unternehmen, in denen sie bereits vertreten sind, aber auch in wenig erschlossenen Sektoren an den Rändern des Arbeitsmarktes. All das dient dem Ziel, insgesamt schlagkräftiger zu werden und das Mangement von Firmen gegebenenfalls zu zwingen, in die Tarifbindung zu gehen beziehungsweise zurückzukehren.


Vati sagt auch keiner mehr

Süddeutsche Zeitung, 25. Oktober 2016

Es gibt Parolen, die von ihren Urhebern zwar schon vor Jahrzehnten außer Dienst gestellt wurden, die aus der Erinnerung aber trotzdem nie ganz verschwunden sind. "Samstags gehört Vati mir!" zum Beispiel - mit diesem Spruch kämpften die Gewerkschaften in den Fünfziger- und Sechzigerjahren unter anderem für die Fünf-Tage-Woche. In den meisten Firmen und Branchen ist das Ziel längst erreicht, und "Vati" sagt auch keiner mehr; aber wer macht sich während einer Bahnreise schon Gedanken, dass die damit gemeinte Person, sofern Lokführer oder Zugbegleiter von Beruf, oft sechs Tage nacheinander nicht der Familie, sondern der Firma gehört?


Faktor Produktivität

Frankfurter Rundschau, 25. Oktober 2016

"Seit mehr als 50 Jahren sinkt die jährliche Arbeitszeit und gleichzeitig steigt die Wertschöpfung pro Kopf. Dank dieser steigenden Arbeitsproduktivität können wir auch in Zeiten demografischen Wandels einen höheren Wohlstand genießen. Ein moderater jährlicher Anstieg der Arbeitsproduktivität um 1,4 Prozent würde mehr als ausreichen, um die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu bewältigen."

Dierk Hirschel, ver.di-Chefökonom