Tarifverhandlungen

Eine AWO - ein Tarif! Eine AWO - kein Tarif?

Druck durch Streiks

20. Oktober 2016, Streik bei der AWO

FOTO: ULF STEPHAN

Aktuell gibt es einen Tarifkonflikt mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Schleswig-Holstein, in dem ver.di gemeinsam mit den AWO-Beschäftigten für eine deutlich bessere Bezahlung kämpft. Bis 2010 wurde bei der AWO auf dem Gehaltsniveau des Öffentlichen Dienstes (ÖD) bezahlt. Da wollen die Aktiven wieder hin, am besten sofort oder durch schrittweise Anpassung über einen Stufenplan. Darüber hat ver.di mit den AWO-Arbeitgebern verhandelt. Insgesamt 1.300 Beschäftigte bekräftigten das bei mehreren Streiks.

Weitere Streikankündigungen zeigten Wirkung. Der Arbeitgeber erklärte, die Anpassung an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) für das pädagogische Personal der Kitas vorzunehmen. Für die anderen Beschäftigten der Arbeiterwohlfahrt gibt es diese Bereitschaft nicht.

Großer Abstand

Hier hat der Arbeitgeber angeboten, die Gehälter nur um 3,5 Prozent in 2017 und 1,5 Prozent in 2018 zu erhöhen. "Wir haben das abgelehnt, denn der Abstand zum TVöD wird dadurch sogar noch größer. Zudem haben wir in den Jahren 2009 bis 2016 gerade mal durchschnittlich 0,75 Prozent pro Jahr mehr bekommen - und außerdem massive Einschnitte bei der Jahressonderzahlung hingenommen. Nach Jahren der Sanierung muss jetzt mehr kommen", sagt Christian Godau, Gewerkschaftssekretär im Fachbereich Gesundheitswesen und Soziale Dienste bei ver.di in Kiel.

Die Tarifverträge sind gekündigt. Solange der Arbeitgeber aber kein besseres Angebot macht, machen neue Verhandlungstermine derzeit keinen Sinn. Die Streiktage haben Mut gemacht und waren wichtige Erfahrungen der Solidarität. In der Öffentlichkeit gab es viel Zuspruch, und auch in den Medien hat die Auseinandersetzung eine hohe Resonanz gefunden.

Es haben sich aber noch nicht genug Beschäftigte beteiligt, um den Arbeitgeber zu besseren Angeboten zu zwingen. Es kommt also darauf an, dass sich viel mehr Kolleginnen und Kollegen aktiv in die Tarifbewegung einbringen. Anfang 2017 werden im Rahmen von Aktiventreffen und Tarifworkshops in Kiel, Flensburg, Lübeck, Neumünster, Elmshorn und Husum Pläne geschmiedet. "Betroffene Beschäftigte, die die Bewegung unterstützen wollen, können sich per E-Mail bei mir melden und werden dann in den Verteiler aufgenommen", so Christian Godau nach einem Treffen in Kiel. Die E-Mail-Adresse lautet christian.godau@verdi.de