ALLEINERZIEHENDE

Brunhild Fischer gibt nicht auf

Engagement mit Verfassungsmedaille des Freistaates Sachsen gewürdigt

Engagiert sich für Alleinerziehende: die Musikerin und Gewerkschafterin Brunhild Fischer

Foto: B. Tragsdorf

Von Birgit Tragsdorf

Es ist gleich eine doppelte Ehrung: Die Leipziger Musikerin Brunhild Fischer wurde zweifach wegen ihres Engagements für Alleinerziehende ausgezeichnet und als engagierte Künstlerin geehrt. Im Juni erhielt sie aus der Hand von Landtagspräsident Matthias Rösler, CDU, die Verfassungsmedaille des Freistaates Sachsen und in ihrer Heimatstadt die Goldene Ehrennadel der Stadt Leipzig.

Die Gewerkschafterin tritt dafür ein, dass alleinerziehende Eltern als fester Bestandteil einer Gesellschaft gelten und nicht immer nur als armutsgefährdete Problemgruppe. Brunhild Fischer entwickelt ein hohes Maß an Empathie für Menschen, die sich für Kinder entscheiden, die soziale Aufgaben übernehmen, die erziehen, die Angehörige pflegen. Es ist ihr ein Bedürfnis und es entspricht ihrer Vorstellung von Gerechtigkeit und Solidarität, dass alle Menschen und damit eben auch Alleinerziehende und ihre Kinder ihren gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft finden und gleiche Chancen bekommen.

Kämpfen für eine pure Selbstverständlichkeit

Brunhild Fischer ist stolz, dass ihr und ihren Mitstreiterinnen eine solche Anerkennung zuteil geworden ist. Weniger beglückt ist sie davon, dass man für diese Selbstverständlichkeit immer noch kämpfen muss. Aus ihrer eigenen Lebenserfahrung heraus haben sich für Brunhild Fischer die Bereiche ergeben, in denen sie sich beruflich und ehrenamtlich engagiert. Sie ist Musikerin, ihr Instrument ist die Querflöte. Von der Barockmusik über die Klassik und die Moderne bis hin zu Klangkunst und experimenteller Musik reichen ihr Können und ihr Interesse. Damit sie, ihre Künstler-Kolleginnen und -kollegen und auch künftige Generationen von ihrer Kunst auch leben können, ist sie als Gewerkschafterin aktiv in der ver.di-Fachgruppe Musik auf Landes- und Bundesebene und auch in der ver.di-Bundeskommission Selbstständige.

"Unsere Gewerkschaft soll das Potenzial ihrer Mitglieder erkennen, auch derjenigen, die künstlerisch arbeiten. Die sollen auch in ver.di ein Podium erhalten. Ihre Einkommens- und Lebenssituation muss anders werden", sagt Brunhild Fischer. Und sie fügt hinzu: "Kunst gehört als staatliche Pflichtaufgabe in die Verfassung, und auch Künstlerinnen und Künstler müssen von ihrer Arbeit leben können."

Berufspolitisch engagiert sich die Gewerkschafterin darüber hinaus in der Gedok, der Gemeinschaft Deutscher und Österreichischer Künstlerinnenvereine, und zwar als Vorsitzende der Regionalgruppe Leipzig / Sachsen.

Ein anderer wichtiger Teil ihrer ehrenamtlichen Arbeit gilt aber ihrem Einsatz für Alleinerziehende. Für sich selbst hat sie immer gewusst, dass sie selbstständig und unabhängig sein will, auch alleinerziehend mit zwei Kindern. Und dazu gehören familienfreundliche Betreuungs- und Arbeitszeiten. Für eine Künstlerin ist das aber fast gar nicht zu bewältigen. Da passt nicht viel zusammen mit den beruflichen Möglichkeiten und der Zeit, die Kinder brauchen. Das trifft bei den Alleinerziehenden nahezu alle Berufsgruppen.

In ihrem Umfeld hat Brunhild Fischer die Erfahrung gemacht, dass es vor allem Frauen sind, die in prekären Verhältnissen leben müssen, nur weil das gesellschaftliche Umfeld ihnen kaum Teilhabe ermöglicht. "Ich verstehe es nicht, dass Frauen immer wieder feststellen müssen: Sie sind gut ausgebildet, sie wissen, dass sie was können, und dann müssen sie Sozialhilfe beanspruchen." Wenn zudem die Bezeichnung in der Öffentlichkeit kursiert, sie seien "sozial schwach", legt sich Fischer so richtig ins Zeug: "Nein, diese Frauen mit ihren Kindern sind nicht sozial Schwache, nur weil sie finanziell schwach sind. Sie werden schwach gemacht."

Einflussnahme im politischem Raum

Damit sich das ändert, sucht die Musikerin Verbündete und Ansprechpartner, so etwa im parlamentarischen Gespräch mit der CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag. Sie hat sich eingebracht mit ihrer Kompetenz in Fragen der Situation von Alleinerziehenden - beispielsweise bei dem Leitantrag der Grünen zum Thema "Alleinerziehende stärken!". Gegenwärtig verfügt ein Viertel aller Familien im Freistaat Sachsen nur über ein Elternteil. Sie benötigen mehr politische Aufmerksamkeit, und dafür macht sich Brunhild Fischer stark. Das ist auch der Hauptgrund, warum ihr in Sachsen die besondere Auszeichnung mit der Verfassungsmedaille zuteil geworden ist.

Details über die Arbeit des Landesfamilienverbands Selbsthilfegruppen Alleinerziehender (SHIA) e. V. Sachsen finden sich im Internet unter www.shia-sachsen.de.

Kontakt: Roßplatz 10, 04103 Leipzig, Telefon 0341 / 98328060, Mobile (in dringenden Fällen) 0176 / 41593401, E-Mail kontakt@shia-sachsen.de