Postbank

Es geht um die Arbeitsplätze

Beschäftigte fordern Kündigungsschutz vor der zweiten Integration des Unternehmens in die Deutsche Bank

Von Gudrun Giese

Sie fordern fünf Prozent mehr. Warnstreik in Berlin

Foto: christian jungeblodt

Für viele Beschäftigte der Postbank war es ein Schock, als im März bekannt wurde, dass der alte Eigentümer auch der neue wird: Die Deutsche Bank plant nun wiederum die Integration des einstigen bundeseigenen Geldinstituts und der Bausparkasse BHW, nachdem vor zwei Jahren noch die Verabschiedung des Tochterunternehmens Postbank an die Aktienmärkte beschlossen worden war. Seit dem Sommer verhandelt ver.di mit der Arbeitgeberseite über Entgelt und Kündigungsschutz - bisher ohne Annäherung.

"Das Angebot eines Kündigungsschutzes bis Mitte 2019 ist inakzeptabel, da der Schutz zu einem Zeitpunkt enden würde, an dem ein besonders hohes Risiko für Arbeitsplatzabbau besteht", sagt Jan Duscheck vom ver.di-Bundesfachbereich ­Finanzdienstleistungen, der die Tarifverhandlungen für die Arbeitnehmerseite führt. 2019 steht die Integration der Postbank, des Postbank-Filialvertriebs sowie der BHW-Gruppe und weiterer Tochterunternehmen in die Deutsche Bank an. "Die Kolleginnen und Kollegen wollen Sicherheit für den Bestand ihrer Arbeitsplätze bis zunächst Ende 2022", sagt Timo Heider, Betriebsratsvorsitzender des BHW und Konzernbetriebsratsvorsitzender. Sie wünschten sich darüber hinaus aber auch, dass die Deutsche Bank bei der Integration "die Besonderheiten der Postbank berücksichtigt und nicht zwangsweise alles über einen Kamm schert".

Warnstreiks und Urabstimmung

Bundesweit hat es inzwischen eine ganze Reihe Warnstreiks für die Tarifforderungen gegeben, in Berlin auch vor der Niederlassung der Deutschen Bank an der Otto-Suhr-Allee. Neben dem existenziellen Anliegen, die Arbeitsplätze für die nächsten Jahre zu sichern, geht es in dieser Tarifauseinandersetzung auch um mehr Geld: Die Entgelterhöhung soll über der Inflationsrate liegen. ver.di fordert fünf Prozent mehr Gehalt bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten, eine deutliche Anhebung der Ausbildungsvergütungen und eine Erhöhung der vermögenswirksamen Leistungen. "Bei den Verhandlungen am 26. September hat der Arbeitgeber gerade mal 1,5 Prozent zum 1. November 2017 und ein Prozent ab Februar 2019 offeriert", sagt Jan Duscheck. Das sei völlig unzureichend angesichts ­einer Inflationsrate von 1,5 bis 2 Prozent. "Für die Kolleginnen und Kollegen wäre das gleichbedeutend mit Reallohnver­lusten."

Unter dem Motto "Fair geht anders!" protestierten viele der rund 18.000 ­Beschäftigten von Postbank, Postbank-­Filialvertrieb und BHW deshalb bei Ar­beitskampfaktionen im Oktober. Der Arbeitgeber hat einem weiteren Verhandlungstermin am 23. Oktober zugestimmt. Tarifkommission und Betriebsräte meinen, dass die zahlreichen Warnstreiks den Arbeitgeber nicht unbeeindruckt gelassen haben - zumal es Mitte Oktober auch eine Urabstimmung gab, die flächendeckende Streiks ermöglichen würde, wenn es bei den Verhandlungen nicht zu einem Abschluss kommen sollte.

Wechselbäder über Jahre

"Die Arbeitgeberseite tut gut daran zu berücksichtigen, welche Wechselbäder die Belegschaften in den zurückliegenden Jahren zu verkraften hatten", sagt Timo Heider. "Viele der Beschäftigten haben noch beim bundeseigenen Unternehmen Postbank - oder schon beim Postgiroamt - gear­beitet, mit einem selbstverständlichen ­Kündigungsschutz. Dann übernahm die Postbank das BHW, das gesamte Unternehmen wurde schließlich an die Deutsche Bank verkauft. Und jedes Mal gab es Brüche und Probleme bei der Integration." Vor diesem Hintergrund sei die Bereitschaft der Kolleginnen und Kollegen besonders hoch, sich für die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze und den Erhalt des Filialnetzes einzusetzen.

Schon Anfang des Jahres, als noch nicht die Rede von einer neuerlichen Integration in die Deutsche Bank war, sondern von einem eigenständigen Weg der Postbank gesprochen wurde, hat ver.di einen Zukunftstarifvertrag gefordert. "Angesichts der andauernden Umbrüche in der Bankenbranche wie auch der fortschreitenden Digitalisierung ist es dringend nötig, Arbeitszeit, mobiles Arbeiten und Weiterbildung im Sinne der Beschäftigten zu regeln", sagt Jan Duscheck. Diese Fragen blieben auch bei einer Integration der Postbank in die Deutsche Bank aktuell und müssten verhandelt werden.

Zunächst aber kämpfen die Postbank-Beschäftigten für die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze und für Gehaltserhöhungen, die ein echtes Reallohnplus bedeuten.