IBM

Da werden wohl Protestaktionen nötig

ver.di fordert für die knapp 15.000 Beschäftigten 4,5 Prozent mehr Geld

Mehr als 31.000 US-Dollar trägt jeder Beschäftigte bei IBM weltweit zum Nettogewinn des Jahres 2016 bei. Und auch ihr Anteil am Umsatz kann sich mit fast 200.000 US-Dollar sehen lassen. IBM hat im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von fast zwölf Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Der global agierende US-Konzern ist hochprofitabel. Trotzdem sind die Arbeitgebervertreter bisher nicht bereit, die Beschäftigten an den von ihnen erwirtschafteten guten Zahlen zu beteiligen.

"Spielräume für Gehaltserhöhungen für die IBMerinnen und IBMer sind vorhanden", sagt ver.di-Verhandlungsführer Bert Stach. Eine Einigung ist aber nicht in Sicht, bisher stellen sich die Arbeitgebervertreter stur. Für die einzelnen Gesellschaften legten sie in der dritten Verhandlungsrunde verschiedene Angebote vor, Beschäftigte in einigen Unternehmen sollen demnach sogar leer ausgehen. "Aber wir lassen uns nicht auseinanderdividieren", sagt Felix Koop, Mitglied der ver.di-Tarifkommission.

Zudem wollen die Arbeitgeber die Vergütungen der Auszubildenden und der dual Studierenden gar nicht erhöhen und die Zahl der Plätze für dual Studierende verringern.

Wie es für den Nachwuchs aussieht

Besonders der Umgang mit den Nachwuchskräften ist unverständlich. Bereits jetzt wird IBM auf dem Bewertungsportal kununu nicht als Top-Arbeitgeber bewertet. Und gerade die gefragten IT-Spezialisten informieren sich vor einer Bewerbung im Internet. Hier sieht es schlecht aus für Ibm: Das Unternehmen erzielt den drittschlechtesten Wert in der Gesamtbewertung im Vergleich zu den relevantesten Wettbewerbern um die Nachwuchskräfte. Demnach ist IBM der drittschlechteste Arbeitgeber bei den Weiterempfehlungen und sogar der schlechteste, was Sozialleistungen und Gehälter betrifft. Im Vergleich von 13 Unternehmen der Branche landet IBM ­lediglich auf dem elften Platz. Im Wettlauf der Arbeitgeber um die besten Nachwuchskräfte scheint der Konzern freiwillig aus dem Rennen ausscheiden zu wollen.

Und auch für die Stammbelegschaft ist das Angebot in der Tarifrunde bisher nur bescheiden. Im IBM-Lagebericht für das Geschäftsjahr 2016 formulierte man, wie ein gutes Ergebnis in Zukunft erwirtschaftet werden soll. Da heißt es: "Auch im kommenden Geschäftsjahr wird im Hinblick auf die positive Entwicklung des operativen Ergebnisses ein starker Fokus auf Effizienz- und Produktivitätssteigerungen gelegt."

Mehr erwirtschaften, aber verzichten?

Die Beschäftigten sollen also effizienter sein, sie sollen mehr erwirtschaften, aber auf Gehaltserhöhungen weitestgehend verzichten. ver.di-Verhandlungsführer Bert Stach hat bereits Protestaktionen angekündigt. Auch in der vergangenen Tarifrunde wurde schließlich bundesweit für mehr Geld demonstriert. Nach sieben Aktionstagen bewegten sich die Arbeitgeber damals, danach kam es schließlich zu einer Einigung. Und auch jetzt wollen die Beschäftigten noch nicht aus dem Rennen ausscheiden. Silke Leuckfeld