Versand- und Einzelhandel

Reallohnerhöhung durchgesetzt

Tariferhöhung erreicht, Kampf um Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen geht weiter

Der Druck durch Streiks brachte den Erfolg

Nach einer mehrwöchigen Tarifauseinandersetzung, die von zahlreichen Streiks und betrieblichen Aktionen begleitet worden war, wurde am 11. September in der fünften Verhandlungsrunde ein Tarifabschluss für den Hamburger Versand- und Einzelhandel erreicht.

Der abgeschlossene Tarifvertrag hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Er sieht folgende Tarifsteigerungen vor:

  • 2,3 Prozent mehr Lohn und Gehalt rückwirkend zum 1. Juli. Ab 1. Mai 2018 werden weitere 2,0 Prozent mehr gezahlt.
  • 50 Euro Einmalzahlung (Teilzeit anteilig) im April 2018, Azubis erhalten 25 Euro.
  • Die Ausbildungsvergütungen werden in beiden Jahren jeweils zum 1. September leicht überproportional angepasst.

"Dass am Ende einer schwierigen Tarifrunde Tarifsteigerungen erkämpft wurden, die eine Reallohnerhöhung für die Beschäftigten im Hamburger Versand- und Einzelhandel bedeuten, ist vor allen Dingen dem Engagement und den vielen Streiks der Kolleginnen und Kollegen zu verdanken", sagte ver.di-Landesfachbereichsleiterin Heike Lattekamp. Allerdings sei mit diesem Abschluss das Ziel noch nicht erreicht worden, durch existenz­sichernde Entgelte die drohende Altersarmut von Beschäftigten im Einzelhandel langfristig zu verhindern. Unter anderem konnte ver.di sich nicht mit ihrer Forderung durchsetzen, die unteren Lohn- und Gehaltsgruppen durch einen Festbetrag stärker anzuheben. Auch das Bestreben, die Tarifverträge für alle Handelsunternehmen in Hamburg für allgemeinverbindlich zu erklären, sei an der Arbeitgeberseite gescheitert.

"Deshalb ist das nun vorliegende Tarifergebnis einerseits ein Schritt in die richtige Richtung. Doch damit die Beschäftigten im Handel auch zukünftig von ihrer Arbeit leben können und nicht am Ende ihres Erwerbslebens die Altersarmut steht, brauchen wir gerade in dieser Branche die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge", betonte Lattekamp. Nur so könne verhindert werden, dass durch Tarifflucht und einen ruinösen Verdrängungswettbewerb der eigentliche Wert der Arbeit im Handel zum Spielball von Unternehmerinteressen verkomme.