Wohnen in München

Mal Zeltplatz, mal Couch

Junge Menschen suchen ein Dach über dem Kopf

Von Tina Scholze

Aktion der ver.di Jugend für bezahlbare Wohnungen

Foto: ver.di München

München schmückt sich mit vielen positiven Attributen, "Weltstadt mit Herz" etwa oder "lebenswerteste Stadt Deutschlands". Doch wieviel Herz hat die Landeshauptstadt für Auszubildende und junge Beschäftigte bei der Wohnungssuche? Nicht alle Azubis können bei den Eltern wohnen - und irgendwann möchten Jugendliche ihr eigenes Leben führen. Dazu gehört auch eine eigene Wohnung. Wie schafft man es also, bei einem Überangebot von gut situierten Wohnungssuchenden als junger Mensch an eine Bleibe zu kommen? Wir haben zwei ver.di-Mitglieder gefragt: Ines-Kiriaki Tsartsaris, 22 Jahre, Auszubildende zur Gesundheits- und Krankenpflegerin, und Marco Wahl, 27 Jahre, Bibliotheksassistent an der TU München.

Ines berichtet, dass sie nach dem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr angetreten hat. Sie wollte da auch schon gerne von zu Hause ausziehen. Da das Taschengeld aber nicht für eine eigene Wohnung gereicht hätte, ist sie erst einmal geblieben. Zu Beginn ihrer Ausbildung hatte sie dann das Glück, in ein Wohnheim des Arbeitgebers ziehen zu können. Das war für sie noch finanzierbar.

"Es ist unglaublich schwer,
als junger Mensch hier in München eine Unterkunft zu finden
und ich habe mich ziemlich diskriminiert gefühlt"

Ines-Kiriaki Tsartsaris

Gerne aber wäre Ines dann mit ihrem Freund zusammengezogen. Beide haben sich daher um Zwei-Zimmer-Wohnungen beworben. Vier frustrierende Monate: Auf 100 Bewerbungen gab es lediglich 20 Rückmeldungen, die aber alle nicht infrage kamen. Nach der Ausbildung von Ines wollen die beiden es wieder versuchen und hoffen dann auf mehr Glück.

Marco ist im September vergangenen Jahres nach München gezogen. Seitdem war er schon zweimal auf Wohnungssuche. Ihm war schon vor dem Umzug bewusst, dass Wohnen in München teurer ist als anderswo, aber die Preise haben ihn doch schockiert. "Unter 500 Euro warm für ein WG-Zimmer in halbwegs guter Lage ist so selten wie eine S 1 ohne Verspätung. Und Ein-Zimmer-Appartements sind unter 700 Euro quasi nicht existent", musste er schnell feststellen. Aber das hätte bedeutet: Die Hälfte seines Gehalts geht in die Miete.

Mit viel Glück fand er eine Wohnung für 510 Euro - deren Größe betrug elf Quadratmeter. Leider war sein Glück nur von kurzer Dauer und er war gezwungen, wieder auszuziehen. Das bedeutete, dass der Wohnungssuche-Wahnsinn von vorne begann. Diesmal hatte er weniger Glück und so blieb ihm nur die "Lösung Zeltplatz". Für einen Monat lebte Marco, trotz Festanstellung und regelmäßigem Gehaltseingang, im Zelt. Er war dort nicht der einzige. Vielen, gerade Student/innen, bleibt auch nichts anderes übrig, als die Nächte im Schlafsack zu verbringen. "Nach einem Monat bot mir dann eine Freundin an, zumindest vorübergehend auf ihrer Couch einzuziehen, bis ich eine Wohnung gefunden hatte. Nach vier Wochen bei eher durchwachsenem Wetter im Zelt war es schon sehr befreiend, wieder Wände um mich herum zu haben."

"Als ich Ende August begann, eine Wohnung zu suchen,
stand ich in direkter Konkurrenz zu den tausenden Studenten,
die zum Wintersemester ihr Studium aufnehmen.
Auf jede einzelne Anzeige für verfügbare Zimmer kamen
innerhalb weniger Stunden mehrere hundert Anfragen"

Marco Wahl

Während Vollverdiener noch den "Luxus" haben, mit etwas Spielraum beim Preis an die Wohnungssuche ranzugehen, ist der Markt in München für Studenten und Auszubildende geprägt von Konkurrenzkampf, absurden Preisforderungen und betrügerischen Angeboten. Von wegen "Herz" und "lebenswert".

Die ver.di Jugend fordert daher:

  • Öffentliche Grundstücke dürfen nur an Unternehmen und Initiativen gehen, die sich verpflichten, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
  • Luxussanierungen zum Zwecke der ­Gewinnmaximierung müssen gestoppt werden. Es braucht zukunftsfähige Sanierungsvorgaben.
  • Es darf keine weitere Privatisierung von öffentlichen Wohnungsbeständen stattfinden. Einstige Liegenschaften müssen zurückgekauft werden.
  • Alle Kommunen und Länder müssen finanziell und strukturell so ausgestattet werden, dass sie wieder eine aktive Wohnungspolitik betreiben können.
  • Es braucht eine realistische Erhöhung des BAföG und weiterer staatlicher Unterstützungsleistungen.
  • Die Bundesländer sollen Auszubildendenwerke (analog zu Studierendenwerken) gründen, die Auszubildenden bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen. Die Finanzierung der Werke soll durch Arbeitgeber und Länder sichergestellt werden.