Ausstellung

Zuhause im Verein

Mein Verein

Wenn man dem Verein ein "t" anhängt, dann entsteht das Wort "Vereint". Und tatsächlich vereinen Vereine viele Menschen, in großen Sportvereinen zum Beispiel auch solche mit den unterschiedlichsten Talenten und Ambitionen. Bei uns zuhause stand außer Frage, dass meine Geschwister und ich im Turn-Klubb zu Hannover - der schreibt sich wirklich so - angemeldet wurden, sobald wir halbwegs sicher auf den Beinen laufen konnten. Kinderturnen, Leichtathletik, Kunstturnen, Crosslauf, Turmspringen, Handball, Fußball - wir haben einiges mitgemacht in rund zwei Jahrzehnten. Haben Freundschaften geschlossen über den Sport hinaus, hatten im Sommer zum Toben und Versteckspiel immer das rie­sige Vereinsgelände mit Wald drum herum mitten in der Stadt, aus dem immer nur die Mitglieder der Tennisabteilung in ihren weißen Klamotten mit Aprés-Sekt herausstachen. Der Verein? Er war die erweiterte Familie, der Sport nicht immer das Wichtigste. Das "Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland" in Bonn hat dem Verein jetzt eine ganze Ausstellung gewidmet.

Derzeit gibt es in Deutschland mehr als 600.000 Vereine, knapp die Hälfte der hier lebenden Menschen sind in einem ­davon Mitglied. 300 Objekte haben die Ausstellungsmacher/innen zusammen­gebracht, von einem alten Vereinsbaum aus Westfalen über das Modell eines DDR-Kleingartenvereins bis hin zu zahlreichen Fotografien, die dem Museum über seine Facebook-Seite zugeschickt werden konnten. Daneben zeigen Filme und Bilder an 20 Medienstationen, welchen Beitrag ­Vereine bis heute zum sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft leisten. Gerade in den letzten Jahren wurden vermehrt Vereine gegründet, die sich die Integra­tion geflüchteter Menschen zur Aufgabe gemacht haben. Und auch noch heute spielen im ländlichen Bereich die Schützenvereine eine wichtige integrative Rolle, sind sie doch die Veranstalter von Dorf­festen und Umzügen, die alle zusammenbringen. Und in vielen Regionen sind auch die Karnevalsvereine nicht wegzudenken. Ganze Städte werden jeck, wenn sie zum Umzug und Umtrunk ­oder dem hier abgebildeten Tanzritual Stippeföttche blasen.

Es lassen sich viele Geschichten über den Verein erzählen, in Bonn sind etliche davon zusammengetragen worden. Auch dass der Verein typisch deutsch ist. Und die vom Vereinsmeier, der hier geboren ist und durch übermäßiges Engagement in seinem Verein auffällt. Weswegen so manche Person dann auch wieder austritt: "Ich bin aus dem Kakteenzüchter­verein ausgetreten, es gab mir dort zu viel Vereinsmeierei." Aber zum Glück gibt es den auch nicht nur einmal im Lande. Petra Welzel

HAUS DER GESCHICHTE, WILLY-BRANDT-ALLEE 14, BIS 4. MÄRZ 2018, DI-FR 9-19, SA / SO 10-18 UHR


Hamburger Genossenschafts-Museum

Genossenschaften sind wieder im Kommen. Vor allem in den großen Städten gründen sie sich, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, denn gerade dort steigen die Mieten und Immobilienpreise unaufhaltsam. Schon 1844 gründete sich die erste Konsumgenossenschaft in England unter 28 armen Flanellwebern. Zu günstigen Preisen erstanden sie für sich Mehl, Zucker, Butter und Kerzen. In Deutschland waren es die Hamburger Hafenarbeiter und ihre Gewerkschaft, die in einem 11-wöchigen Streik 1896 / 97 zur Unterstützung der Streikenden eine Konsumgenossenschaft aus dem Streikfonds gründeten. Nach 10 Jahren hatte die Genossenschaft 60 Läden eröffnet, 600 Wohnungen gebaut und betrieb eine Groß­bäckerei und Großschlachterei. Seit 2014 bereits zeigt das Hamburger Genossenschafts-Museum anhand von 3.000 Objekten 170 Jahre Genossenschaftsgeschichte, die zeigt, wie das Leben mit­einander solidarisch geregelt werden kann. Und wo? Natürlich im Gewerkschaftshaus! Petra Welzel

HAMBURGER GENOSSENSCHAFTS-MUSEUM, BESENBINDERHOF 60, DI-DO 14-17 UHR


I Am A Problem

Unlängst waren auf vielen Kanälen im ­Internet Fotos einer jungen Schwedin zu sehen, die sich in inzwischen fast unzähligen Operationen zu einer lebenden Barbie hat zurechtschneiden lassen. Dafür hat sich die junge Frau unter anderem Rippen entfernen ­lassen, um der Wespentaille einer Barbiepuppe so nah wie möglich zu kommen. Warum machen Menschen so etwas mit sich? Das hat sich auch der ­Regisseur und Bühnenbildner ­Ersan Mondtag gefragt. Alle schießen ständig Selfies von sich, wollen plötzlich nur noch vegan oder ­irgendwie anders essen und hecheln ihrer Körperoptimierung hinterher. Also hat sich Mondtag gefragt, was eigentlich unser Problem ist. Werken von internationalen Künstlern von Kader Attia und Vanessa Beecroft über Douglas Gordon, Bruce Naumann und vielen mehr bis zu Rosemarie Trockel und Andy Wahrhol hat er einen Parcours im Frankfurter Museum für Moderne Kunst geschaffen, der einen das Fürchten lehren kann. Aber auch mit Faszination auf den Körper als reines Material blicken lässt. Petra Welzel

MUSEUM FÜR MODERNE KUNST FRANKFURT, DOMSTR. 10, DI-SO 11-18, MI 11-20 UHR