Kino

"Fack ju Göthe 3" ohne Popcorn

Aktionen in mehreren Bundesländern

Hollywoodstars zeigen sich gern im Blitzlichtgewitter auf dem Roten Teppich. Für die Beschäftigten in den Kinos sieht der Alltag dagegen nicht glamourös aus: Sie haben viel Arbeit und wenig Geld. Dagegen wehren sich jetzt viele bundesweit, auch mit Streiks.

Ausstand bei UCI...

Für die Kinokette UCI lief der Filmstart von "Fack ju Göthe 3" nicht reibungslos. Allein in Nordrhein-Westfalen wurden mehrere UCI-Kinos in den vergangenen Wochen mehrfach bestreikt: In Duisburg legten die Beschäftigten an fünf, in Bochum an vier und in Düsseldorf und Hürth an jeweils drei Tagen die Arbeit nieder.

Spürbar war der Streik von rund 50 Beschäftigten an den Kassen und im Verkauf der Kinos in Hamburg Mundsburg und Hamburg Wandsbek. Drei Tage waren die Beschäftigten im UCI Mundsburg im Oktober im Ausstand, einen Tag haben die Mitarbeiter/innen in Wandsbek gestreikt. Wie wenig sie ihrem Arbeitgeber wert sind, merken sie bei jeder Kinokarte, die sie verkaufen: Für "Fack ju Göthe 3" zahlen Besucher 12,60 Euro. "In Hamburg liegen die Verdienste nur knapp über dem Mindestlohn. Eine Kinokarte kostet mehr, als eine Servicekraft pro Stunde verdient", sagt Agnes Schreieder von ver.di. Die Streikbeteiligung war groß, an den Kassen und im Verkauf kam es zu langen Schlangen, auf Kaffee mussten die Kinobesucher in Mundsburg ganz verzichten.

Die Beschäftigten erhalten in der untersten Gehaltsgruppe in vielen UCI-Kinos lediglich den Mindestlohn in Höhe von 8,84 Euro oder wenige Cent darüber. "Das muss sich ändern. Von uns werden höchste Flexibilität, Nachtarbeit und der Einsatz an Sonn- und Feiertagen erwartet", sagt Jens Feldkamp, Mitglied in der ver.di-Tarifkommission. ver.di fordert 1,50 Euro mehr pro Stunde. Erhöht werden sollen auch die Zulagen und das Weihnachtsgeld. Der Arbeitgeber hat sich in der dritten Verhandlungsrunde am 15. November zwar leicht bewegt und schlägt vor, den Stundenlohn beim Einstieg in den Job rückwirkend ab Oktober auf 9,39 Euro zu erhöhen. Doch ver.di will möglichst schnell den Sprung auf zehn Euro pro Stunde erreichen. Dazu ist UCI erst ab 1. Januar 2020 (kein Druckfehler!) bereit.

Der Arbeitgeber wollte die Wochen- arbeitszeit von 38 auf 40 Stunden erhöhen und bis zu 40 Prozent der Beschäftigten nur befristet einstellen. Nach den Streiks ist er am Verhandlungstisch von diesen Forderungen abgerückt. Gekündigt sind sowohl der Entgelt- als auch der Manteltarifvertrag. Am 8. Dezember (nach Redaktionsschluss) soll wieder ­verhandelt werden. Bundesweit sind rund 1700 Beschäftigte bei UCI beschäftigt.

... und bei der UFA

Auch die kleine Kinokette Ufa zahlt wenig und erwartet viel von den Beschäftigten. Die Situation ist ähnlich wie bei UCI: ver.di fordert mindestens 10 Euro brutto Stundenlohn, bisher zahlt das Kino lediglich den gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 8,84 Euro. Auch dort reagierten die Mitarbeiter mit Streik. Am 11. November legten fast alle zur Arbeit eingeteilten Beschäftigten im Stuttgarter Ufa-Filmpalast ab 16 Uhr bis zum Betriebsschluss nach Mitternacht die Arbeit nieder. Bereits einige Tage zuvor waren sie für zwei Stunden in den Ausstand getreten. Sie fordern einen Haustarifvertrag. Die Geschäftsführung der in Düsseldorf ansässigen Unternehmensgruppe, die in vier Städten Kinos betreibt, lehnt Tarifverhandlungen bisher generell ab.

Silke Leuckfeld