Kurznachrichten

"Modicare" in Indien

Indien - Die indische Regierung hat im Jahreshaushalt 2018 ein riesiges Krankenversicherungsprogramm für die ärmsten Bevölkerungsschichten in Aussicht gestellt. Die Regierung unter Premierminister Narendra Modi kündigte Anfang Februar das größte staatlich finanzierte Gesundheitsschutzprogramm der Welt an. Für 100 Millionen arme Familien sollen Gesundheitskosten von bis zu 500.000 Rupien (6.250 Euro) jährlich übernommen werden. Rund eine halbe Milliarde Menschen bekäme somit eine Absicherung, die hoch genug ist, um in Indiens vergleichsweise günstigem Gesundheitswesen mehrere operative Eingriffe zu decken. Bisher gibt Indien ­weniger als 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für gesundheitspolitische Zwecke aus. In Anspielung auf das amerikanische Obamacare-Programm kursiert in den indischen Medien jetzt der Begriff Modicare.


Gewerkschafter erneut im Gefängnis

Iran - Der Vorsitzende der Lehrer/innen-Gewerkschaft aus Teheran, Esmail Abdi, ist am 20. Januar 2018 erneut ins Gefängnis Evin gebracht worden. Esmail Abdis sechsjährige Gefängnisstrafe, die er 2016 angetreten hatte, war am 9. Januar vorübergehend ausgesetzt worden. Die iranischen Behörden verweigerten allerdings eine Verlängerung des Hafturlaubs, obwohl Abdi durch die Bedingungen im Gefängnis unter schweren gesundheitlichen Beschwerden leidet. Abdi wurde, nachdem er friedliche Proteste für die Rechte von Lehrer/innen und für freie ­öffentliche Bildung organisiert hatte, im Februar 2016 wegen Vergehens gegen die nationale Sicherheit verurteilt. Labourstart hat eine Kampagne für Esmail Abdi gestartet unter
www.labourstartcampaigns.net


Kunstmesse zensiert kritisches Werk

Madrid - Die Entfernung eines umstrittenen Werkes des spanischen Künstlers Santiago Sierra hat Ende Februar die Eröffnung der Internationale Messe für Zeitgenössische Kunst Arco in der spanischen Hauptstadt Madrid überschattet. Auf Wunsch der Organisatoren entfernte die zuständige Galerie das aus 24 Bildern bestehende Werk Sierras "Politische Ge­fangene". Der international bekannte 51-jährige Konzeptkünstler warf den Verantwortlichen daraufhin "Zensur" vor. Er sprach in einem Kommuniqué von einem "Klima der Verfolgung". Bei den 24 verpixelten Porträtbildern, die anhand von Texten unter den Fotos identifizierbar sind, handelt es sich um inhaftierte katalanische Separatisten, um verurteilte Gewerkschafter und auch um Künstler, die wegen ihrer Werke ins Gefängnis mussten. Die Madrider Stadt­sprecherin Rita Maestre twitterte, Madrid trete für Meinungs- und Kunstfreiheit ein und habe ein Treffen einberufen, um zu erreichen, dass die Entfernung rückgängig gemacht werde.


Leute machen Kleider

Buchtipp - Imke Müller-Hellmann wollte es genau wissen, deshalb hat sie sich auf den Weg gemacht, um herauszufinden, wer ihre Lieblingskleidungsstücke samt Vintage Boots hergestellt hat. Ihre Reise durch die globale Bekleidungsindustrie hat sie nach Bangladesch, China, Portugal, Vietnam und Thüringen geführt. Die mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin, die auch als Jobcoach für Menschen mit Behinderung arbeitet, schrieb auf, was sie erlebt und gesehen hat. Und das geht unter die Haut. Jedem Kleidungsstück widmet Müller-Hellmann ein Kapitel. Und jedes Kapitel leitet sie durch den E-Mail-Verkehr ein, mit dem sie ihre Kontakte und Verabredungen gemacht hat. In ihrer Schlichtheit zeigen allein die E-Mails, dass es möglich ist, den Herstellungsbedingungen der Kleidung auf den Grund zu gehen.     pewe

IMKE MÜLLER-HELLMANN, LEUTE MACHEN KLEIDER, OSBURG VERLAG HAMBURG 2017, 285 S., ISBN 978-3955101411, 20 €