VERTRAUENSLEUTE

Die Nervenzellen im Betrieb

In der Briefniederlassung Freising läuft nichts ohne sie

Von Ernst Edhofer

Vertrauensleutekonferenz der Briefniederlassung Freising im Jahr 2017

Foto: ver.di

Wenn sich ein kleiner Stein im Schuh versteckt hat, ist es ratsam, ihn bald zu entfernen, bevor er nicht nur lästig, sondern auch schmerzhaft wird. Also Schuhe ausziehen, auskippen, Schuhe wieder anziehen... Aber woher weiß die Hand, dass ein Steinchen im Schuh ist? Die Hand weiß es vom Gehirn, und dieses hat es von den Nervenzellen im Fuß erfahren. Überall sitzen diese Zellen, und das Gehirn hat deshalb einen guten Überblick über das Wohlbefinden. Wenn es irgendwo zwickt, melden die Zellen Alarm.

"Wir haben auch Nervenzellen bei uns im Betrieb. Die heißen gewerkschaftliche Vertrauensleute", sagt Andreas Faltermaier, Betriebsratsvorsitzender der Briefniederlassung Freising am Münchner Flughafen. Es ist ein großer Betrieb, den er und seine 25 Betriebsratsmitglieder zu betreuen haben: 4.000 Beschäftigte, auch im Schichtdienst. Räumliche Ausdehnung vom Altmühltal bis an die ­österreichische Grenze - die Betriebsstützpunkte sind über ganz Ober- und Niederbayern verstreut. "Wir können nicht überall sein. Deshalb haben wir ein dichtes Netz gewerkschaftlicher Vertrauensleute über die gesamte Niederlassung gezogen. Ohne die hätten wir viel weniger Kontakt zu unseren Kolleginnen und Kollegen."

Die VL - wie sie kurz heißen - kümmern sich um Probleme, informieren die Beschäftigten, organisieren gewerkschaftliche Aktionen und schauen darauf, dass ver.di mitgliederstark bleibt. Sie pflegen die Kollegialität, schauen darauf, dass alle gut miteinander umgehen, ob nun Mitarbeiter oder Vorgesetzter. Wenn es Konflikte gibt, helfen VL diese beizulegen. Auch Urlaubspläne und Vertretungspläne verhandeln sie im Auftrag des Betriebsrats. "Ohne VL wären Betriebsrat und ver.di viel schwächer und wir kön­nten viel weniger erreichen", betont Faltermaier.

Um beim Beispiel "Nervenzellen" zu bleiben: Das Gehirn, das alles steuert, besteht aus der ver.di-Betriebsgruppe und dem Betriebsrat. Beide versorgen die VL mit Informationen und unterstützen sie in ihren Aufgaben. Über Facebook wird gepostet. Faltermaier: "Die VL wollen aber auch mitreden können, was wir als Betriebsrat oder Betriebsgruppe machen." Und über Tarifforderungen mit­bestimmen. Deshalb gebe es Versammlungen und Besprechungen, um sich abzustimmen.

Der Aufwand lohnt

In diesem Jahr werden die Vertrauensleute neu gewählt. Die ver.di-Betriebsgruppe hat viel zu tun, um die Wahlen vorzubereiten. Der Aufwand lohne sich, meint Faltermaier. Allerdings sei es nicht immer einfach, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zu finden. Die Arbeit kostet Freizeit, man wird nicht immer gelobt, und es ist ein Ehrenamt, für das es kein Geld gibt. Gezwungen werde niemand, die Mitglieder hätten es selbst in der Hand, wie gut und intensiv ihre Interessen im Betrieb vertreten werden. Bisher sei es der Betriebsgruppe stets gelungen, genügend VL zu finden. Heute gibt es in der Niederlassung 249 Vertrauensleute, die sich auf alle Stützpunkte verteilen; um junge Mitglieder kümmern sich spezielle Vertrauensleute, die meist auch in der ­Jugend- und Auszubildendenvertretung ­aktiv sind.