Theater

Besser nichts tun als sich selbst optimieren

"Burn Or Out" am Theater Brandenburg nähert sich einem ernsten Thema spielerisch

Einfach mal loslassen

Foto: Nadine Ohl

Brandenburg - Ein Theaterstück ausgerechnet über ein Thema wie Burnout - muss denn das sein? Ja, es muss. Denn so, wie das Team am Theater Brandenburg unter der Regie von Gundula Weimann das "Ausbrennen" durch berufliche und persönliche Überlastung sowie mögliche Gegenstrategien auf die Bühne bringt, erleben die Zuschauer/innen nicht einfach nur die Darstellung eines verbreiteten Problems, sondern bekommen viel Denkstoff mit auf den Weg.

Wertvoll schweigen

Eine Art Versuchsanordnung bestimmt den Theaterabend. Vier Schauspieler/innen, ein Mann, drei Frauen. Drei Akteur/-innen auf der Bühne haben im Stück "Burn Or Out" zwar feste Namen, aber unterschiedliche Rollen. Sie wechseln zwischen Betroffenen und Therapeut/innen. Im Hintergrund auf der Videowand gibt zwischendurch "Frau Prof. Dr. Freudenberger" immer wieder neue Anweisungen, wie der Burnout zu behandeln sei.

Anne Osterloh als "Nina", Claudia Schwartz als "Lara", Lorenz Pilz als "Steffen" und Friederike Drews als "Prof. Freudenberger" bringen so in anderthalb Stunden, die der Theaterabend dauert, nahezu alle Facetten rund um das als Krankheit nicht anerkannte Burnout-­Syndrom und viele dagegen empfohlene Entspannungskonzepte unter. Dabei geht es keineswegs bierernst zu. Im Gegenteil: Wenn eine der Akteurinnen den übrigen beiden - und auch dem Publikum - therapeutisch wertvolles Schweigen verordnet, selbst aber immer wieder drauf los redet, ist das sehr lustig, weil es Erinnerungen ans echte Leben weckt. Und wenn die "Frau Professor" in den Videoeinblendungen tolle Tipps zum "Loslassen", aber auch zur "Selbstoptimierung" verbreitet, dann ist das in aller Klischeehaftigkeit zwar zum Lachen, das einem aber im ­Halse steckenbleibt.

Den drei Bühnenakteur/innen sind Biografien mitgegeben, die neben persönlichem Leid immer die klassische Burnout-Diagnose Überlastung durch zu viel Arbeit, zu viele Termine, zu wenig Freizeit enthalten. Dass aber Gegenmittelchen wie Entspannungstechniken, Yoga und ähnliches kaum wirken können, wenn sich am Grundproblem nichts ändert, vermitteln die Schauspieler/innen ganz nebenbei und sehr eindrucksvoll.

Die Idee für das Stück geht ursprünglich auf einen Kurzfilm zurück, den Regisseurin Gundula Weimann 2014 im Auftrag des ver.di-Bereichs Gute Arbeit produziert hat. Das Theaterstück basiert zudem auf Recherchen in der Ambulanz Oberberg City Berlin-Mitte sowie im Städtischen Klinikum Brandenburg, wo es Gespräche mit Burnout-Betroffenen gab. Über einen Zeitraum von etwa sieben Wochen hat das Team um Weimann letztlich das Stück entwickelt. Dass am Ende der verschiedenen Versuche, den Burnout zu "bekämpfen" die Einsicht steht, vor allem viel Freizeit und Regeneration seien die besten Mittel, das Ausbrennen erst gar nicht entstehen zu lassen, hört sich banal an, ist aber sehr amüsant und kurzweilig hergeleitet und auch Bestandteil des Fragebogens, den jede/r Zuschauer/in vorab erhält.

Während der ver.di-Kurzfilm (http://www.innovation-gute-arbeit.verdi.de/gute-arbeit/filme) vor allem die sachliche Seite des Themas vermittelt, bietet das Theaterstück spielerische Denkanstöße, die über einen akuten Burnout weit hinausweisen und Fragen nach der grundsätzlichen Haltung zu Arbeit, Freizeit und Nichtstun aufkommen lassen.

Gudrun Giese

Studiobühne im Brandenburger Theater, Grabenstr. 14, 14776 Brandenburg/Havel, www.brandenburgertheater.de, nächste Aufführungstermine: 22.3., 26. und 27.4., jeweils 19.30 Uhr