Rekommunalisierung

Im Kreislauf des Wassers

14 Jahre lang waren die Berliner Wasser­betriebe teilprivatisiert. Seit 2013 gehören sie wieder der Kommune. Am wenigsten betroffen waren und sind in diesem Fall die Beschäftigten von der Privatisierung und Rekommunalisierung. Die Berliner/innen hingegen zahlen trotz Preissenkungen noch immer zu viel fürs Wasser

Nachklärbecken im Klärwerk Waßmannsdorf

Von Petra Welzel (Text) und Stephan Pramme (Fotos)

Lisa Käpernick steckt in einem etwa 1,80 Meter tiefen Kanalloch. Mit weißem Schutz­anzug, hellblauen Handschuhen, grauer Atemschutzmaske, gespreizten Beinen und gekrümmtem Rücken steht die 28-Jährige über einem Abwasserkanal. Durch die Gasmaske ist sie nur schwer zu verstehen. Lisa Käpernick ist eher klein und schmal, doch in dem engen Loch kann sie sich kaum bewegen. Immer wieder stößt sie mit dem Po an die runde Schachtwand. „Uff“, stöhnt sie. Seit einer guten Stunde ist sie in der Hasselwerderstraße in Berlin-Köpenick bei der Arbeit. Lisa ist Netzprüferin bei den Berliner Wasserbetrieben (BWB) und saniert an diesem frühen Morgen mit vier Kollegen den letzten Abschnitt eines Abwasserrohrs.

0,5 Cent pro Liter

Die BWB in ihrer heutigen Form wurden 1992 gegründet. Doch der Beginn der zentralen Wasserversorgung in Berlin geht auf das Jahr 1856 zurück. Aus den ersten 314 Hausanschlüssen sind rund 298.000 Anschlüsse geworden, die gut 3,7 Millionen Menschen mit Wasser versorgen. Für etwa 0,5 Cent pro Liter, einschließlich der Abwassergebühren. Das klingt günstig, 5 Euro für 1.000 Liter. Ein Liter besseres Quellwasser aus dem Supermarkt kostet durchschnittlich schon 1,30 Euro. Dennoch bezahlen laut eigenen Auskünften der Betreiber beispielsweise die Hamburger derzeit nur 0,4 Cent pro Liter, die Dortmunder 0,3 Cent und die Dresdner lediglich 0,2 Cent.

In Berlin schlagen im Vergleich zu anderen Städten vor allem die höheren Abwassergebühren zu Buche. Täglich stellen die BWB 585.000 Kubikmeter Trinkwasser zur Verfügung, entsorgt werden 602.000 Kubikmeter Abwasser. Das älteste Berliner Rohr befindet sich mit 156 Jahren unter der Mühlenstraße und laut BWB im besten Zustand, verglichen mit den deutlich jüngeren Rohren in der Hasselwerderstraße.

Dort ist über dem geöffneten Kanalschacht ein Dreifuß aufgestellt, Seile liegen bereit. Eines ist in einen großen Karabinerhaken eingehängt, der in Steißbeinhöhe an Lisa Käpernick befestigt ist. Von oben sieht es aus, als hänge sie wie eine Marionette daran. Nach unten lässt sie sich gerade den „Hund“ reichen, kein lebendes Objekt, sondern eine Kamera auf vier Rädern mit beweglichem Objektivkopf. Einem Dackel nicht unähnlich.

Oben im Technikwagen steht Kollege Stefan Mann vor einem Computer, der die Kameraaufnahmen aufzeichnet. Per Funk ist er mit dem Kollegen am nächsten Gulli verbunden. „Fahr rein!“, weist er ihn an. Auf dem Computerbildschirm nähert sich eine Kugel, die in alle Richtungen Wasser spritzt. Nach und nach tauchen im Licht der Kamera die Hausanschlüsse des Straßenabschnitts auf. Als die Kugel rückwärts läuft, fragt Mann: „Was ist denn da los?“ Aus einem der Hausanschlüsse läuft Abwasser ins Rohr. Es stellt sich heraus, der Hausmeister hat verschlafen, das Haus wurde noch nicht vom Netz genommen. Also noch einmal alles von vorne.

In sechseinhalb Minuten

Etwa eine Viertelstunde später kann Lisa im Kanal den platten Schlauch aus glasfaserverstärktem Kunststoff, der oben zusammengefaltet in einer Holzkiste liegt, an einer Seilwinde befestigen. In sechseinhalb Minuten läuft der knapp 50 Meter lange Schlauch zwischen ihren Beinen und Händen zum anderen Ende durch. Anschließend wird er zum neuen im alten Rohr aufgepumpt. Ein beißender Geruch entweicht, ein Messgerät ist dauerhaft am Piepen. Nicht nur Lisa unten im Schacht stöhnt wieder. Auch die Männer oben über der Erde drehen sich weg oder halten sich eine Hand vor Nase und Mund. „Der Spuk ist vorbei“, sagt Lisa, als sie schließlich aus dem Gulli klettert und die Atemmaske auf den Kopf schiebt.

Lisa Käpernick ist Netzprüferin bei den Berliner Wasserbetrieben

„Mutti ist schuld“, sagt sie, wenn man sie fragt, warum sie sich ausgerechnet für eine Ausbildung im Rohr- und Kanalindustrie-­Service entschieden hat. Das war 2009, als die BWB bereits seit zehn Jahren teilprivatisiert waren. Lisa sagt: „Da war Tag der offenen Tür bei den Wasserbetrieben, ich hatte noch keinen Ausbildungsplatz, und meine Mutti ist deshalb mit mir dahin gegangen.“ Die BWB suchten tatsächlich Nachwuchs und Lisa griff zu.

„Ich liebe meinen Beruf“, sagt sie. „Jede Baustelle ist anders.“ Dass sie eine von nur insgesamt vier Frauen unter den 80 Beschäftigten in ihrer Betriebsstelle ist, stört sie nicht. Sie arbeite lieber mit vielen Männern als ­vielen Frauen zusammen. „Wir sind hier nicht auf der Beauty-Farm oder bei Douglas, wie die Männer sagen“, sagt sie. An ihren Händen scheint noch ein wenig das helle Blau ihrer Handschuhe hervor, die mit jedem Handgriff unten im Schacht pottdreckig geworden sind. Auch das stört sie nicht.

Als Lisa Käpernick 2012 ihre Ausbildung beendet hat, waren die BWB so gut wie rekommunalisiert. 13 Jahre zuvor, im Jahre 1999, hatte der Berliner Senat für insgesamt 1,7 Milliarden Euro 49,9 Prozent der Wasserbetriebe an die Energiekonzerne RWE und Veolia verkauft. Vor allem um das Haushaltsdefizit auszugleichen.

Preise um 150 Prozent erhöht

Der Verkauf scheint von langer Hand geplant gewesen zu sein. Ein Gutachten der Industrie- und Handelskammer Berlin von 2011 stellte fest: Zwischen 1990 und 2000 waren die Trinkwasserpreise bereits um 125,6 Prozent erhöht wurden. In den zehn Jahren nach der Teilprivatisierung betrug die Steigerung dann noch 24,2 Prozent. Die BWB scheinen also für die bevorstehende Übernahme gemästet worden zu sein, sie sollten attraktiv und lukrativ für die privaten Betreiber sein. Vor allem, weil den Käufern üppige Gewinne zugesichert worden waren, wie sich später herausstellte.

2007 hatte sich nämlich der „Berliner Wassertisch“ gegründet, der ein Volksbegehren startete und einen Volksentscheid durchsetzte, der zur Rekommunalisierung der BWB führte. Das Motto des Wassertischs lautete: „Schluss mit Geheimverträgen – Wir Berliner wollen unser Wasser zurück.“ 2011 entschieden sich 98,2 Prozent der Berliner/innen, die abstimmten, für die Offenlegung der Verträge und die Rekommunalisierung, die dann schließlich 2013 abgeschlossen wurde.

Für Gerlinde Schermer, die den Berliner Wassertisch mit gegründet hat und 1999 im Berliner Abgeordnetenhaus als Mitglied der SPD gegen die Privatisierung der Berliner Wasserbetriebe gestimmt hatte, ist das Thema bis heute nicht vom Tisch. Das Bundeskartellamt hatte zwar schon 2012 angeordnet, dass die BWB ihre überhöhten Wasser- preise senken müsse. Und diese Verfügung hat das Kartellamt 2014 trotz Einspruch der BWB erneuert. Die derzeitigen Wasserpreise, mit denen die Berliner/innen dank der Anordnung des Kartellamts etwa 22 Euro Wassergeld pro Kopf im Jahr sparen, sind bis Ende 2018 gesichert. Gerlinde Schermer sagt dennoch: „Die Wasserpreise sind immer noch zu hoch.“ Auch der Bund der Steuerzahler in NRW kritisierte im vergangenen Jahr die methodischen Mängel bei der statistischen Erfassung von Wasserpreisen. Den Kommunen werde „für die Preise ein Persilschein ausgestellt“.

Arne Kuczmera im Werk Ruhleben

Gerlinde Schermer kann stundenlang über das Wasser reden. Als würde man bei ihr einen Hahn aufdrehen, so sprudelt es aus ihr heraus. Geld für Instandsetzungen würden vom Gewinn der BWB für den Landeshaushalt abgezwackt, als wären es Steuergelder. Die privaten Betreiber hätten im Schnitt jährlich 120 Millionen Euro aus den Wasserbetrieben abgeschöpft, und der Senat genauso viel. „Wie in der Zeit der Teilprivatisierung werden die Wasserpreise weiter mit kalkulatorischen Kosten belastet, die mittlerweile mehr als die Hälfte des Wasserpreises ausmachen“, sagt sie und kann auch das mit Zahlen belegen.

Ein Becher kühles Leitungswasser

Dass die Wasserpreise wieder steigen könnten, ist für viele Berliner eine ganz reale Sorge. Als die BWB mit ihrer „Wasserbar“ auf der Charlottenburger Kunstallee in der Schlossstraße stehen, ist der Andrang groß. Es ist mit 30 Grad der erste richtig heiße Tag im Jahr, und die Schlange für einen Becher kühles Leitungswasser reißt nicht ab. „Ohne uns würden die hier heute ganz schön auf dem Trockenen sitzen“, sagt Stefan Hammer-­Szybalski, der bei den BWB Mitarbeiter in der Unternehmenskommunikation ist. Ein Ehepaar aus Strausberg spricht seine Kollegin Kerstin Reiher, Ingenieurin im Wasserlabor der BWB, an. Sie hätten von der steigenden Nitratbelastung in der Zeitung gelesen und seien nun besorgt, weil deshalb ja auch die Wasserpreise steigen könnten. Kerstin Reiher erklärt ihnen: „Das Nitrat ist in Berlin kein Problem.“ Das Paar ist beruhigt und geht weiter.

Bei ihrer Kollegin Ute Sofia Müller de Flor, ebenfalls Ingenieurin für Wasserwirtschaft, beschwert sich eine Frau, dass man das Leitungswasser „manchmal echt nicht trinken kann“, so schlecht schmecke es. Die Diplom-Ingenieurin nimmt die Kritik ernst und fragt: „Wurden bei Ihnen im Haus vielleicht die Leitungen gewechselt?“ Und schickt gleich hinterher: „Das kann den Geschmack be­einflussen.“ Um den Geschmackstest zu machen, stellt sich die Frau erst einmal in die Schlange an der Bar und taucht nicht wieder auf.

Von Mai bis September sind die Wasserbetriebe mit ihrem sogenannten „Wasser mobil“ unterwegs auf Veranstaltungen. Bieten nicht nur Wasser, sondern auch Bürgernähe. Müller de Flor hat für alle Fragen ein offenes Ohr und immer eine passende Antwort parat. Der Kontakt zu den Wasserkunden macht ihr trotz der Hitze sichtlich Spaß. „Wir können uns echt nicht beschweren, was unsere Arbeitsbedingungen betrifft“, sagt sie. Sie weiß, wovon sie spricht. Sie ist seit 1976 im Betrieb und genauso lange in der Gewerkschaft. Auch in der Zeit der Teilprivatisierung seien die Bedingungen gut gewesen. Die Beschäftigten hätten von ihr sogar profitiert, durch einen besseren Tarifvertrag.

Lisa Käpernick hat von Anfang an unter den besseren Bedingungen gearbeitet. Sie fühlt sich vor allem gut ausgebildet und betont, dass auf die Sicherheit bei der Arbeit großer Wert gelegt werde. „Wenn wir neue Sachen benötigen, Sicherheitsschuhe zum Beispiel, bekommen wir das immer sofort.“ Es ist 9 Uhr, Lisa hat die letzten drei Stunden gearbeitet, jetzt frühstückt sie, drei Stullen und ein Joghurt.

Durch das sanierte Rohr in der Hasselwerderstraße werden die Abwässer schon wieder ohne Verluste ins Klärwerk Waßmannsdorf in der Nähe des Flughafens Schönefeld gepumpt. Die Kläranlage ist wie alle anderen Klärwerke 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag in Betrieb. Nach dem Klärwerk in Ruhleben fast am anderen Ende der Stadt ist es das zweitgrößte in Berlin. Von der Schaltzentrale im sechsten Obergeschoss hat man einen Rundumblick über die Reinigungsstufen samt Klärbecken. In der fünften Etage sitzt Torsten Kühne, der Werksleiter, mit Blick auf ein großes Panoramabild des Klärwerks. Ein eher kleiner Mann, der genauso viel Ruhe ausstrahlt wie das Wasser, das unten durch die Klärbecken fließt.

Was in die Toilette gehört

Besuchern erklärt Kühne nicht nur die Reinigungsstufen, er gibt ihnen auch Haushaltstipps mit auf den Weg. Zum Beispiel, dass in die Toiletten nichts gehöre außer Ausscheidungen und Toilettenpapier. Auf keinen Fall Feuchttücher, auch wenn auf den Verpackungen „flushable, spülbar“ stünde. „Das ist so etwas, was aus den USA herübergeschwappt ist.“ Auch Haarbüschel aus Bürsten und Kämmen gehören nicht weggespült. „Die verschlingen sich miteinander bis zu balldicken Schlingen und setzen ganze Pumpstationen außer Gefecht.“ Und vor ­allem, sagt Kühne, hat Fett nichts im Abwasser zu suchen. Fett müsse mit Papier aus Pfannen und von Tellern entfernt und im Hausmüll entsorgt werden. „Gerade im Winter hat es die Neigung zu verhärten.“ So sei London zu seinem Fettberg in der Kanalisation gekommen.

Oben: Einen Becher frisches Leitungswasser gibt es an der Wasserbar der Berliner Wasserbetriebe umsonst

Unten: Als eine von wenigen Frauen saniert Lisa Käpernick Berlins Kanalrohre

Eine Woche später erklärt Arne Kuczmera im Klärwerk Ruhleben Kindern einer vierten Grundschulklasse, wie das läuft mit dem Wasser. Anhand einer grafischen Wassertorte zeigt er, dass weltweit nur ein Tortenstück gereinigt wird: „Der Rest aller Abwasser geht ungeklärt zurück in die Flüsse, Seen und Meere.“ Über Afrika erzählt er, dass die Kinder dort „zum Pullern und Kackern aufs Feld gehen“.

Ein Kind möchte wissen: „Sind Sie hier der Chef?“ „Nö, ich war hier mal Schichtarbeiter“, antwortet Kuczmera. Der Junge hätte ihm sicher auch abgenommen, dass er früher mal Fußballer war. So sieht er jedenfalls aus, sportlich, Fußballerbeine. Er greift zu einem Laserpointer, um auf einer Berlin-Karte mit den Kindern die insgesamt neun Wasserwerke abzuzählen. Die 650 Brunnen, die zum städtischen Wasserkreislauf dazugehören, erwähnt er nur kurz, „kennen wir ja aus den Märchen, etwa das mit dem Frosch“. Er möchte von den Kindern wissen, welche Reinigungsstufen sie schon kennen. Sie kennen sie alle: Rechen, Sandfang, Klärschlamm, der zur Stromerzeugung genutzt wird, Belebung durch bakterielle Reinigung, Nachklärbecken.

„Das riecht hier wie im Schweinestall bei Opa“, sagt ein Junge, als die Klasse in den Rechen geht, wo die ankommenden Abwasser von allen festen Bestandteilen getrennt werden. Alle Kinder halten sich die Nasen zu und atmen erst draußen wieder richtig durch. Arne Kuczmera kennt das. Der Geruch bleibt vom Besuch im Klärwerk immer hängen.

„Es war nicht alles schlecht“, sagt er, wenn er an die Zeit der Privatisierung zurückdenkt. „Wir konnten uns weltweit an Ausschreibungen beteiligen.“ Ein Kollege sei für sechs Jahre nach China gegangen und habe dort ein Klärwerk gebaut. International habe das viel für den Umweltschutz gebracht. Mit der Rekommunalisierung sei dieses Engagement der BWB zurückgegangen. Allerdings habe der private Betreiber auch „ganz viel gestrafft und automatisiert“, also Stellen abgebaut.

Seit 1999 wurden bei den BWB mehr als 2.500 Stellen gestrichen, sozialverträglich, wie es heißt. Der Tarifvertrag, der 1999 mit dem Berliner Senat vereinbart wurde, schloss betriebsbedingte Kündigungen für 15 Jahre aus. Im September 2017 kündigten die BWB an, in den kommenden Jahren wieder bis zu 700 Arbeitsplätze zu besetzen, weil viele der derzeit rund 4.350 Beschäftigten aus Altersgründen ausscheiden werden. Vor allem Fachkräfte wie Lisa Käpernick für die Kanalsanierung werden gebraucht. Dafür soll auch in die eigene Ausbildung investiert werden. Leiharbeiter werden nicht mehr beschäftigt. Kuczmera sagt, heute seien die BWB „ein wahnsinnig soziales Unternehmen“.

Mit dem „Hund“, einer Kamera, werden Kanalsanierungen dokumentiert

Aus Märchen lernen

In der Berliner Wassercharta, die Gerlinde Schermer und ihre Mitstreiter/innen mit dem Ende 2013 gegründeten Berliner Wasserrat vorgelegt haben, ist eine mögliche weitere Zukunft formuliert: „Die Berliner Wasserbetriebe werden nicht gewinnorientiert geführt. Sie erheben Gebühren, mit denen die Kosten der Einrichtungen gedeckt sowie Rücklagen für Investitionen in eine nachhaltige wirtschaftliche und technische Entwicklung gebildet werden können.“ Das Ziel ist ein kommunaler Betrieb mit Bürgerbeteiligung. Transparenz sei wichtig, sagt Schermer. Und dass das Geld der Wasserkunden auch nur für die Wasserwerke verwendet wird.

Schermer vergleicht das Geschäft, das mit dem Wasser gemacht wurde, gern mit dem Märchen vom Rumpelstilzchen. Das Rumpelstilzchen ist der private Investor, der der Müllerstochter in der Rolle der BWB, dabei hilft, Gold zu spinnen, um die Kasse des Königs, also des Senats, zu füllen. „Dafür muss die Müllerstochter dem Rumpelstilzchen einiges zahlen, ein Halsband, einen Ring und ihr erstes Kind. Ohne Gegenleistung – lernen wir –, geht’s auch im Märchen nicht.“

Ohne den Berliner Wassertisch, sagt Ellen Naumann von ver.di Berlin-Brandenburg, wären die BWB sicher nicht wieder rekommunalisiert worden: „Damals haben doch alle geglaubt, Privatisierungen seien das ­Tollste auf der Welt.“ Stephan Natz, der Pressesprecher der BWB sagt: „Die Teilprivatisierung war in den 160 Jahren der Wasser­betriebe nur ein Wimpernschlag der Geschichte.“ Festhalten lässt sich zumindest: Das Kind ist nicht in den Brunnen gefallen.

berliner-wassertisch.net
berliner-wasserrat.de

 

Kommunale Energie

Allein im Bereich der Energieversorgung gibt es in Deutschland derzeit geschätzt 20.000 Konzessionsverträge für Strom und Gas mit privaten Betreibern. Da die Laufzeit der allesamt um die Jahrtausendwende abgeschlossenen Verträge auf 20 Jahre begrenzt ist, laufen sie gegenwärtig und in den nächsten Jahren aus. Auch hier ist Berlin bei der Rekommunalisierung neben Hamburg Vorreiter bürger­naher Stadtwerke. Ähnlich wie bei der Wasserversorgung hat sich ein Berliner Energietisch gegründet. Er bietet eine Energie-Stadttour an, die Mut machen soll, für eine demokratische, ökologische und soziale Energieversorgung zu ­streiten.

berliner-energietisch.net