Wach- und Sicherheitsgewerbe

Viel Risiko für wenig Lohn

ver.di-Befragung zu „Guter Arbeit“

Miese Arbeitsbedingungen beim Wach- und Sicherheitsgewerbe

Foto: Holger Hollemann/dpa

Von Gudrun Giese

Arbeit im Wach- und Sicherheitsgewerbe kann sehr gefährlich werden, ist anstrengend, bringt wenig Ansehen und wird schlecht bezahlt. Eine aktuelle ver.di-Befragung unter Beschäftigten bei der Flughafensicherheit, Gebäudebewachung und Geldtransporten zeigt, dass bei Arbeitsbedingungen und Entgelt noch viel Luft nach oben ist.

Unzufrieden war Birgit Jakob (Name geändert) mit den Arbeitsbedingungen bei All-Service, einem Unternehmen, das an verschiedenen Flughäfen Sicherheitsaufgaben übernimmt. Sie war in Tegel und später in Schönefeld in der Alarmverfolgung eingesetzt, das heißt, sie musste versehentlich ausgelöste Alarmanlagen wieder zurücksetzen. Mit der Arbeit an sich hatte sie kein Problem, erzählt sie,­ jedoch mit der schlechten Organisation. „Eine Woche im Voraus bekam ich meine Dienstzeiten mitgeteilt. So lässt sich kaum ein privater Termin planen.“ Unzulänglich sei auch der Pausenraum gewesen, winzig klein, mit wackligen Stühlen, ohne Kühlschrank. Dort fanden bei Schichtende die Übergaben statt.

Nach der Auftragsübernahme an den Berliner Flughäfen habe All-Service sehr viel Personal eingestellt, das aber nicht komplett benötigt worden sei. „Schließlich wollte das Unternehmen vor allem unbefristet Beschäftigte wie mich ent­lassen“, sagt Birgit Jakob. Mitte Februar erhielt sie die Kündigung wegen angeblicher Sicherheitsvergehen. „Meine Nachfrage bei der Flughafengesellschaft ergab, dass nichts vorlag, aber den Job bin ich los.“

Keine Pausen, viel Druck

Auch Michael Becker (Name geändert) arbeitet im Bereich Flughafensicherheit, allerdings in einer besseren Position. Er ist Teamleiter bei Securitas am Flughafen Tegel, wo rund 1.500 Kolleg/innen Gepäck und Reisende auf unerlaubtes Zubehör checken. „Die Bezahlung ist bei uns halbwegs in Ordnung, aber die Arbeitsbedingungen sind hart“, sagt Mich­ael Becker. Der Arbeitsdruck sei erheblich gestiegen, auch die physische Belastung durch immer schwereres Handgepäck. Und es gebe keine Pausen. „Unser Bereitschaftsdienst ist die einzige Zeit, in der wir etwas verschnaufen können, aber das ist keine Pause.“ Bedauerlicherweise kämen der Arbeitgeber und der Betriebsrat bei der Aushandlung einer Betriebs­vereinbarung zu Pausenregelungen nicht voran.

Für Steffen Maskow und seine Kollegen bei Prosegur in Potsdam ist die hohe Arbeitsbelastung durch überlange Dienstzeiten das größte Problem. „Unsere tarifliche Entlohnung haben wir uns in der Vergangenheit erstreikt. Wir sind mit rund 300 Beschäftigten für Geldtransporte in der Region zuständig, aber das sind zu wenig Leute für die Aufträge“, sagt Maskow, der auch stellvertretender Betriebsratsvorsitzender ist. Mehr als zehn Stunden seien viele der Kollegen täglich unterwegs, und die Tourenplanung werde oft kurzfristig über den Haufen geworfen. Entsprechend schlecht sei das Betriebsklima.

Zu wenig Lohn

Peter Stargard, Teamleiter und Betriebsratsmitglied bei Dussmann Service, hat bessere Erfahrungen gemacht. Er ist in einem aus acht Kolleg/innen bestehenden Team der Objektverantwortliche für den Wachdienst im deutsch-russischen Museum in Berlin-Karlshorst. „Wir verstehen uns sehr gut und sind alle schon lange dabei.“ Die Schichten plant das Team selbst. Unzufrieden seien die Beschäftigten aber mit der Bezahlung, die nach Tarif nur bei 9,80 Euro brutto pro Stunde in der untersten Lohngruppe beträgt. „Und 5 Prozent Nachtzuschlag sind viel zu wenig; das sind 3,53 Euro zusätzlich für eine Nachtschicht“, sagt Stargard. Hier müsse der Tarifvertrag dringend nachgebessert werden.

Die ersten Ergebnisse der bundesweiten Befragung der Beschäftigten im Sicherheitsgewerbe von ver.di zeigen, dass die Bedingungen Lichtjahre von guter Arbeit entfernt sind. Die Belastungen werden als überdurchschnittlich bewertet, die gesellschaftliche Anerkennung hingegen als sehr gering, und die Entlohnung entspricht in den Augen vieler Beschäftigter nicht ihrer Leistung. Etwa drei Viertel der Befragten fühlen sich nach der Arbeit oft leer und ausgebrannt.

Weitere Informationen demnächst unter: aber-sicher.org