Mein Arbeitsplatz

Grenzen ziehen

Martin Nammert, 56, ist die Vertrauens­person für Schwerbehinderte in der Service­niederlassung Post – eCommerce – Parcel (SNL PeP) der Deutschen Post AG

Foto: Frank Rumpenhorst

Im Oktober 2014 haben mich die schwerbehinderten Beschäftigten der SNL PeP zu ­ihrer Vertrauensperson gewählt. Anfangs war ich nur zu 70 Prozent meiner Arbeitszeit dafür freigestellt, erst seit Beginn des Jahres 2015 konnte ich mich voll dieser Aufgabe widmen. Bis dahin war es ein harter Kampf, denn ich war in meiner alten Abteilung noch in Projekte eingebunden. Ich habe es dann geschafft, klare Grenzen zu ziehen, habe festgelegt, an welchem Tag ich als Vertrauensperson tätig bin und an welchen Tagen ich an dem Projekt arbeite.

Anträge nehmen zu

Als ich gewählt worden bin, waren 42 der rund 800 Beschäftigten als Schwerbehinderte registriert, aktuell sind es 74. Sie arbeiten an 44 Standorten des Unternehmens. Das bedeutet, dass ich viel unterwegs bin. Aber ich kümmere mich ja nicht nur um sie, jeder der rund 800 Beschäftigten an unseren insgesamt rund 150 Standorten kann mich um Beratung und Unterstützung bitten. Insgesamt sind wir zu viert, ich habe noch zwei Stellvertreter und eine Sachverständige.

Ich war von Anfang an sehr rührig, unsere Arbeit bekannt zu machen. Sie hat sich ­herumgesprochen. Daher kommen auch Kolleg/innen auf mich zu, die vorher schon angeschlagen waren. Es vergeht keine Woche, in der wir nicht konkrete Anträge auf Anerkennung von Schwerbehinderung bei den Versorgungsämtern stellen. Das ist ein Grund, warum die Zahl der Schwerbehinderten bei uns so gestiegen ist. Hinzu kommt die Altersstruktur der Beschäftigten, sie liegt bei uns bei durchschnittlich 52 Jahren. Gerade psychische Erkrankungen haben bei der Antragstellung zugenommen. Auch hier ist es in der heutigen Arbeitswelt ganz wichtig, dass jeder für sich Grenzen zieht. Aber an der Spitze der Gründe liegen bei uns immer noch orthopädische Leiden.

Ich kümmere mich auch darum, dass – wenn es nötig ist – die Arbeitsplätze umgestaltet werden. Da geht es zum Beispiel um Vergrößerungsgeräte oder Tastaturen für unsere sehbehinderten Kolleg/innen. Wichtig ist für mich auch die Vernetzung. Ich bin zugleich Betriebsratsmitglied. Außerdem habe ich bei uns im ver.di-Bezirk Südhessen einen regionalen Arbeitskreis Schwerbehindertenpolitik initiiert. Wir waren selbst ein bisschen erstaunt, wie groß das Interesse daran ist. Auch auf Landes- und auf Bundesebene bin ich da bei ver.di aktiv. Und innerhalb des Postkonzerns bin ich ebenfalls gut vernetzt.

Text: Heike Langenberg  

Bundesweit wählen Schwerbehinderte in Betrieben und Verwaltungen im ­Oktober und November ihre Vertrauenspersonen. Wo es bislang noch keine gewählten Vertreter/innen gibt, aber mehr als fünf Schwerbehinderte arbeiten, ist eine Neuwahl jederzeit möglich. Mehr Infos: sbw-wahl.verdi.de

 

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0800/837 34 33 oder

www.darum-verdi.de